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Plakatmotiv: Duell im Atlantik (1957)

Spannendes Drama aus dem Krieg,
das auf Dämonisierungen verzichtet

Titel Duell im Atlantik
(The Enemy Below)
Drehbuch Wendell Mayes
nach einem Kriegsroman von D.A. Rayner
Regie Dick Powell, USA 1957
Darsteller

Robert Mitchum, Curd Jürgens, David Hedison, Theodore Bikel, Russell Collins, Kurt Kreuger, Frank Albertson, Biff Elliot u.a.

Genre Drama, Krieg
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
17. Januar 1958
Inhalt

Inmitten des Zweiten Weltkriegs kommt es zu einer Konfrontation zwischen dem amerikanischen Zerstörer "USS Haynes" und einem deutschen U-Boot. Radarkontakt! Radarkontakt!“ Die "USS Haynes" nimmt die Verfolgung des U-Bootes auf hoher See auf. Captain Murrell, der erst jüngst das Kommando übernommen hat, befiehlt der Mannschaft, das Schiff gefechtsbereit zu machen. Dem U-Boot dicht auf den Fersen versuchen sie, es mit Wasserbomben zu versenken.

Doch ihnen gegenüber steht der erfahrene Kapitän Von Stolberg. Obwohl er von diesem Krieg nichts hält, ist er bereit, seinen Auftrag bis zum Ende durchzuführen. Durch geschickte Manöver gelingt es ihm immer wieder, dem amerikanischen Kriegsschiff zu entkommen. Zwischen den beiden Kommandanten kommt es zu einem nervenaufreibenden Kampf, Plakatmotiv: Duell im Atlantik (1957) bei dem es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und die strategisch richtigen Entscheidungen zu treffen.

Während die "USS Haynes" allmählich an die Grenzen ihrer Feuerkraft gerät, bereitet das deutsche U-Boot einen erneuten Gegenschlag vor 

Was zu sagen wäre

Krieg auf hoher See. Zwei Schiffe aus feindlichen Lagern begegnen sich. Worum geht es jetzt? Dick Powell macht in seinem Regiedebüt deutlich, wie sich ein politisch irgendwie einzuordnender Krieg zwischen Ländern in der Einsamkeit der See verdichtet auf Freund und Feind und das größere taktische Glück.

Im deutschen U-Boot steht der Spruch „Führer befiel, wir folgen“. Mehr Politik findet im Film nicht statt. Man sieht Kapitän Von Stolberg, der großen Schlachten mit ehrbaren Männern aus dem vorherigen Krieg nachtrauert, zwar an, dass er von seinem politischen Führer Adolf Hitler nicht viel hält, diskutiert wird das aber nicht. Auch an Bord der USS Haynes spielen politische Erwägungen keine Rolle. In der Leere des Südatlantiks ist der Krieg auf die Kunst des Schachspiels reduziert. Um was soll man kämpfen, wenn es keine strategische Anhöhe zu erobern gibt, keinen feindlichen Stützpunkt zu zerstören? Wenn soweit das Auge reicht nur das Salzwasser des Meeres glitzert?

Auch der Film selbst enthält sich einer Wertung. Die Hauptrollen spielen Robert Mitchum (Die fünfte Kolonne – 1956; Die Nacht des Jägers – 1955; Fluss ohne Wiederkehr – 1954) und Curd Jürgens gleichberechtigt. Beide werden inszeniert als kluge Menschenführer, gewiefte Taktiker und am Leben vernarbte Männer, die Freunde sein könnten, hätte der Krieg sie nicht auf verschiedene Seiten gesetzt. Der Film, der seinem Publikum nicht mit strategischen Kriegskarten und kleinen Schiffsmodellen, die von stummen Bediensteten der Admiralität darauf herumgeschoben werden, zur Hilfe kommt, konzentriert sich auf die Manöver, mit denen beiden Kapitäne sich auszutricksen versuchen und auf die Mannschaften an Bord, die mit den notgedrungen einsamen Entscheidungen ihres Kapitäns umgehen müssen und darüber schon mal in Panik geraten. Es geht immerhin um Leben oder Tod. Und der Kapitän ist der Gottkaiser an Bord, egal, wie human und seinen Männern zugewandt er agiert.

Auf beiden Booten wird der Mangel an Menschlichkeit im Krieg beklagt, aber beiseite geschoben, wenn es ernst wird. "The Enemy below" lässt die Wucht der Verantwortung spüren, die ein Kapitän hat, und zeigt, welche unterschiedlichen Qualitäten er an Bord eines Kriegsschiffes braucht. Einmal schlichte Praxis: Anders als auf einer Segeljolle hat er ja kein Steuer in der Hand, über Gaspedal und Bremse verfügt er auch nicht. Plakatmotiv: Duell im Atlantik (1957) Er muss jede Veränderung in Kurs und Geschwindigkeit in einen klaren Befehl packen und darauf setzen, dass seine Leute ihn sofort verstehen und ausführen. Dann benötigt er taktisches Geschick; und auch dafür eine klare Sprache. Gut in Menschenführung muss er außerdem sein. <Nachtrag1999>Das klingt heute, nach Serien wie "Star Trek" und zahllosen Filmen, die auf Kriegsschiffen spielen, lahm und der Erwähnung nicht wert. 1957 aber, als dieser Film entstand, also 12 Jahre erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs, war das für viele Zuschauer Neuland. Schlimmstenfalls hatten sie noch den schnarrenden Kommandoton ihres Feldwebels im Ohr. Natürlich saßen auch Marinesoldaten im Kino, in Deutschland aber vor allem Zivilisten, zu jung, um im Krieg gekämpft zu haben.</Nachtrag1999>

Dick Powell hat auf Anweisung des Studios 20th Century Fox zwei Filmenden gedreht – in einem sterben beide Kommandanten, im anderen überleben beide. In Voraufführungen lotete man aus, welches Ende bei den Leuten besser ankommt. Das wurde genommen und ist heute im Film. 1957 war die Weltlage schon eine ganz andere als die zu der im Film gezeigten Zeit. Der Kalte Krieg hatte begonnen, Deutschland wurde als Verbündeter der USA an der Grenze zur Sowjetunion geschätzt. Deswegen waren Filme wie diese möglich, die ein zwar realistisches Bild des Krieges zeigen, aber keine der beiden Seiten dämonisiert. Anders, als in der Buchvorlage übrigens, die ein Erlebnisbericht des amerikanischen Kommandanten D.A. Rayner ist. Im Buch wird der deutsche Kapitän Von Stolberg anders gezeichnet. Es gibt zum Beispiel die Szene, in der ein Matrose nach einem Wasserbombenangriff in Panik gerät. Während der Mann im Roman vom Kommandanten wortlos erschossen wird, endet die Episode im Film damit, dass von Stolberg den in Panik geratenen mit den Worten: „Das Sterben gehört zu unserem Beruf, aber wir sind noch nicht dran“ wieder beruhigt. Ebenso endet der Roman damit, dass sich die Überlebenden der Kollision noch gegenseitig im Wasser treibend tot prügeln, während der Film in einem kameradschaftlichen Dialog der beiden verfeindeten Kommandanten endet. Curd Jürgens sagte 1977 in einem Interview mit der New York Times: „This was an important picture for me because it was the first film after the war in which a German officer was not interpreted as a freak.

Wertung: 5 von 7 D-Mark
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