IMDB

Plakatmotiv (US): Singin' in the Rain (1952)

Eine bombastische Feier
für die Fabrik der Träume

Titel Du sollst mein Glücksstern sein
(Singin' in the Rain)
Drehbuch Betty Comden & Adolph Green
Regie Gene Kelly + Stanley Donen, USA 1952
Darsteller

Gene Kelly, Donald O'Connor, Debbie Reynolds, Jean Hagen, Millard Mitchell, Cyd Charisse, Douglas Fowley, Rita Moreno, Dawn Addams, John Albright, Betty Allen, Sue Allen, John Angelo, Marie Ardell, Bette Arlen, David Bair, Jimmy Bates, Mary Bayless u.a.

Genre Musical
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
30. März 1953
Inhalt

Don Lockwood ist ein gefragter Stummfilm-Star, welcher zusammen mit seiner Filmpartnerin Lina Lamont große Erfolge feiert. Doch die technische Weiterentwicklung hin zum Tonfilm verändert die Bedingungen in der Filmindustrie auf grundlegende Weise.

Besonders Lina kommt mit der neuen Technik des Tonfilms nicht zurecht, da ihre schrille Stimme für diese Art von Film nicht gut geeignet ist. Um dieses Problem zu umgehen, schlägt Dons bester Freund Cosmo Brown vor, Linas Stimme durch die einer anderen Schauspielerin zu ersetzten. Eine Idee, mit der vor allem die temperamentvolle Diva Lina nicht einverstanden ist.

Denn sie empfindet Kathy Selden, die ihr die Stimme leihen soll, als große Konkurrenz. Deswegen versucht Lina, Kathys Karriere als Schauspielerin zu behindern …

Was zu sagen wäre

Die Filmindustrie ist doch ein einziges Lügengebilde. Das wird schon in den ersten Minuten klar, als den Lockwood, der große Star, bei der Premiere seines neuen Filmes auf dem roten Teppich erzählt, wie er wurde, was er ist – ein Star – und dabei lügt, dass sich die Balken biegen. Aber die fans sind begeistert. Er erzählt von seiner großbürgerlichen Herkunft, aber die Bilder zeigen ihn als Kind eines Wirts. Plakatmotiv: Du sollst mein Glücksstern sein – Singin' in the Rain (1952) Er erzählt von den besten Schauspielschulen, die er besucht habe, und die Bilder zeigen ihn an der Violine in einer Kneipe voller Betrunkener. Er erzählt von seiner Ankunft im strahlend sonnigen Hollywood. Und die Bilder zeigen ihn, wie er vor dem Regen unter eine Markise flüchtet. Das ist Kino: Es stimmt einfach nichts. aber es reißt Dich mit. Weil es so schön ist. Deshalb nennt man Hollywood ja auch: die Traumfabrik.

Darum geht es in "Singin' in the Rain", der in Deutschland unter dem Titel "Du sollst mein Glücksstern sein" läuft, weil die deutsche Fassung des "Singin' in the Rain"-Titelliedes, "Ich bin heut' so verdreht", in den Augen des deutschen Verleihs kein geeigneter Filmtitel ist. Also haben sie den Titel des letzten Duetts zum Filmtitel geadelt, das Gene Kelly und Debbie Reynolds singen: "You are my Lucky Star" ("Du sollst mein Glücksstern sein"). Es geht um den Betrug, mit dem man Träume produziert und viel Geld verdient. In Deutschland verdient man mit dem schlechteren Filmtitel mehr Geld; die Filmproduktion lässt im Film Debbie Reynolds' Kathy Selden die Stimme Jean Hagens synchronisieren, die im Film die zickige Diva mit der kieksenden Stimme spielt, aber hinter den Kulissen in der entscheidenden Szene dann Jean Hagen, die tatsächlich eine sehr schöne Stimme hat, Debbie Reynolds synchronisieren, wie sie gerade Jean Hagens Diva Lina synchronisiert. Verwirrend? So geht Film.

Gene Kelly ("Ein Amerikaner in Paris" – 1951; "Das ist New York" – 1949; "Die drei Musketiere" – 1948) und Stanley Donen inszenieren eine gut gelaunte Hommage an das Hollywood der 20er Jahre, als mit dem Warner-Klassiker The Jazz Singer (1927) der Tonfilm aufkommt, der für viele große Stars der Stummfilmzeit das Aus bedeutete. Wie für Lina Lamont in diesem Film, deren kieksende Stimme ihr Leinwand-Image konterkariert, das sie als eleganten, mondänen Star verkauft, der an der Seite Don Lockwoods ein rauschendes Liebesleben lebt. Plakatmotiv: Du sollst mein Glücksstern sein (1952) Auch das ist natürlich gelogen, es verkauft sich halt gut in den Klatschmagazinen und die Zuschauer wollen die Liebe auf der Leinwand als real empfinden, wenigstens bei den großen Stars, wenn schon nicht in ihrem eigenen, schlichten Leben. Als hinter der Leinwand dann Kathy als Lina Lamonts Stimme einspringt und Karriere macht, zeigt die elegante Diva das Gesicht der neidzerfressenen Furie und zieht geschickt ein paar Fäden. Das Filmgeschäft ist auch ein brutales Geschäft, auch wenn dieses fröhliche Musical das zugunsten großer, farbenprächtiger Sing- und Tanznummern auf sehr kleiner Flamme brutzelt. Jean Hagen hat für die Rolle der Lina Lamont einen Nebenrollen-Oscar bekommen.

Kelly und Donen, die sich den Regiestuhl teilen, der eine macht das Musical, der andere führt die Schauspieler, präsentieren die Traumfabrik mit all ihren Tricks in einer schönen Szene, in der Don Kathy, die er gerade wiedergefunden hat, in eine dunkle Filmstudiohalle führt und dann nach und nach bunte Scheinwerfer, Nebelmaschine, Windmaschine und einen bunten Sternenhimmel einschaltet. Da wird aus der staunenden Kathy scheinbar ohne viel Zauberei die mächtig entzückende Debbie Reynolds, die sich mit großen Gesten und eleganten Bewegungen von Gene Kelly umwerben lässt. Das ist eine wunderschöne Szene, die zeigt, wie dieser Film immer bei sich bleibt, obwohl er sich eine Extravaganz nach der anderen leistet und die es dabei schafft, dass die Musicalnummern nicht nach albern aufgesetzt aussehen, sondern ganz natürlich.

Als sei es das Natürlichste auf der Welt, dass die Farben plötzlich bunter werden, das Licht kontrastreicher. Und die Menschen anfangen zu singen und zu tanzen. auch wenn es in Strömen regnet. Hollywood ist die Fabrik unserer Träume.

Wertung: 6 von 6 D-Mark
IMDB