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Plakatmotiv: Vor Hausfreunden wird gewarnt (1960)

Unterhaltsame Dialog-Komödie mit
überraschend frivolen Freiheiten

Titel Vor Hausfreunden wird gewarnt
(The Grass Is Greener)
Drehbuch Hugh Williams & Margaret Vyner
nach ihrer Bühnenkomödie "Das Gras ist grüner" (The Grass Is Greener).
Regie Stanley Donen, UK 1960
Darsteller

Cary Grant, Deborah Kerr, Robert Mitchum, Jean Simmons, Moray Watson u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
7. April 1961
Inhalt

Victor, Graf von Rhyall, lebt zu einem beträchtlichen Teil von dem Geld, das ihm schaulustige Touristen für das Vergnügen zahlen, scharenweise durch Schloss Lynley Hall spazieren zu dürfen. Auch Gräfin Hilary verschmäht diese Einkünfte keineswegs, sie hat es allerdings gar nicht gern, wenn aufdringliche Besucher in ihre Privaträume hineinplatzen.

Mr. Charles Delacro aus Amerika ist solch ein Störenfried – auf diese Weise macht er die Bekanntschaft der attraktiven Schlossherrin. Seine Millionen aus dem Ölgeschäft geben ihm die nötige Selbstsicherheit, und er merkt bald, dass er Hilary besser gefällt, als sie zugeben möchte. Das ist ihm hochwillkommen, denn Charles Delacro hat sich Hals über Kopf in die Gräfin verliebt.

Als Hilary in London ihren Friseur aufsucht, gelingt es Delacro, sie wiederzusehen, und sie nimmt seine Einladung zum Abendessen an. Plakatmotiv: Vor Hausfreunden wird gewarnt (1960) Ihrem Mann bleibt das nicht verborgen; dafür sorgt schon Hilarys Freundin Hattie, die entschlossen ist, den Strohwitwer in Lynley Hall auf ihre Art aufzumuntern, zumal sie ihn mehr als sympathisch findet. Die exzentrische junge Dame fällt jedoch aus allen Wolken, als Victor ausgerechnet seinen Nebenbuhler telefonisch auf sein Schloss einlädt.

Dort erwarten Charles Delacro und Hilary einige Überraschungen, denn Victor lässt sich manches einfallen, um seine Frau zurückzugewinnen …

Was zu sagen wäre

Cary Grant, der immer wirkt, als sei er im Smoking zur Welt gekommen, von dem gleichzeitig das Bonmot überliefert ist, alle Männer wollten sein wie Cary Grant, vor allem er selbst, spielt einen Mann, der von seiner Frau betrogen, womöglich verlassen wird und es gibt Szenen, in denen sein Lord Victor niedergeschlagen, beinah depressiv und zutiefst unglücklich ist. Das ist neu: Grant hat schon unschuldig gejagte Spießer, überforderte Väter oder verschusselte Paläontologen gespielt (Unternehmen Petticoat – 1959; Der unsichtbare Dritte – 1959; Hausboot – 1958; Indiskret – 1958; Über den Dächern von Nizza – 1955; Liebling, ich werde jünger – 1952; Ich war eine männliche Kriegsbraut – 1949; Berüchtigt – 1946; Verdacht – 1941; Die Nacht vor der Hochzeit – 1940; Sein Mädchen für besondere Fälle – His Girl Friday – 1940; Leoparden küsst man nicht – 1938). Aber einen verzweifelten Mann hat er noch nie gespielt. Vor einigen Jahren war er der charmante Playboy Nickie, dem in Die große Liebe meines Lebens (1957) auch schon Deborah Kerr das Herz gebrochen hatte. Aber da war er weniger glaubwürdig als hier.

Und dass ein Film so deutlich einen Seitensprung der Ehefrau thematisiert, ist auch keine gängige Praxis im Kino Hollywoods, das sich seit einigen Jahren erkennbar vom engen Korsett des prüden Hays-Codes befreit. Stanley Donen bebildert den viertägigen Seitensprung Hilarys gewohnt elegant und unangreifbar. Er zeigt uns einen Tisch für zwei bei einem Empfang mit gekühltem Champagner, zwei Gläsern, Tellern, aber ohne Menschen daran, dann zwei Sitze im Theater, die leer geblieben sind, dann einen reservierten, aber leer gebliebenen Tisch im Restaurant. Der Zuschauer kann sich denken, wer da jeweils gesessen hätte und warum sie das nicht tun. Es wird nicht gezeigt. Das ist das Kunstvolle. Dass die Gräfin ihrem Gatten untreu ist, wird allerdings nicht verschwiegen. Es ist eine Freude, der sonst gerne für zugeknöpfte Rollen gerufenen Deborah Kerr (Die große Liebe meines Lebens – 1957; Der König und ich – 1956; Verdammt in alle Ewigkeit – 1956; Julius Caesar – 1953; Quo Vadis – 1951) dabei zuzuschauen, Plakatmotiv (UK): The Grass Is Greener (1960) Awie sie sich in Frühlingsgefühlen von dem rauen Charme Robert Mitchums (Kilometerstein 375 – 1958; Duell im Atlantik – 1957; Die fünfte Kolonne – 1956; Die Nacht des Jägers – 1955; Fluss ohne Wiederkehr – 1954) überzeugen lässt und sich dann in der raffinierten Upperclass-Noblesse Cary Grants verheddert.

Stanley Donen hat nicht viele Gelegenheiten in diesem verfilmten Theaterstück mit visueller Finesse zu glänzen, im Mittelpunkt stehen gut geschriebene Dialoge und gut aufgelegte Schauspieler in der Kulisse feudaler Landaristokratie, da ist viel Schnitt-Gegenschnitt-Dialogdramaturgie. ber dann kommt die Szene, in der Victor Charles anruft und ihn zu sich aufs Schloss einlädt. Er tut so, als ahne er nichts von Charles' Affäre mit seiner Frau und bittet ihn, ob er auch Hilary mitbringen könne, die sich zurzeit ebenfalls in London aufhalte. Donen inszeniert das mit Splitscreen – links im Bild der gehörnte Ehemann am Telefon neben der Hausfreundin Hattie, die sich Chancen bei Victor erhofft, rechts im Bild der telefonierende Charles mit Hilary. Während die Männer links und rechts miteinander sprechen, die Einladung aussprechen, die Einladung annehmen, reagieren die jeweiligen Frauen an ihren Seiten synchron überrascht, ablehnend, empört, den jeweiligen Mann umgarnend, während die, ebenfalls synchron, immer wieder den Hörer von einem Ohr ans andere schieben, um von der jeweiligen Frau weniger gestört zu werde; die umgeschnittene Szene endet damit, dass Victor irgendwas aus seinem Brandy fischt und Richtung andere Bildhälfte schnippt, wo einen Augenblick später sich Charles an den Nacken schlägt, weil ihn irgendwas getroffen hat. Diese Szene ist ebenso witzig wie Zeugnis eines großartigen Gefühls für Timing bei allen Beteiligten.

Überhaupt wird der Plot, der ein Thema behandelt, das im Publikum verbreiteter ist, als im zeitgenössischen Durchschnittsfilm, nicht bleischwer präsentiert, sondern als lockere Dialog-Komödie, bei der im Vorfeld vor allem das Aufeinandertreffen des alternden Gentleman Cary Grant und des jüngeren Raubeins Robert Mitchum interessiert. Sie spielen ihre wenigen Vier-Augen-Dialoge routiniert runter und wirken dabei, als sei ihr Kontakt jenseits der Kamera auch nicht tiefer gegangen. Meistens spielen die Männer an der Seite der Frauen, Charles mit Hillary, Victor mit der ihn becircenden Hattie, die Jean Simmons (Spartacus – 1960; Das Gewand – 1953) als gut gelaunte Luxusgarderobe mit Hang zum Gin spielt.

Ein unterhaltsames Theaterstück mit moralisch konservativem Ausgang, das auf der Leinwand eher über seine Schauspieler punktet.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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