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Plakatmotiv: Was gibt's Neues, Pussy? (1965)

Persiflage auf Harte-Kerle-
Kino. Ansteckend albern.

Titel Was gibt's Neues, Pussy?
(What's New Pussycat)
Drehbuch Woody Allen
Regie Clive Donner, USA, Frankreich 1965
Darsteller

Peter Sellers, Peter O'Toole, Romy Schneider, Capucine, Paula Prentiss, Woody Allen, Ursula Andress, Eddra Gale, Katrin Schaake, Eléonore Hirt, Jean Parédès, Jacques Balutin, Jess Hahn, Howard Vernon, Michel Subor, Sabine Sun, Nicole Karen, Jacqueline Fogt u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
8. Oktober 1965
Website woodyallen.com
Inhalt

Paris Mitte der 1960er Jahre: Der notorische Casanova Michael James möchte um jeden Preis seiner neuen Flamme Carole treu bleiben. Als Redakteur einer Modezeitschrift kommt er täglich mit schönen Frauen in Berührung und kann dabei den Versuchungen nur schwer widerstehen. Hilfe sucht er beim exzentrischen Psychiater Nikita Popowitsch, der sich aber als ungeeignet erweist, da er selbst eine seiner Patientinnen verführen will, die sich wiederum in Michael verliebt.

Zudem möchte Michaels Geliebte dessen Ehetauglichkeit prüfen; sie will ihn mit einem Verhältnis mit dessen bestem Freund, dem zerstreuten Professor Shakapopulis, eifersüchtig machen, was allerdings fehlschlägt.

Als alle Beteiligten dieser Verwicklungsgeschichte spontan für ein Wochenende in dem romantischen Hotel Chateau Chantelle vor den Toren von Paris zusammenkommen, kommt es zu Turbulenzen …

Was zu sagen wäre

Ein Mann liebt eine Frau, ist allerdings ein Schürzenjäger und bringt dadurch sich, seine Liebe und jede Menge Bekannte in heillos bekloppte Schwierigkeiten. Die 1960er Jahre, in denen dieser Film entstand, waren im Kino Zeiten des harten Kerls und eleganten Mannes. Der Geheimagent James Bond machte Schlagzeilen und Kasse. In London tobten die Swinging Sixties. Plakatmotiv (US): What's new, Pussycat? (1965) Die Beziehungen zwischen Frau und Mann lösten sich nicht mehr erst hinter verschwiegenen Samtvorhängen auf, zunehmend wurde die freie Liebe zum Schlagwort einer Generation, die den Muff der Nachkriegszeit abschütteln wollte.

Als der Film in die Kinos kam, war ich vier Jahre alt. Zu jung also, um ihn zu sehen. Ich sehe ihn zum ersten Mal 1987, als im Kino längst Terminatoren, Grabräuber und Sternenkrieger toben. Das sind andere Filme als die, die vor 22 Jahren gedreht wurden. "What's new, Pussycat?" ist bester Slapstick. Woody Allen, heute eine feste Größe in der gehobenen Comedy, hat nicht nur hier seinen ersten Filmauftritt, der Film entstand auch auf der Grundlage des ersten Drehbuches, das Allen an ein Filmstudio verkaufen konnte.

Im Mittelpunkt stehen zwei Ikonen des 60er-Jahre-Kinos: Peter O'Toole, seit "Lawrence von Arabien" (1962) heiß gehandelt, und der Komiker Peter Sellers (Ein Schuss im Dunkeln – 1964; Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben – 1964; Der rosarote Panther – 1963; Lolita – 1962). Der eine, Michael, ein unheilbarer Frauenheld, der andere, Peter Sellers natürlich, als Psychiater natürlich, einer, der gerne wollen würde, aber nicht ankommt bei den Damen und schwer darunter leidet, selbst mit einer eifersüchtigen Matrone verheiratet zu sein. Während der Casanova nicht von den Frauen lassen kann, aber auch das Herz seiner Carole unbedingt gewinnen und ihr treu sein will, leitet der Psychiater eine Gruppensitzung mit lauter sexgestörten Patientinnen, in die er sich alle verliebt hat. Carole ihrerseits, gespielt von Romy Schneider ("Sissi" – 1955), verdreht dem tapsigen Professor Shakapopulis den Kopf, mit dem sie eigentlich nur Michael eifersüchtig machen will, um zu gucken, wie ernst es dem behaupteten Ex-Casanova mit der Ehe wirklich ist. Es ist wunderbar zuzuschauen, wie Woody Allen versucht, das Herz der schönen Romy Schneider zu erobern, vor allem, in ihr Bett zu kommen.

Es folgen zahlreiche Verwechslungen, Missverständnisse und empörte Abgänge, deren Höhepunkt bei einer wilden Gokart-Raserei stattfindet. Dramaturgisch erinnert das an deutsches Boulevard-Theater. Tür auf, Tür zu, Person A geht ab, Person B tritt auf, nur treten eben nicht Heidi Kabel und Harald Juhnke auf, sondern, wie das Studio warb, die "schönsten Frauen der sechziger Jahre", neben anderen Ursula Andress, die in knappem Bikini auf einem Hotelbett hoppst. Statt Ohnesorg-Klamauk entsteht unter Woody Allens Schreibe daraus eine turbulente, witzige, intelligente, wortspielreiche Parodie auf den Potenzkult der modernen Leistungsgesellschaft.

Prädikat: ansteckend albern.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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