IMDB

Plakatmotiv: A Working Man (2025)

Das Beste, was man sagen kann:
Erinnerungen an die Action-80er

Titel A Working Man
(A Working Man)
Drehbuch Sylvester Stallone & David Ayer
nach dem Roman "Levon’s Trade" von Chuck Dixon
Regie David Ayer, UK, USA 2025
Darsteller

Jason Statham, Jason Flemyng, Merab Ninidze, Maximilian Osinski, Cokey Falkow, Michael Peña, David Harbour, Noemi Gonzalez, Arianna Rivas, Isla Gie, Emmett J. Scanlan, Eve Mauro, Kristina Poli, Andrej Kaminsky, Greg Kolpakchi, Piotr Witkowski, Chidi Ajufo, Ricky Champ, Max Croes, Kenneth Collard, Richard Heap, Joanna DeLane, Muki Zubis u.a.

Genre Action
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
26. März 2025
Inhalt

Levon Cade ist ein ehemaliger Soldat der Royal Marines, mittlerweile arbeitet er auf einer Baustelle in Chicago. Nachdem Jenny Garcia, die Tochter seines Bosses Joe, entführt wird, macht sich Cade auf die Suche nach ihr.

Es stellt sich heraus, dass sie einem von Dimi Kolisnyk geleiteten russischen Menschenhändlerring in die Hände gefallen ist. Cade nutzt seine militärischen Fähigkeiten, um Jenny zu befreien. Dabei kommt er einer Verschwörung auf die Spur …

Was zu sagen wäre

Herrlich! Man kann es sich einfach machen und so einen Spruch aus den 90ern bringen wie Hey, die 80er Jahre haben angerufen. Die hätten gerne ihren Actionfilm zurück!

Denn es ist alles vorhanden: „Ich habe meiner Heimat Großbritannien 22 Jahre lang gedient. Und das macht mich jetzt zum Bösewicht?“ Der Held ist einsam, wohnt in seinem Auto, hat eine lange Militärvergangenheit und kann Prügel austeilen. Sein emotionaler Hintergrund ist eine kleine Tochter, aufgeweckt, altklug, aber süß – so eine, bei der man es im Kinosessel den Gangstern persönlich übel nähme, würde ihr ein Haar gekrümmt. Es gibt brutale Handlanger eines irren Bosses, die auch vor Schießereien in aller Öffentlichkeit nicht zurückschrecken – dabei aber immer daneben schießen; anders als unser einsamer Held. Die meisten der Schurken und Killer sind Russen. Wie früher, vor Perestroika – auch so ein 80er-Jahre-Relikt. Im angesagten Club tanzt die Jeunesse Dorée zu "Born to be alive", einem Disco-Hit aus den, huch, 70ern. Und das Drehbuch hat Sylvester Stallone geschrieben, Action-Ikone der, genau, 80er Jahre (Rambo: Last Blood – 2019; Rocky Balboa – 2006; Demolition Man – 1993; Cliffhanger – 1993; Die City-Cobra – 1986; Rambo – 1982; Nachtfalken – 1981; Rocky – 1976).

Wenn man das alles weiß und trotzdem Geld für diese Kinokarte ausgegeben hat, hofft man in einem solchen Film ja vielleicht auf wenigstens nostalgischen Spaß. Hat man den?

Nun ja. Der Held ist eine coole Type. Wenn seine Tochter klagt: „Ich bin sauer auf Mom. Weil sie tot ist und uns verlassen hat“, dann kräuselt er die Stirn und tröstet „Schon okay. Mir tut's auch weh.“ Das muss dann als Gefühlsausbruch für diesen Film reichen. Schließlich ist das hier ein Film mit Jason Statham, der sehr unterhaltsam sein kann auch ohne shakespearsche Dramatik (The Beekeeper – 2023; Meg 2 – Die Tiefe – 2023; Fast & Furious 10 – 2023); Fast & Furious 9 – 2021; Cash Truck – 2021; Fast & Furious: Hobbs & Shaw – 2019; Meg – 2018; The Fast & the Furious 8 – 2017; The Mechanic: Resurrection – 2016; Spy: Susan Cooper Undercover – 2015; Homefront – 2013; Parker – 2013; The Expendables 2 – 2012; Killer Elite – 2011; The Mechanic – 2011; The Expendables – 2010; Transporter 3 – 2008; Crank – 2006; Transporter – The Mission – 2005; Crank – 2006; Collateral – 2004; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; The Transporter – 2002; Ghosts of Mars – 2001; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Bube Dame König grAS – 1998). Die Leute in seinem Bautrupp mögen den Helden alle. Wenn er sagt, sie müssten heute doppelt so hart ran, dann winke auch ein Bonus, klatschen sie sich zufrieden ab und gehen dreifach so hart ran.

Trotz seiner wahrscheinlich hochdekorierten Militärvergangenheit hat der Mann so wenig Geld, dass er im Auto schläft. Gleichzeitig aber verfügt er über zehntausende von Dollar, mit denen er High-Tech-Equipment kauft, teure Autos und Motorräder mietet und Drogendeals einfädelt, über die er an Hintermänner herankommen will, die junge Frauen entführen, um sie an geile alte Säcke für deren privates Vergnügen zu verschachern. Er hat Kontakt zu einem alten Kumpel, der jetzt bei der Chicagoer Polizei arbeitet – aber der Rest der Polizisten steht auf der Lohnliste der bösen Russen. Die, und das ist nun doch 21.-Jahrhundert-Streaming-Style, einer Geheimen Bruderschaft ehrenwerter Arschlöcher angehören, denen Jason Statham bei Bedarf auch in Fortsetzungen noch auf die Rübe geben könnte. Das ist nicht auszuschließen. "A working Man" hat plusminus 40 Millionen Dollar gekostet, weltweit aber rentable 90 Millionen Dollar Plus eingesammelt.

Stallone hat sich mit seinem Drehbuch keine Mühe gegeben. Die Story ist nie überraschend, die Charaktere allesamt Klischeefiguren ohne zweite Ebene, der Held nie in ernster Gefahr, er marschiert durch die Schurkenriege wie ein Ego-Shooter, bei dem man den Schwierigkeitsgrad auf null gestellt hat. Der Comic Relief, in den 80ern fester Bestandteil der Actionfilme, ist nicht vorgesehen, kommt aber durch alberne Killer in noch alberneren Anzügen („Das ist High Fashion!“) unfreiwillig oft zum Tragen. Sehr dick wird das Drehbuch ohnehin nicht gewesen sein, weil ungefähr auf jeder dritten Seite einfach sowas wie Und dann schießen/prügeln/jagen sie steht. Auftritt David Ayer, Regisseur mit Jason-Statham- und Action-Erfahrung (The Beekeeper – 2024; Suicide Squad – 2016; Herz aus Stahl – 2014; Sabotage – 2014). Der ist offensichtlich mit der simplen Dramaturgie und den nicht weiter erklärten Wendungen im Script nicht zurecht gekommen und hat, damit einzelne Mängel nicht so auffallen, den ganzen Film verschnitten. In den Actionszenen erkennt man kaum, was passiert, weil immer schon wieder auf eine andere Kameraperspektive umgeschnitten ist. In halbwegs für das Verständnis der Geschichte wichtigen Dialogen ist nicht immer klar, wer mit wem spricht, weil die Blickrichtungen der Protagonisten ins Leere weisen.

Mit diesem Film haben ein paar Produzenten, zu denen neben anderen und Stallone auch Jason Statham selbst gehört, den schnellen Dollar machen wollen. Den haben sie bekommen. Ihr Film vegetiert noch eine Weile als Objekt der Begierde für Jungs durch die Welt, die nachts um drei das Bier noch nicht leer haben und also, um das noch wegzuballern, was brauchen, wo geballert wird.

Wertung: 2 von 8 €uro
IMDB