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Plakatmotiv: Phantastische Tierwesen – Dumbledores Geheimnisse (2022)

Ein buntes Magie-Spektakel und ein
actionreiches Nichts an Handlung

Titel Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse
(Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore)
Drehbuch J.K. Rowling & Steve Kloves
Regie David Yates, UK, USA 2022
Darsteller
Eddie Redmayne, Mads Mikkelsen, Ezra Miller, Jude Law, Katherine Waterston, Alison Sudol, Dan Fogler, Callum Turner, William Nadylam, Poppy Corby-Tuech, Victoria Yeates, Jessica Williams, Oliver Masucci, Richard Coyle, Fiona Glascott, Alexander Kusnezow, Hebe Beardsall, Maria Fernanda, Dave Wong, Valerie Pachner, Ramona Kunze-Libnow u.a.
Genre Fantasy
Filmlänge 142 Minuten
Deutschlandstart
7. April 2022
Website fantasticbeasts.com
Inhalt

Schwarzmagier Gellert Grindelwald ist dabei, neue Anhänger für seine dunklen Pläne um sich zu scharen. Hogwarts-Lehrer Albus Dumbledore weiß um die Gefahr, die von dem charismatischen Zauberer ausgeht und befürchtet, dass es Grindelwald tatsächlich gelingen könnte, die Macht in der Zaubererwelt vollends an sich zu reißen. Doch allein kann er Grindelwald nicht aufhalten, weshalb er den Magizoologen Newt Scamander und dessen Freunde, zu denen auch der Muggel Jacob gehört, einmal mehr um Hilfe bittet.

Auf ihrer gefährlichen Mission lernen Newt und seine Truppe neben magischen Tierwesen auch die fanatischen Anhänger Grindelwalds kennen. Ein Krieg zwischen Gut und Böse bahnt sich an, den Albus Dumbledore aktiv mitentscheiden muss – und bei dem auch sein Bruder Aberforth und der mysteriöse Credence eine Rolle spielen werden …

Was zu sagen wäre

J.K. Rowling hat ordentlich Tempo aus ihrer Harry-Potter-Prequel-Tierwesen-Reihe genommen. Diesmal hat Steve Kloves ihr unter die Arme gegriffen, der die Drehbücher der Harry-Potter-Filme geschrieben hat. Als vor vier Jahren der zweite Teil in die Kinos kam, klagten sogar Fans, die in der Materie zu Hause sind über zu viele Handlung- und Nebenfäden. Dann kam auch noch die Pandemie, durch die der dritte Teil vier Jahre auf sich warten ließ – viele Zuschauer würden also viel nicht mehr auf dem Schirm haben.

Und noch dazu kommt eine Umbesetzung: Johnny Depp, der den machtgierigen Zauberer Grindelwald spielt, wurde nach Vorwürfen aus dem häuslich-ehelichen Bereich aus der Produktion dieses Films für die ganze Familie gestrichen und durch den Dänen Mads Mikkelsen ersetzt (Der Rausch – 2022; Star Wars: Rogue One – 2016; Doctor Strange – 2016; Die drei Musketiere – 2011; Kampf der Titanen – 2010; James Bond 007: Casino Royale – 2006; "Adams Äpfel" – 2005). Alles Gründe, diesmal nicht zu viel auf einmal zu erzählen. Dafür ist der Film dann nochmal neun Minuten länger als Grindelwalds Verbrechen. Mikkelsen trägt kein toupiertes Blondhaar und ist weniger offensichtlich bedrohlich als Johnny Depp das als Grindelwald war. Mikkelsen spielt den Grindelwald als intellektuellen Demagogen. Gleich am Anfang des Films zelebriert er seinen Menschenhass. Die Muggel seien stinkende Wesen, und er werde ihre Welt zerstören, sagt er da. Muggel seien nur in einem gut: Tee zubereiten.

Grindelwald hat ordentlich Strippen gezogen in den vergangenen Jahren. Noch wird er von Zaubereiministerium wegen allerlei Verbrechen gesucht, aber es dauert im neuen Film nicht lange, da hat der Vorsitzende der "Internationalen Vereinigung von Zauberern", Anton Vogel, ihn in allen Anklagepunkten frei gesprochen. Man erfährt nicht, warum er das tut.

Es gab kein Verfahren, es sind keine Verdachtsmomente entschärft worden; wahrscheinlich liegt es daran, dass Anton Vogel ein Deutscher in den 1930er Jahren ist, der in Berlin in Tausendjähriges-Reich-Architektur Hof hält und seinen Abgang vorbereitet. Und weil zu der Zeit auch ein anderer gerade seine Machtergreifung für ein „Tausendjähriges Reich” vorbereitet, soll das hier vielleicht eine Parallele darstellen, denn Grindelwald hat jede Menge Zauberinnen und Zauberer heimlich auf seine Seite gezogen und kann sich nun aller Vorwürfe ledig für die Wahl auf Vogels Nachfolge aufstellen lassen; immer noch will er ja die Welt von Muggeln säubern. Das möchte Albus Dumbledore, Lehrer an der Schule für Zauberei in Hogwarts, gerne verhindern. Aber er kann nicht direkt gegen Grindelwald antreten, das verhindert ein alter Blutschwur, den die beiden einst taten, als sie noch ein Liebespaar waren.

Ja, endlich ist offiziell ausgesprochen, was bisher Ahnung oder Andeutung war: Albus Dumbledore und Gellert Grindelwald waren einmal ein Paar. Gezeigt wird es nicht, Dumbledore sagt lediglich einmal zu Grindelwald „Weil ich Dich geliebt habe.“ Wegen besagten Blutschwurs ist es den beiden heutigen Kontrahenten unmöglich, gegeneinander zu kämpfen, was ein cleverer Schachzug im Storytelling ist, weil auf diese Weise jede Menge Nebenfiguren und natürlich die eigentliche Hauptfigur des Films einer sinnvollen Tätigkeit in diesem Film nachgehen können.

Nicht weniger als acht Zauberinnen und Zauberer sowie ein Muggel treten gegen Grindelwald an. Weil der auch noch in der Lage ist, partiell in die Zukunft zu sehen, können die nicht einfach zu Grindelwalds Schloss fahren und ihn herausfordern. Sie müssen mit ihren Aktionen und Plänen Verwirrung sozusagen in der Zukunft auslösen, damit der Schurke nichts merkt; sie dürfen untereinander nicht wissen, was der andere macht und ihre Pläne müssen so verzwickt ineinander greifen, dass nichts davon eine Zukunftsvision ermöglicht.

Mit diesem Trick füllt der Film fast eineinhalb von den zweieinhalb Stunden. Yusuf schleust sich als Maulwurf in Grindelwalds inneren Kreis ein. Eine Gruppe reist nach Berlin zu einer Veranstaltung der „Internationalen Vereinigung von Zauberern“. Rund um das Heim von Albus' Bruder Aberforth Dumbledore wird die gemeinsame Geschichte von Albus und Gellert aufgeblättert und ein unehelicher Sohn in der Familie Dumbledore enthüllt. Hinzu kommt mit dem Qilin ein neues Phantastisches Tierwesen, ein Reh-ähnliches Tier, gerade frisch geboren und das gleich doppelt, was im Film eine entscheidende Rolle spielen wird – wie immer, wenn Zwillinge im Film auftauchen.

Und so passieren lauter unterhaltsame Dinge, die davon ablenken, dass es eigentlich um kaum etwas geht. Grindelwald schreitet zur Machtergreifung und scheitert im letzten Moment. Dasselbe hat er in Teil II versucht und wird er vermutlich in angekündigten Teil IV wieder versuchen und es da vielleicht auch schaffen; die Serie ist derzeit auf fünf Teile angelegt, da bliebe dann im fünften die Gelegenheit, die Welt von Grindelwald wieder zu befreien.

Wertung: 3 von 8 €uro
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