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Plakatmotiv: Alice (1990)

Eine Frau greift zu rauschenden Gewürzen
und kämpft sich aus einer Midlife Crisis

Titel Alice
(Alice)
Drehbuch Woody Allen
Regie Woody Allen, USA 1990
Darsteller

Mia Farrow, William Hurt, Joe Mantegna, June Squibb, Marceline Hugot, Dylan O'Sullivan Farrow, Matthew H. Williamson, Julie Kavner, Billy Taylor, Holland Taylor, Michael-Vaughn Sullivan, Robin Bartlett, Linda Wallem, Gina Gallagher, Patience Moore, Diane Cheng, Kim Chan, Keye Luke, Alec Baldwin, Blythe Danner, Judy Davis, Cybill Shepherd, Bernadette Peters, Gwen Verdon, Patrick O’Neal, Peggy Miley, Bob Balaban, Rachel Miner, Kristy Graves u.a.

Genre Komödie, Romanze
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
28. Februar 1991
Website woodyallen.com
Inhalt

Die wohlhabende New Yorkerin Alice hat eigentlich alles, was sie braucht, um glücklich sein zu können. Die Wohnung, in der sie mit ihrem Mann Doug lebt, verfügt über alle Annehmlichkeiten. Als erfolgreicher Börsenmakler verdient Doug genug, um Alice und den beiden Kindern ein materiell sorgenfreies Leben zu bieten.

Da sie aber starke Schmerzen verspürt, sucht sie den chinesischen Kräuterexperten Dr. Yang auf. Der ist davon überzeugt, dass Alice unter der Frostigkeit ihres Mannes leidet. Doug schafft zwar Geld heran, aber auf emotionaler Ebene ist er ein echter Versager.

Mithilfe der Kräuter aus Dr. Yangs wundersamem Vorrat macht Alice magische Erfahrungen. Dadurch wird ihr Inneres neu geordnet, das durch ihr aufkeimendes Interesse am Musiker Joe aus der Balance geraten war …

Was zu sagen wäre

Woody Allens jüngste Filmfigur lebt in der ganz hohen High Society, seit 15 Jahren verheiratet mit dem erfolgreichen Börsenmakler Doug, alles feinster Luxus, der Hausflur leuchtender Marmor, jeden Tag Shoppingzüge durch die Boutiquen, Schönheitsbehandlungen, um die Kinder kümmert sich die Nanny. Und auf dem Weg dahin hat sie sich offenbar verloren.

Alice ist kreuzunglücklich, ohne es zu wissen. Sie leidet unter unerklärlichen Rückenschmerzen. Bei Männern würde man sagen: Midlife Crisis. Über rätselhafte Gewürzmischungen eines chinesischen Heilers – ob Dr. Yang ein echter, promovierter Arzt ist, wird nicht klar – findet Alice nach und nach zu sich selbst zurück und beginnt ein neues Leben. Bis auf ein Kraut, das unsichtbar machen kann, stehen die Kräuter für bewusstseinserweiternde Drogen, die der völlig verkrampften, in Dinnerpartys-Organisieren, Sich-herausputzen-für-den-Ehemann-um-dessen-Kollegen-zu-beeindrucken und Society-Klatsch mit anderen Frauen anderer reicher Männer aufgehenden Frau aus ihrem sinnlosen Alltag zu helfen.

Ehemann Doug ist ein Arschloch. Dafür kann er wahrscheinlich nichts. Er traut nur seiner Frau überhaupt nichts zu, alle ihre halbherzigen Versuche, sich in irgendeinem Beruf, wenigstens einem Job zu versuchen, bügelt er ab: Sie habe doch alles, was das denn solle, sie habe doch auch gar nichts gelernt. Und richtig, bevor Alice an eine Universität hätte gehen können, hat sie sich schon von Doug heiraten lassen und im dauernden Luxus vergessen, dass sie mal Kostümbildnerin werden wollte, dass sie am glücklichsten war, wenn sie anderen helfen konnte.

Parallel zu den "Gewürzen" tritt der Saxophonist Joe in ihr Leben, dessen Tochter auf dieselbe Schule geht, wie die Kinder von Alice. Die völlig in ihren Konventionen eingesperrte Alice fühlt sich zu dem Mann hingezogen und hat nun dauernd ein schlechtes Gewissen. Mia Farrow spielt das mit Sinn für kleinste Gesten (Verbrechen und andere Kleinigkeiten – 1989; New Yorker Geschichten – 1989; Eine andere Frau – 1988; September – 1987; Radio Days – 1987; Hannah und ihre Schwestern – 1986; The Purple Rose of Cairo – 1985; Supergirl – 1984; Broadway Danny Rose – 1984; Zelig – 1983; Eine Sommernachts-Sexkomödie – 1982; Tod auf dem Nil – 1978; "Eine Hochzeit" – 1978; Der große Gatsby – 1974; Rosemaries Baby – 1968) und Woody Allen gibt ihr den Raum zu spielen in langen Einstellungen, in denen die Kamera der Protagonistin folgt, während die verschämt, verwirrt, ratlos durch ihren Alltag stolpert. Letztlich sind es weder die Kräuter noch der Musiker. Erst eine Konfrontation mit Mutter Theresa, die i allem das Gegenteil ist von dem, was Alice ist, hilft ihr auszubrechen.

"Alice" ist mehr, als die Geschichte einer Emanzipation von einem dominanten Mann. Alice hat gelernt zu funktionieren, ihren Platz als Nebendarstellerin im Leben eines anderen auszuschmücken. Jetzt muss die Heldin ihr ganzes Leben neu lernen, das in diesem Woody-Allen-Film keine jüdische, sondern eine katholische Erziehung geformt hat. Dass das nicht in bleischwere "Szenen einer Ehe" nach seinem Vorbild Ingmar Bergman oder in ein deutsches Befindlichkeitskino abdriftet, dafür sorgt ein entspannt aufspielender Cast, der in den langen Einstellungen seine Spielfreude auslebt und im beschwingten Jazz, mit dem Woody Allen auch seine 21. Regiearbeit unterlegt

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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