Kinoplakat: Grand Budapest Hotel

Eine bonbonbunt verspielte
phantastische Kinomagie

Titel Grand Budapest Hotel
(Grand Budapest Hotel)
Drehbuch Wes Anderson + Hugo Guinness
inspiriert durch Geschichten von Stefan Zweig
Regie Wes Anderson, USA, Deutschland, UK 2014
Darsteller Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Owen Wilson, Tony Revolori, Larry Pine, Giselda Volodi, Florian Lukas, Karl Markovics, Volker Michalowski, Neal Huff, Bob Balaban, Fisher Stevens u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
6. März 2014
Inhalt

Dies ist die Geschichte des „Grand Budapest Hotel“ … nein, es ist die Geschichte des Concierge Gustave H. im „Grand Budapest Hotel“! Die Geschichte von Gustave H. und seinem Protegé, dem Lobby Boy Zero Mustafa.

Im Jahre 1932 als Zero seine Stelle „Grand Budapest“ antritt, werden die Geschicke des Hauses eben von Monsieur Gustave gelenkt, einem die Lyrik und ältere Damen liebenden Concierge. Unter seinen zahlreichen Affären ist jene mit der adeligen Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis, kurz Madame D., von schicksalhafter Bedeutung, denn als die reiche Frau plötzlich stirbt, befindet sich Monsieur Gustave inmitten eines erbitterten Erbstreits.

Zum großen Entsetzen der boshaften Sippschaft hat Madame D. Gustave nämlich das millionenschwere Renaissancegemälde „Jüngling mit Apfel“ vermacht, was insbesondere das neue Oberhaupt Dmitri Desgoffe und Taxis, Hausherr des düsteren Schlosses Lutz, zur Weißglut bringt. J. G. Jopling, der skrupellose Gehilfe Dmitris, soll die Dinge auf seine Art regeln.

Die Ereignisse überschlagen sich: Während Monsieur Gustave auf eine Verleumdung hin als angeblicher Mörder von Madame D. festgenommen und in eine Gefängnisfestung gesteckt wird, wird die Republik Zubrowka von einer Invasion kriegerischer Truppen bedroht, angeführt vom Todesschwadron ZZ.

Zero versucht im allgemeinen Chaos gemeinsam mit seiner Geliebten Agatha, Monsieur Gustave aus seinem Kerker zu befreien …

Was zu sagen wäre

Was für eine wunderbare Kinophantasie. Jedes Bild ein Gemälde. Jedes Set kunstvolle Architektur, melancholischem Verfall anheim gegeben. Jeder Dialog komponiert. Die Erzählung: ein märchenhaftes Verschwörerdrama mit unerschütterlichem Optimismus. „Wer Dir feindselig ist, der kennt Dich nur nicht. Also sei immer freundlich und habe ein nettes Wort für Jedermann“ sagt Gustave H. seinem jungen Protegé. Und so geht Gustave durch die Welt und lässt sich auch durch die widrigsten Umstände nicht aus der Ruhe bringen – was nicht heißt, dass er nicht herzhaft fluchen kann wie eine Kanalratte.

Kinoplakat: Grand Budapest Hotel100 Minuten Wohlfühlkino

Wes Anderson (Moonrise Kingdom – 2012; „Der Fantastische Mr. Fox“ – 2009; „Darjeeling Limited“ – 2007; Die Royal Tenenbaums – 2001; Rushmore – 1998) hat einen 100-minütigen Wohlfühlfilm erschaffen. Ich meine nicht, ein schmalziges Glücksseligkeits-Kino, beileibe nein! Natürlich erleben unsere Helden Tortur und Einsamkeit, natürlich müssen sie Vertrauen lernen und falsche Freunde erkennen; aber selbst in dunkelster Not malt Anderson Bilder auf die Leinwand – ich möchte mich reinsetzen, so schön.

Er spielt mit der Bildschärfe, er spielt mit den Farben, er spielt mit Modellen, er springt durch drei Zeitebenen, wobei sich – als technische Hommage an das Kino jener Zeit – die Leinwand auf ein 4:3-Format verengt, er entrückt sein mitteuropäisches Faschismus-K&K-Verschwörer-Melodram leicht zur Seite ins Reich der Fantasy und nimmt sich jede gestalterische Freiheit, die er dort findet. Das ist mit einem Wort: wunderbar!

Die große Wes-Anderson-Clique

Das Ensemble folgt ihm blind. Den Stellenwert, den Wes Anderson heute im Filmgeschäft genießt, können wir an der Besetzungsliste ablesen. Wenn er ruft, kommen alle, selbst für kleinste wortkargen Nebenrollen; so etwas schafft sonst nur noch Woody Allen. Léa Seydoux (Blau ist eine warme Farbe – 2013; Leb wohl, meine Königin! – 2012; Mission: Impossible – Phantom Protokoll – 2011) huscht als Küchenmagd am Bildrand durch die Salons; Andersons Lieblingsschauspieler Bill Murray („Monuments Men“ – 2014; Moonrise Kingdom – 2012;Zombieland – 2009; Ghostbusters – 1984) gibt wie üblich ein Stelldichein, hier als loyaler Concierge-Kumpel, Harvey Keitel (Moonrise Kingdom – 2012; Roter Drache – 2002; U-571 – 2000) trägt Glatze und scheußliche Tätowierungen und Tilda Swinton, der die ersten 15 Minuten der Erzählung gehören, ist hinter ihrer Maske überhaupt nicht zu erkennen. Willem Dafoe als rechte Hand des Teufels ist so diabolisch, wie seit Leben und Sterben in L.A. (1985) oderStraßen in Flammen (1984) nicht mehr. Edward Norton (Das Bourne Vermächtnis – 2012; Moonrise Kingdom – 2012; Der unglaubliche Hulk – 2008; Königreich der Himmel – 2005; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; Roter Drache – 2002; Glauben ist alles! – 2000; Fight Club – 1999; American History X – 1998; Larry Flynt – Die nackte Wahrheit – 1996; Alle sagen: I love you – 1996; Zwielicht – 1996) auch hier wieder der Lust an steifen Uniformen. Kurz: Die Wes-Anderson-Clique-and-Friends-and-Family hat sich versammelt.

Vorne weg geht Ralph Fiennes als M. Gustave (James Bond 007 – Skyfall – 2012; Kampf der Titanen – 2010; „Der Vorleser“ – 2008; Harry Potter & der Feuerkelch – 2005), der sich – wie zu lesen war – auf diese Rolle gestürzt hat, keine andere wollte und das merkt man. Lustvoll zelebriert er den leicht versnobt verstaubten Galan älterer Damen mit gereimten Lebensweisheiten und in der nächsten Minute den fluchenden Kesselflicker. „Offen gesagt, ich glaube, seine Welt war verschwunden, lange bevor er in sie trat“, sagt Zero später über Gustave. „Aber ich darf auch sagen, er hat die Illusion in der Tat mit wunderbarer Anmut bewahrt.“

So wie diese Beschreibung seiner Hauptfigur ist auch der Film – anmutig.

Wertung: 8 von 8 €uro