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Plakatmotiv: Ein ganz normaler Hochzeitstag (1991)

Großes Schauspiel,
dem das Kino fehlt

Titel Ein ganz normaler Hochzeitstag
(Scenes from a Mall)
Drehbuch Roger L. Simon + Paul Mazursky
Regie Paul Mazursky, USA 1991
Darsteller

Bette Midler, Woody Allen, Bill Irwin, Daren Firestone, Rebecca Nickels, Paul Mazursky, Gregory Moore, Michael Brown, Jonathan Guss, David Frye, Joseph Warren, Brian Warren, Darrell Mason, Marc Shaiman, Augustin Bustamante u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
11. April 1991
Inhalt

Nick und Deborah wollen eigentlich ihren 16. Hochzeitstag feiern. Bei einem gemeinsamen Einkaufsbummel entschließt sich Nick jedoch, seiner Frau, die eben ein Buch veröffentlicht hat, worin es über die Theorien einer harmonischen Ehe geht, eine Affäre zu gestehen. Deborah reagiert zunächst empört und verletzt. Sie lässt Nick im Einkaufszentrum stehen, sagt die Feier ab und irrt unglücklich durch die Gänge. Nick hat währenddessen Zeit, sich darüber klar zu werden, was für eine tolle Frau Deborah ist, und bereut sein Geständnis sehr bald.

Doch 16 Ehejahre sind nicht so schnell vergessen, und so finden die beiden nach einigen Minuten der Verzweiflung wieder zusammen. Verliebt wie am ersten Tag scheint alles wieder beim Alten zu sein. Doch nachdem die Stimmung zwischen beiden wieder romantischer ist, kommt auch sie mit einer schlimmen Nachricht für Nick: auch sie hatte eine Affäre mit einem sehr angesehenen Psychologen.

Nun ist Nick derjenige, der Deborah stehen lässt. Die gemeinsamen Habseligkeiten werden in Gedanken geteilt, das Vermögen wird gerecht vergeben, die Hochzeitsfeier wird abgesagt und die Ehe scheint endgültig zerbrochen …

Was zu sagen wäre

Weihnachten in Kalifornien, das wirkt so verrückt, wie Woody Allen in Los Angeles. Und doch gibt es beides. Woody Allen schafft es sogar, sich über New York lustig zu machen. Paul Mazursky muss ihn mit seinem wortgewaltigen Drehbuch überzeugt haben, seine Lieblingsstadt zu verlassen. Und in Los Angeles, in dieser Sonnenscheinstadt ist Weihnachten und über der Stadt hängt eine Smog-Glocke. An Weihnachten besetzen terroristen ein Hochhaus in L.A. und Bruce Willis muss es frei schießen. Oder ein Ehepaar will mit Freunden seinen 16. Hochzeitstag feiern und geht sich aller Öffentlichkeit verbal an die Gurgel.

Kollegen beschreiben den Film als "Woody Allen rennt mit Letzte Midler und einem einem Surfbrett durch ein Kaufhaus.“ Ja, das trifft ungefähr den Kern der äußeren Handlung. Dazu kaufen er und Midler (Freundinnen – 1988; The Rose – 1979) noch Sushi für insgesamt 1100 Dollar, trinken Champagner, essen Kaviar, kaufen spinnerte Klamotten, sagen das geplante abendliche Dinner mit Freunden zweimal ab – und nehmen das zweimal zurück.

Und sie streiten sich. Wenn sie sich nicht gerade wieder versöhnen. „Ich hab' sie nicht geliebt. Ich fand sie nett. Ich stand auf den Sex!“ „Ach so: Du liebst mich. Aber unseren Sex findest Du langweilig.“ „Ich, ich, ich liebe den Sex mit Dir. Aber nach 16 Jahren, also ehrlich, Du musst zugeben, würde es wohl in jeder Familie zur Routine. Es wirkt so, als täten es zwei Roboter. … Ich hab' Dir gesagt, es ist vorbei, warum bist Du …“ „Warum erzählst Du's mir denn jetzt?“ „Was macht das für einen Unterschied …“ „Du bis schuldig und verlangst, dass ich Dich frei spreche.

Den beiden kann man stundenlang zuhören, wenn sie in Fahrt geraten. Die schönste Szene ist, als Deborah ihre Affaire beichtet. Hatte Nick eine Stunde zuvor scheibchenweise neben einer gerade beendeten Affaire stammelnd auch noch drei One Night Stands gestanden, über die Deborah schließlich lautstark die Scheidung fordert, was ihn in völlig Verzweiflung treibt, gesteht sie ihre Affaire mit einem langen Monolog über Vaterkomplexe und verdrängte Schuldgefühle. Nick fängt derweil an, das eben gekaufte Sushi zu futtern und als Deborah fertig ist, schlägt er trocken zwei Scheidungsanwälte vor, steht auf und geht „Wir sehen uns irgendwann. Wir können ja mal essen gehen.“ Er übergibt sich dann auf der Herrentoilette

Es ist toll, den beiden zuzuschauen, wie sie sozusagen aus der Hüfte spielen, ein zugrundeliegenden Drehbuch nahezu vergessen lassen. Aber diese eher monothematische Shoppingmall erschöpft sich visuell halt bald in Rolltreffen und ein paar unterschiedlich designte Läden, was die Dramaturgie nach jedem der Wortgefechte in sich zusammenfallen lässt. Da muss dann immer ein Pantomime das Geschehen mit lustigen Bewegungen am Leben halten. Dem Film fehlt Struktur. Er wirkt wie ein Bühnenstück. Als Kinofilm fehlt ihm zu viel Beef.

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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