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Plakatmotiv: Wolfman (2010)

Ein zahnloser Werwolf

Titel Wolfman
(The Wolfman)
Drehbuch Andrew Kevin Walker & David Self
nach dem Drehbuch des gleichnamigen Films von Curt Siodmak (1941)
Regie Joe Johnston, USA 2010
Darsteller

Benicio Del Toro, Emily Blunt, Anthony Hopkins, Simon Merrells, Hugo Weaving, Michael Cronin, Geraldine Chaplin, Art Malik, Nicholas Day, Dianne Pilkington, David Sterne, Sam Hazeldine, Emily Parr, Gemma Whelan, Mario Marin-Borquez, Asa Butterfield, Cristina Contes, Malcolm Scates, David Schofield, Roger Frost, Max von Sydow u.a.

Genre Drama, Fantasy, Horror
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
11. Februar 2010
Inhalt

Blackmoor, England 1891: Die junge Gwen Conliffe sorgt sich um ihren Verlobten Ben, der spurlos verschwunden ist. Sie bittet dessen Bruder Lawrence um Hilfe. Als Lawrence in Blackmoor eintrifft, ist die fürchterlich entstellte Leiche seines Bruders bereits gefunden worden.

Lawrences Vater John Talbot nimmt seinen Sohn verhalten in seinem Haus auf. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist gestört, seit dieser als Kind die tote Mutter in den Armen des Vaters fand. Lawrence macht sich auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders und stößt dabei auf dunkle Geheimnisse innerhalb der Familie. Als er von der mörderischen Bestie gebissen wird, die seinen Bruder getötet hat, nimmt das Unheil seinen Lauf …

Was zu sagen wäre

Dem Vollmond sind viele Sagen und Legenden verfallen. Der Fluch der weißen Scheibe am Firmament, jeden Monat einmal, bringt das Böse in uns zum Vorschein. Plakatmotiv: Wolfman (2010) Immer wieder werden diese Geschichten erzählt, am prominentesten wahrscheinlich die des Werwolfs. eine Bestie in harmloser Menschengestalt, die in der Vollmondnacht ausbricht und Menschen reißt. Seit es Filmstudios gibt, gehört der Werwolf zu den großen Monstern der Universal Studios, neben Dracula und der Kreatur von Dr. Frankenstein.

In Hollywood erzählt man sich, Universal wolle seine alten Horrorfiguren aufpolieren und auf die Kinogänger des 21. Jahrhunderts loslassen und ähnlich dem Marvel cinematic Universe rund um die Avengers ein Monster Universe gründen. Universal holte jedenfalls Benicio Del Toro, Emily Blunt, Anthony Hopkins und Hugo Weaving. Eine prominente Besetzung, um den alten Schocker von der Schönen und dem Biest zu erzählen. Und Joe Johnston gibt sich auf dem Regiestuhl redlich Mühe, den glanzvollen Namen eine ebenso glanzvolle Kulisse zu geben. Rick Baker, der schon verschiedene Werwölfe zum Leben erweckt hat ("Wolf – Das Tier im Manne" – 1994; "American Werwolf" – 1981), dazu King Kong, die Star Wars-Kreaturen, die Gremlins, den Pinguin von Gotham City, den Planet der Affen oder Hellboy, erledigt den Job auch hier wieder zu großer Freude der Genrefans. Danny Elfman steuert den bedrohlich wummernden, sich ins donnernde steigernden Score bei und Johnston selbst bringt sein oft gezeigtes Gespür für Timing mit ("Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm" – 2004; Jurassic Park III – 2001; Jumanji – 1995; Rocketeer – 1991; Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – 1989).

Leider ist die Geschichte mehr oder weniger die alte geblieben und ein paar Modernisierungsbemühungen sind offenbar im Streit hinter den Kulissen versandet. Als der Film schon abgedreht war, drehte der hauptamtliche Stuntkoordinator und Second-Unit-Director Vic Armstrong noch verschiedene Sequenzen nach, beziehungsweise neu. Auch Elfmans Score flog aus dem fertigen Film und wurde erst wieder eingesetzt, nachdem der Score von Paul Haslinger, der als neuer Komponist geholt worden war auch keine Zustimmung fand. Es muss ziemlich zugegangen sein in den Produktionsbüros hinter verschlossenen Türen, Plakatmotiv: Wolfman (2010) Ron Meyer, der Präsident der Universal Studios, sprach später unverblümt  von „einem der schlechtesten Filme (…) der beschissensten Filme, die wir jemals rausgebracht haben“.

Wer von Werwolf-Filmen nicht mehr erwartet, als alte Friedhöfe, über denen Bodennebel wabert, dazu alte, spinnverwebte Herrenhäuser, Wolken, die vor Vollmond ziehen, feiste Bauerngesichter und einen Mann im Wolfs-Make-Up – Bitteschön: Das ist Euer Film!

Man darf aber nicht so auf die Handlung achten, in der etwa die Hauptfigur Lawrence als gefeierter Theaterstar nach Hause nach Blackmoore kommt und dort dann vom Scotland Yard-Mann Francis Aberline mit einem früheren Sanatoriumsaufenthalt in Verbindung gebracht, was später ein Arzt, der Lawrence in seinem Sanatorium mit fragwürdigen Methoden behandelt, wieder aufgreift, ohne dass dieser mutmaßliche frühere Aufenthalt dann nochmal eine Rolle spielen würde. Wie passt ein Aufenthalt im Irrenhaus – nichts anderes ist dieses Sanatorium, das mehr einem Folterkeller ähnelt als einer Heilanstalt – zu Lawrences Geschichte, er sei aufs Internat geschickt worden und später in Amerika zum Schauspieler gereift? Womöglich war da im Script ursprünglich mal neben der Mensch/Werwolf-Existenz noch eine weitere Doppelexistenz angelegt, die dann nicht sauber aus dem Drehbuch gerissen worden ist?

Und was ist mit dem Butler von Lawrences Vater John, einem indischen Sikh, gespielt von Art Malik, der großflächig geheimnisvoll eingeführt und dann abrupt abserviert wird? Alles Elemente, die wirken, als sei der ursprünglich gedachte Film mal rund 45 Minuten länger gewesen und sehr viel komplexer; statt dessen gibt es jetzt eine Szene, in der Vater John Sohn Lawrence das große Geheimnis der Werwolf-Fluchs erzählt, Plakatmotiv (US): Wolfman (2010) dem Film damit die Spannung nimmt, aber die Erleichterung gibt, sich weitere Erklärungen sparen zu können.

Im fertigen Film stolpert Benicio Del Toro (Sin City – 2005; "21 Gramm" – 2003; Das Versprechen – 2001; Traffic – Die Macht des Kartells – 2000; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Angst und Schrecken in Las Vegas – 1998; Joyride – 1997; The Fan – 1996; Die üblichen Verdächtigen – 1995; James Bond 007 – Lizenz zum Töten – 1989) durch die Handlung, ohne zu verstehen, was er da spielt. Deshalb senkt er immer den Kopf und blickt dann hilfesuchend aus seinen Benicio-Del-Toro-Augen nach oben, meist ins Gesicht von Emily Blunt, die auch ratlos wirkt (Der Krieg des Charlie Wilson – 2007; Der Teufel trägt Prada – 2006).

Nur Anthony Hopkins hat sichtlich Spaß an seiner umrätselten Vaterrolle, die er mit Lust an der Boshaftigkeit des Stärkeren füllt (Das Spiel der Macht – 2006; Roter Drache – 2002; Hearts in Atlantis – 2001; Hannibal – 2001; Mission: Impossible II – 2000; Rendezvous mit Joe Black – 1998; Die Maske des Zorro – 1998; Amistad – 1997; Auf Messers Schneide – 1997; Nixon – 1995; Legenden der Leidenschaft – 1994; Bram Stoker's Dracula – 1992; Das Schweigen der Lämmer – 1991; 24 Stunden in seiner Gewalt – 1995; Die Bounty – 1984; Die Brücke von Arnheim – 1977; Achtzehn Stunden bis zur Ewigkeit – 1974).

Sollten die Gerüchte aus Hollywood stimmen, dann ist zumindest der erste Versuch, das große Gruselkabinett für das Publikum des 21. Jahrhunderts zu reanimieren, nicht aufgegangen. Die alte Werwolf-Geschichte aus dem Jahr 1941 einfach nur schneller zu schneiden und mit mehr Splatter aufzupeppen, reicht im Jahr 2010 nicht.

Aber vielleicht funktionieren die alten Schauerfiguren auch im 21. Jahrhundert nur noch als Erinnerung an schwarz-weiße Fernsehabende in den 1960er Jahren, in denen uns das tragische Schicksal dieser Figuren geschüttelt hat. Bei Benecio Del Toro als Werwolf schüttelt mich nichts.

Wertung: 3 von 7 €uro
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