Montana, im späten 19. Jahrhundert: Der alternde Rancher Wil Andersen will wie jedes Jahr seine 1.500-köpfige Viehherde durch die Wüste treiben, wobei er auf die Hilfe mehrerer Cowboys aus der Gegend angewiesen ist. Die sind jedoch neuerdings dem Goldrausch verfallen, und Andersen muss umdenken. In der nächstgelegenen Schule gibt es einige aufstrebende Nachwuchskräfte, die ohne Scheu gern beim Viehtrieb dabei wären.
Zwar hat keiner der Jungen die notwendige Erfahrung, aber alle können reiten und mit dem Lasso umgehen.
Als die meisten von ihnen den Test bestehen, auf Andersens wildestem Pferd zu reiten, ist der ungehobelte Rancher von den jungen Cowboys überzeugt. Zusammen mit dem schwarzen Vagabunden Jebediah Nightlinger, der sich als hervorragender Koch erweist, zieht der Treck los. Die Zusammenarbeit läuft durch die Lust und Aufrichtigkeit der Jugendlichen ausgezeichnet – doch sie sind in der weiten Wüste nicht alleine. Abgesehen von den Gefahren der menschenfeindlichen Natur, verfolgt eine Bande von Pferdedieben den Viehtreck unablässig. Genauso unerbittlich zielen Andersens junge Rekruten jedoch darauf, die Arbeit zu vollbringen …
John Wayne startet auf einen großen Viehtreck. Da werden wehmütige Erinnerungen an Howard Hawks' Epos Red River von 1948. Damals kämpfte John Waynes Charakter, Thomas Dunson, gegen seinen Altersstarrsinn und mit seinem Ziehsohn Montgomery Clift gegen Indianer.
Heute, 24 Jahre später, hat die langjährige Ehefrau ihrem von John Wayne gespielten Gatten Wil Anderson den Altersstarrsinn ausgetrieben, damit der mit einem Haufen Teenager, 15 Jahre und jünger, gegen Viehdiebe und die Natur ihren Mann stehen können. Mark Rydells Film erzählt eine klassische Westerngeschichte als Abgesang auf dieses Filmgenre. Die alten Helden sind alt geworden, das Rheuma schmerzt. Die gefürchteten Schurken von einst sind verlauste Knastbrüder, gemein, aber dumm. Die nächste Generation muss übernehmen, aber die ist eigentlich noch zu jung.
An dieser Stelle macht uns Regisseur Rydell einen ersten Strich durch die Rechnung, seine Teenager sind keine unerfahrenen Jammerlappen. Sie sind alle im Westen unter harten Bedingungen von strengen Vätern erzogen worden. Als Wil Andreson sie alle nacheinander auf einen wilden, bockigen Gaul setzt, lässt sich keines der Kinder abwerfen. Die können alle reiten und Rinder mit dem Lasso einfangen können sie auch. Da wird dem Zivilisationsmenschen des 20. Jahrhunderts im Kinosessel plötzlich gewahr, was das damals in diesem Wilden Westen für eine Kindheit war – auf Bäume klettern war da schon nur ein Windelpups.
Als ihr Chef und gleichzeitig ihr Betreuer, Vaterersatz und Lehrmeister fungiert John Wayne, der in dieser Rolle eine wehmütige Erinnerung an seine großen Westernmänner aus den 40er und 50er Jahren abliefert
(Big Jake – 1971; Rio Lobo – 1970; Chisum – 1970; Die Unbesiegten – 1969; Der Marshal – 1969; Die grünen Teufel – 1968; Die Gewaltigen – 1967; El Dorado – 1967; Die vier Söhne der Katie Elder – 1965; Held der Arena – 1964; McLintock – 1963; Der längste Tag – 1962; Hatari! – 1962; Der Mann, der Liberty Valance erschoss – 1962; Das war der Wilde Westen – 1962; Die Comancheros – 1961; Land der 1000 Abenteuer – 1960; Alamo – 1960; Rio Bravo – 1959; Der letzte Befehl – 1959; Der schwarze Falke – 1956; Der See-Fuchs – 1955; Man nennt mich Hondo – 1953; Der Sieger – 1952; Rio Grande – 1950; In letzter Sekunde – 1949; Der Teufelshauptmann – 1949; Red River – 1948; Die Freibeuterin – 1942; Ringo – 1939; Westwärts! – 1935). Wil Anderson wird einmal zu den großen Altersrollen Waynes zählen. Der knurrige Alte ist alt genug geworden, um Ratschläge von Menschen anzunehmen, denen er vertraut.
Wenn die Jungs gefunden sind und die ersten von ihnen in szenischen Miniaturen schon einmal gezeigt haben, dass sie gewitzte, pfiffige Kerle sind, die in Maßen schon ganz gut auf sich selbst oder ihre kleineren Klassenkameraden aufpassen können, lässt Filmkomponist John Williams das große Horn zum Aufbruch ins Abenteuer blasen, die Orchester bebt, die Pferde wiehern, das Vieh muht und der große Treck setzt sich unter markigen Befehlen des Reiseführers John Wayne in Bewegung. Ein Dass-ich-das-nochmal-erleben-darf-Szene. Unterwegs haben die Knirpse all die Probleme, die Kinder halt so haben in ihrem Alter. Einer kann nicht schwimmen, einer hat Angst im Dunkeln, sie trinken ihren ersten Whisky und leiden am nächsten Morgen unter Brummschädel, einer stottert und gefährdet in einer hektischen Situation dadurch das Leben seines Freundes. Aber wenn es um die Arbeit, ihren Job geht, tun die Rinder das, was die treibenden Jungs von ihnen wollen und Wil Anderson sieht es mit Wohlwollen.
Der Film feiert die große Westernromantik, zu der auch hässliche Seiten gehören. Es tauchen ein paar Viehdiebe auf, die dem Treck übel mitspielen. Es bleiben Tote zurück. Und dann steht da in der Prairie auch einmal ein Waggon voller Frauen in Unterwäsche, die freundlich lachen und winken und einige der Jungs in Panik versetzen. Dazu liefert Mark Rydell die Musst Waves eines Western: weite Landschaften in Cinemascope, wilde Ritte, Schießereien und jede Menge Viehtreck.
Es handelt sich um einen der wenigen John-Wayne-Western, in der die von ihm verkörperte Hauptfigur am Ende des Films stirbt. Weitere Filme, in denen das geschieht, sind "Piraten im karibischen Meer" (1942), "Du warst unser Kamerad" (1949), Alamo (1960) und Der letzte Scharfschütze (1976).
