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Plakatmotiv: Der Sieger (1952)

Ein fröhlicher, romantischer Schwank
mit einem ungewöhnlichen John Wayne

Titel Der Sieger
(The Quiet Man)
Drehbuch Frank S. Nugent
nach der Erzählung "Der stille Mann" von Maurice Walsh
Regie John Ford, USA 1952
Darsteller

John Wayne, Maureen O'Hara, Barry Fitzgerald, Ward Bond, Victor McLaglen, Mildred Natwick, Francis Ford, Eileen Crowe, May Craig, Arthur Shields, Charles B. Fitzsimons, James Lilburn, Sean McClory, Jack MacGowran, Joseph O'Dea, Eric Gorman, Kevin Lawless, Paddy O'Donnell u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
1. Mai 1953
Inhalt

Der gebürtige Ire Sean Thornton war in den USA ein erfolgreicher Boxer. Nach mehreren Jahrzehnten kehrt er aus Amerika in sein irisches Heimatdorf zurück. Dort kennen ihn einige noch von früher, so auch die Witwe Sarah Tillane, die er überreden kann, ihm sein Geburtshaus zu verkaufen.

Doch damit handelt sich Sean ungeahnten Ärger ein, denn auch "Red" Will Danaher hat es schon seit Jahren auf dieses Haus abgesehen. Sean hat sich einen Erzfeind eingehandelt – und sich zudem ausgerechnet in dessen Schwester verguckt, die schöne Mary Kate. Die erwidert zwar seine Liebe, hält sich aber an die strengen irischen Bräuche: Mary kann Sean erst heiraten, wenn ihr Bruder eingewilligt hat. Und der sträubt sich gewaltig.

Durch eine List schaffen es Seans Freund Og Flynn und der Dorfpfarrer Playfair, "Red" Will Danaher zunächst das Einverständnis abzuringen. Am Tag der Hochzeit sieht aber alles plötzlich wieder anders aus …

Was zu sagen wäre

Ein Mann reist nach Irland, sieht eine Rothaarige, die er bei erstbester Gelegenheit so heftig küsst, dass sie ihm verfällt; dann heiraten beide und streiten darüber, wie wichtig oder unwichtig die Mitgift der Frau für die Ehe und für sie selbst ist. Das ist kurz zusammengefasst der Inhalt des Films, der auf einer Erzählung von Maurice Walsh basiert, der sich wiederum bei Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" bedient hat.

Zwei Stunden lang passiert … wenig. Das aber herzlich. Auf dem Regiestuhl sitzt Altmeister John Ford, Ire von Geburt, der hier offenbar sowas wie eine Hommage an seine Heimat drehen wollte (Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; Faustrecht der Prärie – 1946; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Ringo – 1939). Plakatmotiv (US): The Quit Man (1952) Seine Iren streiten sich leidenschaftlich gern, dann gehen sie in den Pub und trinken ein paar Bier zusammen und dann folgt gerne noch eine Schlägerei. Es ist einfach, es sich mit diesen Film-Iren zu verscherzen, es gelten strenge Regeln vor allem bei der Anbahnung einer Beziehung zwischen Mann und Frau. Da wirkt der Zugereiste aus den USA, der seine familiären Wurzeln zwar hier im Dorf hat, aber in Amerika sozialisiert worden ist, wie ein Elefant im Porzellanladen. Und das ist dann auch die ganze Geschichte, die John Ford erzählt, charmant und mit Augenzwinkern. Es muss keine Brücke gebaut, keine Naturkatastrophe abgefedert, keine Hungersnot bekämpft werden. Der Amerikaner und die Rothaarige müssen nur miteinander nach den althergebrachten Regeln ins Bett steigen und Kinder zeugen. Da können zwei Filmstunden ganz schön lang werden, aber Produzent Herbert Yates macht aus dem Stück eine Familienproduktion.

Sein Freund John Wayne übernahm die Rolle des Elefanten im Porzellanladen (Rio Grande – 1950; In letzter Sekunde – 1949; Der Teufelshauptmann – 1949; Red River – 1948; Die Freibeuterin – 1942; Ringo – 1939; Westwärts! – 1935). Sein Ire Sean ist so breitbeinig wie seine Cowboys, seine Art, sich Frauen gefügig zu machen, ohne ein charmantes Wort zu sagen, ist heute – ich sehe den Film in den 1980er Jahren – schwer gewöhnungsbedürftig, aber er steht in diesem Dorf voller lustiger Trinker wie ein Fels, der weiß, was er will und mit einer schmerzhaften Vergangenheit kämpft. Geerdet wird dieser Mann, mehr Bigger-than-Life-Kinoheld als echter Mensch, durch Maureen O’Hara mit den roten Haaren (Rio Grande – 1950; Riff-Piraten – 1939). Sie spielt die bärbeißige Mary Kate, die in der deutschen Synchronfassung tatsächlich Marianne heißt, der kein Mann im Dorf gewachsen ist. O'Hara gelingt es, abwechselnd als fordernde Frau, biegsame Geliebte und strenge Regelhüterin glaubhaft zu sein – wobei glaubhaft in diesem Film bedeutet, dass alle over the edge spielen; die Figuren sind scharf gezeichnete Karikaturen.

Der Film wurde in sehr familiärer Atmosphäre gedreht. Francis Ford, der ältere Bruder des Regisseurs, ist als bärtiger alter Dorfbewohner zu sehen, der sich dank der Prügelei aus seinem Totenbett erhebt. John Waynes vier Kinder Michael, Mary, Patrick und Melinda treten als Komparsen auf. Maureen O’Haras jüngere Brüder sind ebenfalls im Film anwesend: Charles B. Fitzsimons spielt einen der Kneipenfreunde, James Fitzsimmons den jungen Priester Paul. Barry Fitzgerald spielt den Heiratsvermittler Michaleen, während sein jüngerer Bruder Arthur Shields als protestantischer Pfarrer Playfair zu sehen ist.

John Ford bietet einen unterhaltsamen Schwank mit witzigen Dialogen, schönen Schauplätzen auf der irischen Insel, einer zünftigen Prügelei und einen gut gelaunten John Wayne, der wie immer ist, aber in anderem Kostüm, das, so ungewohnt, ihn zu einem Hingucker macht.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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