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Plakatmotiv: The Transporter (2002)

Ein Action-Comic
als rasantes Ballet

Titel The Transporter
(The Transporter)
Drehbuch Luc Besson & Robert Mark Kamen
Regie Louis Leterrier, Fr., USA 2002
Darsteller

Jason Statham, Qi Shu, François Berléand, Matt Schulze, Ric Young, Doug Rand, Didier Saint Melin, Tonio Descanvelle, Laurent Desponds, Matthieu Albertini, Vincent Nemeth, Jean-Yves Bilien, Jean-Marie Paris, Adrian Dearnell, Alfred Lot u.a.

Genre Action
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
8. Mai 2003
Inhalt

Frank Martin ist ein Auftragskurier, der routiniert und präzise arbeitend und ohne Fragen zu stellen, Pakete jeglicher Art transportiert und zustellt. Das sind mal ein paar Bankräuber, für die er den Fluchtwagen fährt, oder ein Koffer hochbrisanten Inhalts. Dabei gelten für ihn drei goldene Regeln: 
1.: Ein Vertrag wird, nachdem er einmal ausgehandelt wurde, nachträglich weder geändert oder nachverhandelt, geliefert wird pünktlich und ohne Fragen. 
2.: Keine Namen. 
3.: Kein Paket darf jemals geöffnet werden.
Aber.

Bei einem seiner Aufträge kommt Frank nicht drumrum, das Paket zu öffnen, denn der in der Tasche befindlichen Asiatin bekommt die Fahrt im Kofferraum überhaupt nicht gut. Aber wenn Regeln gebrochen werden, gerät gleich alles aus den Fugen und so hat der Transporter sofort seine Auftraggeber auf dem Hals, die ihn in Mitwisserschaft aus dem Weg räumen wollen. Als er nur knapp einen Anschlag auf sein Domizil überlebt, weiß sich der ehemalige Elitesoldat zu wehren und schlägt zurück …

Was zu sagen wäre

Der Fluchtfahrer  ist der Geheimtipp unter den Drehbuchautoren für Actionfilme. Seit Walter Hills Driver (1978) allerdings ist der Geheimtipp nicht mehr ganz so geheim. Der Fahrer des Fluchtfahrzeugs ist nicht für die unübersichtlichen Schießereien, nicht für Explosionen verantwortlich. Der Fahrer des Fluchtfahrzeugs muss reaktionsschnell sein, muss in vollem Tempo 90-Gradkurven fahren und seinen Verfolgern immer fünfzig meter voraus sein. Für die Filmemacher heißt das: Der Fahrer ist für die Rasanz des Films verantwortlich. Explosionen und Schießereien können packend sein, rasante Fahrkünste, wie zum Beispiel in John Frankenheimers Ronin (1998), aber pressen Dich in den Kinosessel. Luc Besson weiß das. Natürlich. Wenn es um visuellen Rausch geht, gehört Besson, der hier als Autor und Produzent in Erscheinung tritt, zu den Kreativen (Johanna von Orleans – 1999; Das fünfte Element – 1997; Léon: Der Profi – 1994; "Nikita" – 1990; "Im Rausch der Tiefe" – 1988; Subway – 1985).

Nicht, dass Besson jede seiner Szenarien neu erfindet. Er kopiert auch gut. LKW-gegen-Auto-Stunts hat es ja schon ein paar Mal gegeben, Autos durch enge französische Gassen hat auch, wie gesagt, John Frankenheimer schon sehr effizient gemacht. Besson beherrscht die Kunst, die gefilmte Realität der Originale in gefilmte Comics zu verwandeln, in denen dann auch das möglich ist, was in der Realität als großer Blechschaden an der Hauswand kleben würde. Das meiste davon realisiert er am Schneidetisch; nicht etwa mit CGI oder plumpen Modellen, sondern mit vielen Kamerapositionen, aus deren Ergebnissen er dann im Schneideraum pures Adrenalin schneidet.

Dazu präsentiert er eine Geschichte, die über den Status Comic nicht hinaus will. Realität? Nicht doch. Da explodiert kunstvoll ein exponiertes Haus an der Côte d'Azur und da ist nicht drei Minuten später das SEK vor Ort? Statt dessen befragt nachmittags ein charmanter Provinzkommissar den Besitzer des Hauses, ob der was zur Aufklärung beitragen könne? Im Jahr 2002? Der Besitzer des Hauses ist auf dem Papier ein ehemaliger Elitesoldat des Special Air Service, der an der schönen Côte d'Azur seinen Lebensabend verbringt, in Wahrheit aber Kurierfahrten für Killer, Drogenbarone und Menschenhändler unternimmt. Dieser Held ist kein netter Mensch. Eine Polizeistreife, die sein vorübergehend herrenloses Auto am Rand der Landstraße überprüft, ist kurz darauf tot, Motto: blöd gelaufen für die Flics, die nur ihre Arbeit gemacht haben, für den Verlauf des Films aber überhaupt keine Rolle spielen – im Spannungsaufbau waren die beiden nur nötig, um eine Szene zu haben, in der der Transporter zeigen kann, was er so körperlich draufhat: mit gefesselter Frau auf der Schulter setzt er zwei Motorrad-Polizisten außer Gefecht. Heißt: Der kann mehr, als nur fahren. aus diesem Mehr als nur fahren können besteht der Rest des Films.

Diesen smarten Driver spielt Jason Statham, der noch 1990 für England als Turmspringer bei internationalen Wettkämpfen angetreten ist, seither aber eine Liebe zur Aktion vor der Kamera entwickelt hat (Ghosts of Mars – 2001; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Bube Dame König grAS – 1998). Statham ist ein überzeugender Actionheld aus der Bruce-Die-Hard-Willis-Klasse. Athletisch trainiert, aber kein breitschultriger Schwarzenegger-Typ, und so interessiert an brutaler Action wie der New Yorker Cop John McClane, dem regelmäßig sein Weihnachtsfest versaut wird. Statham und Regisseur Leterrier inszenieren einen großen Ball der Action und erreichen in einer groß angelegten Prügelei, in der es der Transporter mit Dutzenden Schlägern aufnimmt, mühelos das humorig slapstickartige Jackie-Chan-Niveau.

Regisseur Louis Leterrier inszeniert ein rasantes Ballet der Gewalt, elegant geschnitten zu jeweils eingespielten Musik, mit Augenzwinkern geprügelt, mit fröhlichen Onelinern untermalt. Der Auto-Saulus (der zwei Flics hat drauf gehen lassen) mendelt sich zum Paulus, weil ihn doch irgendwie das schlechte Gewissen – und der Zauber der attraktiven Asiatin – treibt. Der französische Provinz-Inspector hat genügend US-Filme gesehen und gelernt, dass man als verantwortlicher Cop auch mal die Profis vor lassen muss, deren Leichen man hinterher charmant entfernt. Und die Schurken sind derart diabolisch unmenschlich, dass jede Gewalt gegen deren Person im Kinosessel ab-so-lut gerechtfertigt erscheint.

Das Kino des Franzosen Luc Besson funktioniert über diese Reize. Es ist unsere Aufgabe im Kinosessel, uns diesen nicht unreflektiert auszuliefern, sondern uns an so einem Action-Ballet zu erfreuen, wie wir uns früher an "Rick Masters"-, oder "Mick Tanguy"-Comics erfreut haben. Die mussten sich mit ihren gezeichneten Abenteuern ja auch nicht an der Realität messen. Auf diesem Niveau funktioniert auch "The Transporter".

Wertung: 4 von 6 €uro
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