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Plakatmotiv: Die gefürchteten Vier (1966)

Ein bunter Abenteuerfilm, der sich
als Tritt gegen US-Politik entpuppt

Titel Die gefürchteten Vier
(The Professionals)
Drehbuch Richard Brooks
nach dem Westernroman "A Mule for the Marquesa" von Frank O’Rourke
Regie Richard Brooks, USA 1966
Darsteller
Burt Lancaster, Lee Marvin, Claudia Cardinale, Robert Ryan, Woody Strode, Jack Palance, Ralph Bellamy, Marie Gomez, Joe De Santis, Rafael Bertrand, Jorge Martínez de Hoyos, José Chávez, Carlos Romero, Vaughn Taylor, David Cadiente, Vince Cadiente, Elizabeth Campbell, Don Carlos u.a.
Genre Action, Abenteuer, Western
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
13. Dezember 1966
Inhalt

Wilder Westen zur Zeit der mexikanischen Revolution: J.W. Grant braucht Hilfe. Seine Frau Maria, gebürtige Mexikanerin, kam nach einem Ausritt nahe der amerikanisch-mexikanischen Grenze nicht wieder heim, stattdessen zwei Tage später eine Lösegeldforderung: Der mexikanische Revolutionär Captain Jesus Raza hat sie entführt.

Um seine geliebte Frau so schnell wie möglich wieder freizukämpfen, engagiert der Geschäftsmann Grant vier Profis, jeder Spezialist auf seinem Gebiet: Henry Rico Fardan, Waffenexperte und Taktiker, Bill Dolworth, Dynamitexperte, Hans Ehrengard, ehemaliger Kavallerist sowie Jake Sharp, zuverlässiger Kundschafter und Fährtensucher.
Für eine hohe Entlohnung begeben sich die vier Söldner auf die Suche nach Maria Grant. Dabei machen ihnen neben mexikanischen Banditen unter anderem auch die Tücken der Wüste zu schaffen. Als das vierköpfige Team schließlich die Frau des Geschäftsmanns aufspürt und sie nach Hause bringen will, kommt alles anders als gedacht, denn die temperamentvolle Maria ist nicht die, die sie vorgab zu sein …

Was zu sagen wäre

Warum haben sich Amerikaner in die mexikanische Revolution eingemischt?“, fragt Hans Ehrengast, der ehemalige Kavallerist. „Vielleicht ist es immer dieselbe Revolution. Seit Menschengedenken. Die Guten gegen die Bösen. Fragt sich nur, wer die Guten sind“, sagt Bill, der Dynamitexperte, den Burt Lancaster (40 Wagen westwärts – 1965; Der Zug – 1964; "Sieben Tage im Mai" – 1964; Der Gefangene von Alcatraz – 1962; Urteil von Nürnberg – 1961; Denen man nicht vergibt – 1960; Zwei rechnen ab – 1957; Die tätowierte Rose – 1955; Der Mann aus Kentucky – 1955; Vera Cruz – 1954; Massai – Der große Apache – 1954; Verdammt in alle Ewigkeit – 1953; Du lebst noch 105 Minuten – 1948) mit strahlendem Lächeln und entwaffnender Offenherzigkeit spielt.

Richard Brooks hat "The Professionals" 1966 gedreht. Damals wuchs in den USA die Ablehnung gegen den militärischen Einsatz in Vietnam. Viele Menschen fragten sich, was ihre Brüder, Väter und Freunde eigentlich in dem fernen asiatischen Land zu suchen hatten. Von der Idee des Stellvertreterkrieges – kommunistisches Nordvietnam gegen Südvietnam gleich UdSSR gegen USA – hielten sie nichts.

In "Die gefürchteten Vier" liegt Vietnam in Mexiko. Das gleich im Süden an die USA angrenzt. Auch dort gab es – historisch – unterschiedliche Auffassungen davon, wem das Land gehört. Auch dort mischten 1917, das Jahr, in dem der Film spielt, die USA in der Revolution kräftig mit (ebenso übrigens, wie das deutsche Kaiserreich). Das ist der politische Hintergrund, vor dem die Geschichte des Films spielt, in dem selbst die Politik aber keine Rolle spielt. Hier geht es um zwei Männer – der eine Amerikaner, der andere Mexikaner – die sich um eine Frau zanken.

Weil der Mexikaner dem Amerikaner seine Frau weggenommen hat, heuert der vier Pistoleros an, die sich auskennen mit Pferden, Sprengstoff, Waffen – Fachleute für ein Kommandounternehmen, wie wir das im 60er-Jahre Kino von Die Kanonen von Navarone bis Das dreckige Dutzend in so vielen Ausprägungen erlebt haben – und jagt sie dem Mexikaner auf den Hals. Es gibt in der Folge sehr viele tote Mexikaner, auch ein paar Amerikaner werden zumindest verwundet. Und was die Frau eigentlich will, ist für die Männer eher Nebensache.

Richard Brooks ("Süßer Vogel Jugend" – 1962; "Elmer Gantry" – 1960; Die Katze auf dem heißen Blechdach – 1958; "Die Brüder Karamasov" – 1958) geht die Sache langsam an. Die Männer sind schnell einschlägig eingeführt. Der Auftrag ist schnell klar. Dass es gegen gute Freunde aus der Vergangenheit geht, egal. Dann machen sich die vier Männer auf den Weg. Und der dauert. Dann tauchen mexikanische Banditen auf – dass es Banditen sind, merkt man im US-Kino immer daran, das sie besoffen sind und dreckig lachen, und das tun im US-Kino die meisten Mexikaner – und die werden erschossen. Es tauchen mehr Banditen auf. Auch die werden erschossen. Über die Dynamiken innerhalb der Männergruppe, die da unterwegs ist, erfahren wir nicht viel. Zwei – Lee Marvin (Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming – 1965; "Der Tod eines Killers" – 1964; Die Comancheros – 1961; Der Mann der Liberty Valance erschoss – 1962; "Stadt in Angst" – 1955; Die Caine war ihr Schicksal – 1954) und Burt Lancaster – sind seit der gemeinsamen Zeit in Mexiko befreundet, die beiden anderen harte, aber freundliche Funktionsfiguren, die ihren Job machen. Und dann sind sie wieder unterwegs durch die heiße Steppe Mexikos. Die Kunst des Films ist es, dass das nicht lahm wirkt. Weil kräftige Farben, prachtvolle Panoramen, lakonische Dialoge sowie hier und da eine Explosion das Geschehen in der Schwebe halten.

Es gehört zum Wesen von Kommandofilmen, dass es einen gibt, der quer schießt, einen Verräter, einen Zweifler oder Ähnliches. In diesem Fall ist es die Frau, die befreit werden soll. Sie will nämlich gar nicht nach Hause, im Gegenteil, sie ist dort, wo sie gerade ist, zu Hause; die Ehefrau ist Mexikanerin und war, bis sie von dem amerikanischen Geschäftsmann wahrscheinlich gegen viel Geld auf dessen Ranch geholt worden war, mit ihrem Entführer so gut wie verheiratet. Claudia Cardinale (Held der Arena – 1964; Der rosarote Panther – 1963; Cartouche, der Bandit – 1962) spielt sie als heißblütige und zynische Durchbeißerin. Ein reicher Geschäftsmann schickt Männer in eine Schlacht, um seine Investitionen in Mexiko zu schützen und seinen Besitz, also die Frau, zu sichern. Das geht am Ende mächtig schief und lässt den US-Mann düpiert zurück. Da sind wir wieder bei Vietnam. Washington schickte Soldaten, um irgendwo die freie Welt zu beschützen, die sich anschickte, sich für den Kommunismus zu begeistern. Und zum Zeitpunkt des vorliegenden Films mehrten sich Schreckensmeldungen und Horrorbilder im Fernsehen und Särge mit toten US-Soldaten. Jahre nach dem Film zogen sich die USA düpiert zurück: „Sind die Toten begraben und der Kampf zu Ende, dann nehmen die Politiker die Sachen die Hand. Und dann war alles umsonst. Alles scheiße“, sinniert Burt Lancaster als Dynamit-Mann Bill am Ende.

Wertung: 5 von 8 D-Mark
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