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Kinoplakat: Das Ultimatum
Spannung mit Atomrakete
und zwei Alpha-Rüden
Titel Das Ultimatum
(Twilight's Last Gleaming)
Drehbuch Ronald M. Cohen + Edward Huebsch
nach dem Roman „Viper Three“ von Walter Wager
Regie Robert Aldrich, USA, BRD 1977
Darsteller
Burt Lancaster, Richard Widmark, Charles Durning, Joseph Cotten, Melvyn Douglas, Richard Jaeckel, Roscoe Lee Browne, William Marshall, Gerald S. O'Loughlin, Paul Winfield, Burt Young, Charles Aidman, Leif Erickson, Charles McGraw, Morgan Paull u.a.
Genre Thriller, Krieg, White House
Filmlänge 146 Minuten
Deutschlandstart
28. Oktober 1977
Inhalt
Montana, USA, 1981: Lawrence Dell überlistet die Besatzung einer Raketen-Abschussbasis und bringt neun Atomraketen in seine Gewalt. Dell kennt sich hier aus, er hat die Pläne der Station entworfen. Er war aus dem Verkehr gezogen worden, weil er die wahren Hintergründe des Vietnamkriegs kennt und darauf gedrängt hatte, die Öffentlichkeit nicht länger zu täuschen. Vom neugewählten US-Präsidenten Stevens, einem Mann des Volkes, erhofft der Ex-General, er werde die ganze schmutzige Affäre offenlegen und so zu seiner, Dells, persönlichen Rehabilitierung beitragen. Dell stellt dem Präsidenten ein Ultimatum und droht mit dem Abschuss der Atomraketen, die er jetzt kontrolliert.

Die Abschussbasis der Titan-Raketen wird von Armee-Einheiten umstellt. Leiter dieser Gegenaktion ist der eiskalte General MacKenzie, der Dell und seine Freunde zu überrumpeln versucht. Als dies missglückt, erklärt sich Präsident Stevens bereit, Dells Geisel zu werden und mit ihm und dessen letztem Begleiter in einem Flugzeug die USA zu verlassen. Die Dokumente, die die frühere Regierung belasten, sollen im Fernsehen verlesen werden. Dass Staatsgeheimnisse jedoch mehr gelten als Menschenleben, wird spätestens bei der Prophezeiung von Dells letztem Freund klar, die Mächtigen würden sogar den Präsidenten über die Klinge springen lassen, wenn sie diese Geheimnisse anders nicht bewahren könnten …

Was zu sagen wäre

General?“, fragt der Chauffeur, „möchten Sie die Nachrichten hören?
Niemals zwischen den Kriegen!“, antwortet der General. Und es ist Richard Widmark („Von allen Hunden gehetzt“ – 1976; Mord im Orient-Express – 1974; „Nur noch 72 Stunden“ – 1968; Cheyenne – 1964; Das war der Wilde Westen – 1962; „Das Urteil von Nürnberg“ – 1961; „Alamo“ – 1960; Okinawa – 1951) und damit wissen wir, der Kerl meint es verdammt ernst. Wir sollen nicht enttäuscht werden.

Paul Winfield, als Willis Powell der Afroamerikaner der Terrortruppe, betont, ihm sei „nie kalt“, er sei „nur kühl. Bis zum Herz hinab.“ Und Burt Lancaster („Cassandra Crossing“ – 1976; „Gewalt und Leidenschaft“ – 1974; Airport – 1970; „Vierzig Wagen westwärts“ – 1965; „Sieben Tage im Mai“ – 1964; „Der Leopard“ – 1963; Der Gefangene von Alcatraz – 1962; „Das Urteil von Nürnberg“ – 1961; Denen man nicht vergibt – 1960), der eiskalte Top-Terrorist, ist durchgehend der großväterliche Sanftfuß mit Idealen, der an die Integrität der Verfassungsorgane glaubt. Er und Widmark geben die zwei Seiten einer knorrigen Medaille, auf der Männer noch zu Idealen wie Loyalität stehen.

Robert Aldrich („Straßen der Nacht“ – 1975; „Die Kampfmaschine“ – 1974; „Das dreckige Dutzend“ – 1967; Der Flug des Phoenix – 1965; „Wiegenlied für eine Leiche“ – 1964; „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ – 1962) schleudert uns mitten hinein in die Zeichensprache des Kalten Krieges, spielt mit den Ängsten seiner Zeit und weiß ein sympathisierendes, tendenziell friedensbewegtes Publikum im Kinosessel, dem die Feindbilder nicht erst umständlich erklärt werden müssen. Da ersetzen Schulterklappen und kernige Ansagen schon mal den Zwischenton.

Zwei Jahre nach dem Ende des Kriegseinsatzes in Vietnam liefert Robert Aldrich eine deutliche Misstrauenserklärung an Judikative und Exekutive in Washington – „Air Force, Mafia … ist doch alles derselbe Verein.“ Aldrich lässt seiner linksliberalen Haltung freien Lauf. Als MacGuffin fungiert eine rätselhafte Motivation, den Vietnamkrieg zu führen, für welche die USA, sollte sie publik werden, offenbar einen hohen Preis zahlen müssten. „General Dell verlangt, dass wir die Öffentlichkeit aufklären", sagt der Nationale Sicherheitsberater. „Wer weiß, falls dieser Vorfall jemals aufgedeckt werden sollte, könnten sich die Historiker dahin verstehen, General Dell als eine Art modernen Messias zu verstehen.“ Um dem Plot zwischen Paranoia- und Verschwörungs-Kino Tiefe zu geben, wird sogar der JFK-Mythos mit dem militärisch-industriellen Komplex bemüht – und als Klammer gibt es den biblischen Bruderkonflikt: „MacKenzie wird alles versuchen. Er hasst mich … seit über 30 Jahren.

Die Regierung der Vereinigten Staaten kann nicht mit Mördern verhandeln“, sagt der Berater des US-Präsidenten, woraufhin der ihn belehrt, dies sei „nicht wahr, ist zu keiner Zeit wahr gewesen. Wenn es zu unserem Vorteil ist, haben wir die freundschaftlichsten Beziehungen zu einer ganzen Reihe von unerwünschten Typen“. Es gibt in dem Film eine Szene, in der die Berater des Präsidenten im Oval Office offen denken und reden sollen und in der Folge erleben wir einen Schwanzvergleich vorpubertärer, atomar bewaffneter Jungs im Sandkasten. Da ist sich jeder selbst der Nächste. Und als es hart auf hart kommt, die Atomraketen aus ihren Silos geschoben werden, sieht sich der US-Präsident von lauter verantwortungslosen Entscheidern umstellt, die ihr eigenes Süppchen kochen. Die Folge ist eine beklemmende Kakophonie von hysterisch gebellten Befehlen in Telefonmuscheln, nun möge endlich jemand einen Befehl geben. Eine Regierung findet nicht mehr statt.

Mehr Abgesang geht irgendwie nicht …

Wertung: 8 von 9 D-Mark
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