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Plakatmotiv: U-571 (2000)

"Das Boot" ohne Drama
dafür mit lauterer Action

Titel U-571
(U-571)
Drehbuch Jonathan Mostow & Sam Montgomery & David Ayer
Regie Jonathan Mostow, Frankreich, USA 2000
Darsteller

Matthew McConaughey, Bill Paxton, Harvey Keitel, Jon Bon Jovi, David Keith, Thomas Kretschmann, Jake Weber, Jack Noseworthy, Tom Guiry, Will Estes, Terrence 'T.C.' Carson, Erik Palladino, Dave Power, Derk Cheetwood, Matthew Settle u.a.

Genre Action
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
14. September 2000
Inhalt

April 1942: Im Atlantik tobt der U-Boot-Krieg. Lt. Commander Mike Dahlgren wird zusammen mit seinem ersten Offizier Lt. Andrew Tyler und einer Handvoll Soldaten auf eine streng geheime Mission geschickt. Sie sollen aus dem deutschen U-Boot U-571 eine "Enigma" holen – die technisch hochentwickelte Verschlüsselungsmaschine der Deutschen. Nur mit diesem Gerät wären die Alliierten in der Lage, die Funksprüche der deutschen Gegner zu entschlüsseln und dem U-Boot-Krieg ein Ende zu setzen.

Doch die Mission verläuft anders als erwartet. Als die Männer an Bord der U-571 sind und die "Enigma" in ihre Gewalt gebracht haben, wird ihr eigenes Schiff versenkt. Verzweifelt versuchen sie, die deutschsprachigen Instrumente und Handbücher zu entziffern, um das Boot in Fahrt zu bekommen.

Die deutsche Marine ist ihnen auf den Fersen, hat die Jagd auf U-571 eröffnet …

Was zu sagen wäre

Dies ist die Geschichte eines frustrierten Ersten Offiziers der US-Navy, der fest damit gerechnet hat, ein eigenes Kommando übertragen zu bekommen. Bekommt er aber nicht. Begründung: Es fehlt ihm an Entscheidungsstärke. Solange er, Andrew Tyler, nicht in der Lage sei, die eigenen Leute in den Tod für das Größere Ganze zu schicken, solange werde er nie ein Kommando erhalten, sagt ihm frank und frei sein wohlwollender Vorgesetzter. In den nächsten 100 Minuten wird der Erste Offizier, den Matthew McConaughey als Mann mit unterdrücktem Zorn spielt (EDtv – Immer auf Sendung – 1999; Amistad – Das Sklavenschiff – 1997; Contact – 1997;), alle Möglichkeiten bekommen, um zu zeigen, dass er das kann.

Als erstes muss in dramatischer Lage unter dieser noch ungewollten Kommandogewalt sein wohlwollender Vorgesetzter ertrinken; Bill Paxton (Titanic – 1997; Twister – 1996; True Lies – 1994; Aliens – Die Rückkehr – 1986) gibt hier ein kurzes, in diesem Fall farbloses Gastspiel eines stereotypen Hindernisses, das der Held des Films lernen muss zu überwinden. Plakatmotiv: U-571 (2000) Später steht dieser Andrew Tyler mal vor der Wahl, Matrose A oder Matrose B in den nahezu sicheren Tod zu schicken; und er wird vor der Entscheidung stehen, seine eigenen Leute zu töten, damit die nicht den Verhörspezialisten des Feindes in die Hände fallen. Zwischendurch wird er ein paar coole Manöver befehlen, die seine an ihm zweifelnden Männer in sprachlose Bewunderer verwandeln.

Man merkt dem Drehbuch an, dass seine Autoren irgendwie schon auch über die Dramatik des Befehl und Gehorsam an Bord eines Kriegsschiffes erzählen wollten, dass es eben höhere Interessen in einem Krieg zu befriedigen gilt als die, das eigene Leben zu retten. Damit sind sie nicht die ersten. Filme wie Duell im Atlantik (1957), Morituri (1965), Eine Frage der Ehre (1992) oder natürlich Wolfgang Petersens Das Boot (1981) haben schon die Grausamkeit kalter, aber für das Gelingen einer bestimmten Kriegslist notwendige Befehle hinterfragt. Und es ist keine kühne Behauptung, dass die Macher des vorliegenden Filmes all diese und einige andere Filme auf der Film-Universität gesehen und diskutiert haben. Jonathan Mostow muss dabei klar geworden sein, dass diese Themen heute, 55 Jahre nach Kriegsende nur noch Militaria-Fans und Offiziere interessieren. Will man aber das große Kinopublikum, das den Abend im Kino lediglich als Auftakt eines gelungenen Nightclub-Hopping betrachtet, dafür interessieren, muss es krachen und darf es nicht zu ziseliert problematisch sein. Die Action muss im Vordergrund stehen.

Auf Action und Drama versteht sich Jonathan Mostow, der Regisseur ("Breakdown" – 1997). Und man kann frei heraus sagen: Unser regelmäßiges U-Boot-Drama gib uns heute. U-571 sinkt auf die unglaubliche Tiefe von 200 Metern, „Das muss man den Deutschen lassen. Boote bauen können sie“, stöhnt der bärbeißige Chief. Harvey Keitel (Cop Land – 1997; From Dusk Till Dawn – 1996; Pulp Fiction – 1994; Das Piano – 1993) spielt ihn als Mentor des unfreiwillig in Verantwortung geschubsten Ersten Offiziers. U-571 übersteht das die Klaustrophobie verstärkende Dauerbombardement der Unterwasserbomben. Vor allem kann U-571, das zerstörte deutsche U-Boot immer noch manövrieren, obwohl eigentlich die Batterien nahezu rettungslos zerstört sind und U-571 eigentlich so kaputt ist, dass ein Sinken auf den Meeresgrund die einzige sinnvolle Richtung zu sein scheint. Aber die Amerikaner an Bord des deutschen U-Bootes machen mit ihrem Geist des unbedingten Willens alles möglich, obwohl sie die deutschen Armaturen nicht lesen können. An dieser Stelle mag sich Regisseur Jonathan Mostow mit Drehbuchautor Jonathan Mostow ins Gehege gekommen sein und entschieden haben, dass Popcorn taugliche Action wichtiger ist, als irgendwelche elektrischen Hindernisse, die halt Nazideutsche Seeleute nicht in den Griff gekriegt haben, die US-Navy aber eben schon.

Wertung: 6 von 11 D-Mark
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