Die Zaubererwelt fiebert der Quidditch-Weltmeisterschaft entgegen. Aber es schaffen gerade mal die Iren gegen die Bulgaren anzutreten. Im Anschluss treten die Totesser gegen die wehrlosen Zauberer an. Die Party zur WM-Premiere wird niedergemacht von Todessern und einem geheimnisvollen Zauberer. Harry Potter überlebt den Angriff knapp, ein paar seiner Schlachtenbummler-Gefährten nicht.
Per Hogwarts-Express werden Potter und seine verbliebenen Freunde in die Zaubererschule verfrachtet, wo sie alle einigermaßen sicher sein sollten. Hier wartet Direktor Albus Dumbledore gleich mit der nächsten Überraschung auf: Hogwarts soll das diesjährige Trimagische Turnier ausrichten – das Turnier dreier Zaubererschulen, zu welchem je ein Schüler entsandt wird. Und die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der beiden anderer Schulen sind auch schon eingetroffen.
Der magische Feuerkelch soll die Teilnehmer ermitteln – Bedingung: Man muss älter sein als 17 Jahre und ein Zurück gibt es nicht. Wen der Kelch aus den Bewerbungen auswählt, muss antreten! Drei wählt der Kelch: Fleur Delacourt von der Beauxbatons-Akademie, Viktor Krum aus den Reihen der grüblerischen Durmstrang-Jungen und Cedric Diggory von Hogwarts.
Und Harry Potter von Hogwarts.
Aber Harry hatte sich gar nicht beworben., Er ist ja auch noch nicht einmal 17. Er hat keine Ahnung, was passiert ist und alle anderen feinden ihn an, glauben, er wolle sich wichtig machen, seinen Ruhm auskosten als derjenige, welcher Du-weißt-schon-wer überlebt hat. Dieser bereitet ihm noch heute Albträume, aus denen er regelmäßig schweißgebadet erwacht. Aber die bösen Gefühle halten nicht lange, denn die erste Aufgabe des Trimagischen Turniers wartet: Ein Drache, der gefährliche Hornschwanz, muss besiegt werden, um an das Goldene Ei mit dem wichtigen Rätsel zu kommen.
Harry bereitet sich vor – erst der Drache, dann in die Tiefen eines Sees tauchen und schließlich den Weg durch ein Labyrinth finden, das ein seltsames Eigenleben entwickelt. Doch richtig Angst und Bange wird ihm genau genommen erst vor der größten Herausforderung überhaupt: Wie soll er eine Tanzpartnerin finden, die ihn auf den Weihnachtsball begleitet?
Drachen, Wasserdämonen und Grindelohs erledigt Harry mit links – doch der Angstschweiß steht ihm auf der Stirn, als er die schöne Cho Chang bittet, mit ihm auf den Weihnachtsball zu gehen. Und wenn Ron nicht so abgelenkt wäre, würde er merken, dass sich seine Gefühle für Hermine verändert haben.
Unbeobachtet von allen kämpft sich der finstere Lord zurück ins Leben. Er wartet schon auf Harry. Gleich hinter dem Labyrinth …
„Die werden gruselig, wenn sie älter werden“, sagt Ron und meint Mädchen. Seine Erkenntnis passt aber auch auf den vierten Harry Potter-Film. Er beginnt in einer sturmumtosten Nacht mit einer großen Schlange und mit Du-weißt-schon-wem, der einen alten Hausmeister ermordet. Die Bilder sind grau statt bunt, entsättigt die Farben, nasenlose Drachen treten auf, ein Zauberer mit künstlich aufgesetztem Auge, ein Schüler findet den Tod.
Die bunte Zeit der Jugend ist vorbei in der Saga um Harry Potter, den auserwählten Zauberschüler. In diesem vierten Teil ziehen die Schrecknisse des Lebens in das Leben der Jugendlichen ein. Die Regie hat Mike Newell übernommen (Mona Lisas Lächeln 2004; Vier Hochzeiten und ein Todesfall – 1994; "Verzauberter April" – 1992). Er hat sich mit Patrick Doyle einen eigenen Komponisten mitgebracht, der das John Williams'sche Grundthema behält und weiter entwickelt und er hat die großartigen (digitalen) Außen-Kulissen aus dem dritten Film übernommen und ausgebaut.
Zu behaupten, hier einem Werk hoher Filmkunst beizuwohnen, wäre gelogen. Das ist das Schicksal solcher Produktionen, die einen erfolgreichen Roman auf die Leinwand bringen; und wenn gleich eine ganze Serie verfilmt wird, hat der Drehbuchautor kaum Möglichkeiten, dramaturgisch tätig zu werden: Die Geschichte steht fest, die Entwicklung in den einzelnen Kapiteln (Romanen) ist längst aufgezeichnet. Die Regie kann nur mehr visuell Einfluss nehmen und vielleicht ein wenig aus den Charakteren herauskitzeln.
Fliegende Kamera durch ein Potter-Reader's-Digest
Zum Fantasy-Kino passt der Bigger-than-Life-Auftritt und da greift Newell in die Vollen: Hinreißende Kameraflüge treiben uns durch die trimagischen Aufgaben, rasende Action entwickelt sich beim Kampf zwischen Harry und dem Drachen, zauberhafte Wasserelfen treiben die Spannung und ein gänsehauttreibender Mad-Eye Moody lässt uns applaudieren. Also da, wo der Roman uns mit Worten gefangen hat, fängt Mike Newell uns mit Bildern und visuellem, nun ja, Zauber. Dass seine Film-Erzählung am Ende eine Nummernrevue der besten Szenen der Buchvorlage – ein Reader's Digest von Harry Potter & der Feuerkelch – bleibt, ist das Schicksal dieser Bestsellerverfilmungen. Der Schauplatz der Quidditch-WM ist ebenso großartig wie verschenkt. Kaum sind Stadion und Spieler vorgestellt geht es auch schon atemlos in den Hogwarts Express und atemlos zu den konkurrierenden Schülern – ein wenig Ballettschulenartig geraten ist der Auftritt der „schönen jungen Damen von Beauxbatons” – und schnellschnellweiter … wir haben doch keine Zeit. Obwohl der Film stolze 157 Minuten dauert.






Das Personal vor der Kamera trübt den Eindruck
Langweilg also wird's nie. Nervend schon manchmal. Rupert "Ron" Grint hat wieder nichts dazu gelernt, Daniel "Harry" Radcliffe ist angestrengt wie in den Vorgängern, Emma "Hermine" Watson wenigstens ist entzückend wie immer. Ralph Fiennes als schlangennasiger Wiedergänger Voldemort kann noch nicht viel zeigen, ist aber, wie es zu erwarten war, zum heiser krächzenden Over-Acting angehalten. Ich frage mich bei solchen Aufführungen, ob es eigentlich Not tut, als behauptet Unbesiegbarer so großspurig anzugeben. Reicht es nicht, mit souverän sonorer Stimme den lästigen Brillenträger in die Enge zu treiben?
Eine Enttäuschung ist Fleur Delacourt und das ist nicht die Schuld von Clémence Poésy, die sie spielen muss. Hier hat – wenn sich schon die Drehbuchautoren bei einer Bestsellerverfilmung nicht frei entfalten dürfen – die Besetzung geschlampt. Ein Mädchen, das als derart schön beschrieben wird, dass alles um sie herum erstrahlt (ich darf nur mal an ihre – beschriebene – Erscheinung im Roman Harry Potter und der Halbblutprinz erinnern), darf nicht derart farblos besetzt werden. Pardon Mademoiselle.
Dauernde Action verhindert Entwicklung
Warum Nebenfiguren wie Rita Kimkorn oder Wurmschwanz oder Lucius Malfoy angehalten sind, wie Knallchargen aufzutreten inklusive übertriebenem Augenrollen, schrillen Stimmwechseln und übertriebener Gestik, ist mir ein Rätsel. Womöglich hat J.K. Rowling gesagt, sie will das so haben, weil sie das für besonders lustig hält; prompt weiß der Film die Balance nicht zu halten zwischen Klamotte, Thriller und Fantasy.
"Harry Potter und der Feuerkelch" wäre, für sich genommen, kein guter Kinofilm. Ihm fehlen Anfang und Ende sowie ein dramaturgischer Spannungsbogen. "Harry Potter und der Feuerkelch" ist aber auch nicht als Stand Alone-Kinofilm angelegt. Er ist einfach der nächste Teil einer insgesamt sieben Bücher umfassenden Romanserie-Verfilmung. Und in der stehen die Kinder nun noch vor Drachen, Wasserelfen und Voldemort vor ihrer gruseligsten Herausforderung: der Pubertät. „Jetzt wird sich alles verändern, hab' ich recht?“, trauert Hermine im Schlussbild des Films jener unbeschwerten Zeit der Jugend nach, in der die Hormone noch nicht die Kontrolle übernommen hatten.
Die Romanvorlage: Harry Potter und der Feuerkelch (2000)
Die Hogwarts-Welt im Kino
- Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)
- Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)
- Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (2022)
- Der Stein der Weisen (2001)
- Die Kammer des Schreckens (2002)
- Der Gefangene von Askaban (2004)
- Der Feuerkelch (2005)
- Der Orden des Phönix (2007)
- Der Halbblutprinz (2009)
- Die Heiligtümer des Todes, Teil 1 (2010)
- Die Heiligtümer des Todes, Teil 2 (2011)
