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Kinoplakat: Blood Work (2002)

Ein ordentlicher Krimi mit Clint
Eastwood ohne Überraschungen

Titel Blood Work
(Blood Work)
Drehbuch Brian Helgeland
nach dem Roman „Das zweite Herz“ von Michael Connelly
Regie Clint Eastwood, USA 2002
Darsteller

Clint Eastwood, Jeff Daniels, Anjelica Huston, Wanda De, Tina Lifford, Paul Rodriguez, Dylan Walsh, Mason Lucero, Gerry Becker, Rick Hoffman, Alix Koromzay, Igor Jijikine, Dina Eastwood, Beverly Leech, June Kyoto Lu u.a.

Genre Action, Crime
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
21. November 2002
Inhalt

Irgendwer hat es auf Terry McCaleb abgesehen. McCaleb arbeitet als erfahrener Profiler beim FBI; unerbittlich kämpft er für das Recht – niemand hat so viele Mordfälle erfolgreich abgeschlossen wie er. Doch auf der Jagd nach einem Psychopathen, den die Medien „Code-Killer“ taufen, wird McCaleb von einem schweren Herzinfarkt in den vorzeitigen Ruhestand gezwungen.

Zwei Jahre später nötigt ihn Graciella Rivers, sein neues Leben von Grund auf zu überdenken: Dass McCaleb gerettet werden konnte, stand in direktem Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod von Graciellas Schwester; weil sie starb, bekam McCaleb ein neues Herz und durfte weiter leben – und dieser Mord ist nie aufgeklärt worden, ebenso wie ein zweiter Raubmord an einem Geldautomaten, der Parallelen aufweist, die erst McCaleb erkennt. Gegen den Protest seiner Kardiologin Dr. Bonnie Fox nimmt McCaleb mit Unterstützung seines Nachbarn Buddy die Ermittlungen wieder auf.

Er setzt sein Leben aufs Spiel, um den Mörder aufzuspüren, der ihn zwingt, diesen Fall sehr persönlich zu nehmen: buchstäblich eine Herzensangelegenheit …

Was zu sagen wäre

Clint Eastwood ist seit 40 Jahren im Filmgeschäft; 1964 tauchte er mit Für eine Handvoll Dollar auf. Die Filme davor haben Bedeutung für seine Fanclubs, nicht so für die Filmkunst. In seinem Genre, dem des Actionhelden, ist es selten, dass man 40 Jahre erfolgreichem Geschäft ist. Eastwood gelingt das. Er springt heute nicht mehr behende über Zäune, er stolpernd krachend dagegen und der Zaun fällt um. Er ist älter geworden – und akzeptiert das anstandsloser als manch Filmkollege – und bei der polizeiüblichen Rennerei erleidet er prompt einen Herzinfarkt. Die Szene ist ein wenig dümmlich, weil kaum zu glauben ist, dass an einem frischen Tatort der ermittelnde Beamte einem offenbar Verdächtigen nach rennt und alle anderen Cops sich das mit den Händen in der Hosentasche ansehen und auch der Hubschrauber den Verdächtigen dauernd aus dem Kegel seines Scheinwerfers verliert, aber gut: Irgendwie muss die Geschichte ja in Gang kommen und McCaleb am Ende dieses Prologs seinen Herzinfarkt bekommen – und die Hände-in-Hosentasche-Cops erweisen sich wenigstens den ganzen Film über als inkompetente Arschlöcher.

Die wohlige Jazzmusik im Score von Lennie Niehaus gibt dem Film sein Tempo und am Ende steht fest: Eastwood altert auf dem Regiestuhl souverän und vor der Kamera in eitler Würde. Er verknüpft zwei Erzählstränge: Da ist der des Mannes, der ein neues Herz hat und sich nun dem Vorbesitzer und Spender würdig erweisen muss und der der unverwüstlichen, unersetzlichen Schnüffelnase, ohne die die Polizeiarbeit Kaliforniens offenbar einen schweren Rückschlag erlitten hat. Und drumherum ist es auch noch die Geschichte eines alten Mannes (der von einem 72-jährigen Schauspieler gespielt wird), der nicht von der Legende lassen kann, dass Frauen auf ihn fliegen – also gibt es eine Bettszene mit der 28 Jahre jüngeren Wanda De Jesus, ein Element, das sich durch Eastwoods langjähriges Wirken zieht; anfangs ließen sich die noch in etwa altersgerechten Frauen sofort in sein Bett ziehen, später, so ab dem zweiten Dirty-Harry-Film wurde er älter und die Frauen, die ohne langes Geplänkel wehrlos-willig in seine Arme sanken, immer jünger.

Das ist ein wenig albern, aber womöglich Ausdruck eines notwendig eitlen Gespreizes im Hollywood-Business oder auch Ausdruck einer bedürftigen Libido: Eastwood hat acht Kinder von sechs Frauen und eine davon, die TV-Journalistin Dina Ruiz, war 35 Jahre jünger als er (seine zwischenzeitlichen Schwiegereltern waren 14 und 16 Jahre jünger als er). Dem deutschen Zuschauer verbaut dieser Umstand leicht den klaren Blick auf den Film als solchen. Der ist sauber dramaturgisch durchkomponiert und gut besetzt: Jeff Daniels als Eastwoods Nachbar (Pleasantville – 1998; 101 Dalmatiner – 1996; 2 Tage in L.A. – 1996; Speed – 1994; Radio Days – 1987; „The Purple Rose of Cairo“ – 1985) gibt einen prächtig sympathischen Buddy mit rätselhafter Note – sein Vater finanziert ihm sein Lotterleben auf einem Boot; Eastwood selbst spielt routiniert den Cop, der sich in seinen Fall verbeißt, und Anjelica Huston gibt als seine Ärztin eine schöne Miniatur als kompromisslos strenge Haare-auf-den-Zähnen-Mamsell (Die Royal Tenenbaums – 2001; „Auf immer und ewig“ – 1998; „Crossing Guard – Es geschah auf offener Straße“ – 1995; ...und das Leben geht weiter – 1993; Manhattan Murder Mystery – 1993; The Player – 1992; „Die Addams Family“ – 1991; Verbrechen und andere Kleinigkeiten – 1989; „Die Ehre der Prizzis“ – 1985).

Weil dies aber nicht der erste Krimi in meinem Leben ist und ich also schwer davon ausgehe, dass der Prolog mit den folgenden – „Zwei Jahre später“ überschriebenen – Ereignissen zusammenhängt, ist auch sehr schnell klar, welche Verbindung zwischen den beiden Todesfällen besteht, die McCaleb aktuell untersucht. Leider braucht McCaleb dafür eine dramaturgisch wichtige Stunde, in der wir nur den schönen Bildern und den guten Schauspielern zuschauen können.

Wertung: 4 von 6 €uro
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