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Plakatmotiv: Die nackte Kanone (2025)

Launige Schmunzel-Reminiszenz
an die besseren 90er Jahre

Titel Die nackte Kanone
(The Naked Gun)
Drehbuch Dan Gregor & Doug Mand & Akiva Schaffer
nach der TV-Serie "Police Quad" von Jim Abrahams & David Zucker & Jerry Zucker
Regie Akiva Schaffer, USA, Kanada 2025
Darsteller

Liam Neeson, Pamela Anderson, Paul Walter Hauser, Danny Huston, CCH Pounder, Kevin Durand, Liza Koshy, Eddie Yu, Michael Beasley, Moses Jones, Chase Steven Anderson, Cody Rhodes, Busta Rhymes, Eddie DuPriest, Carl Gilliard, Elliott Grey, Wilbur Fitzgerald, Jon Anik u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 85 Minuten
Deutschlandstart
31. Juli 2025
Inhalt

Lt. Frank Drebin Jr. ist der Einzige, der das nötige Talent zum Chaos mitbringt, um die Spezialeinheit der Polizei zu leiten und die Welt zu retten. Nach einem Banküberfall, der als Ablenkung zum Diebstahl des sogenannten "P.L.O.T. Device" dient, wird Drebin von Chief Davis wegen seiner unkonventionellen Methoden suspendiert.

Während er dem Tod des Softwareingenieurs Simon Davenport nachgeht, begegnet er dessen Schwester Beth, einer Autorin für True Crime Podcasts, und stößt auf den zwielichtigen Tech-Milliardär Richard Cane. Cane plant, mit dem gestohlenen Gerät die Menschheit zu manipulieren.

Drebin und Beth geraten in eine gefährliche Verkettung von Ermittlungen, chaotischen Verfolgungsjagden und absurden Zwischenfällen. Am Ende müssen sie Cane stoppen, bevor die Stadt im völligen Chaos versinkt – und Drebin erhält dabei unerwartete Hilfe …

Was zu sagen wäre

Ein Untoter geht um auf den Kinoleinwänden der westlichen Hemisphäre: der Humor der 90er jähren des vergangenen Jahrhunderts. In diesem Jahr beißt er gleich zweimal zu, mit Bully Herbigs Manitu-Reboot Das Kanu des Manitu und mit dem Cop der Spezialeinheit, Lt. Frank Drebin, der sogar schon aus den 80er Jahren stammt: Hemmungsloser Klamauk, Pippi-Kaka-Witze und eindeutig zweideutige Dialoge in trockener Beamtensprache.

31 Jahre liegen zwischen dem letzten Teil der Nackte Kanone-Trilogie und diesem Reboot, in dem Liam Neeson die Rolle des Sohns von Lt. Frank Drebin übernimmt, der Mann, der Oskar Schindler spielte, als Teil 33 ⅓ ins Kino kam. Sah der Kinotrailer eher so aus, als zeige er das wenige Gute, was der Film zu bieten hat, macht sich Neeson überraschend gut in dieser Blödelrolle. An ihm liegt es nicht, dass der Film nur in die Geschichte eingeht, weil er halt nach 30 Jahren ein nahezu kultisch verehrtes Franchise wieder aufnimmt.

Die Zeit ist über die Produktion gewalzt. Wir schreiben nicht mehr die Neunziger Jahre und sie kommen auch nicht zurück, wenn wir versuchen, möglichst 1:1 ihre Gags zu reanimieren. Wir kennen die Gagstruktur. Sie hat sich über die Jahre seither verselbstständigt, ist Bestandteil von TV-Sitcoms und Stand-Ups geworden, ist in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen – „Zigarette?“ „Ja, ich weiß.“ – und wenn wir dann die entscheidende Millisekunde vorher schon wissen Jetzt kommt dieser Gag, dann hat Regisseur Akiva Schaffer das Timing versaut – und damit den Witz.

Das Witz-Feuerwerk der Nackten Kanone bestand auch aus Pups-Witzen. Unvergessen die Szene, als Drebin mit eingeschaltetem TV-Mikro am Revers die Urinale der Herrentoilette aufsucht; Jane Spencer steigt auf eine Leiter, die Kamera zeigt ihre nackten Waden und den Saum ihres Kleids, Drebin blickt ihr von unten nach, sagt „Toller Pelz.“ Sie erwidert: „Ja, aber er muss kräftig gebürstet werden.“ Im nächsten Moment kommt sie mit einem flauschigen Teddybär die Leiter wieder herunter.

Bei Akiva Schaffer gibt es vergleichbare Dialoge, die so lange kein Ende nehmen, bis auch der Bekiffte in Reihe 3, der auf seinem Handy daddelt, die Doppeldeutigkeit verstanden hat. Der flauschige Teddybär löst die Szene dann nicht mehr auf. Wenn Drebin Jr. heute Pamela Anderson (Baywatch – 2017; Scary Movie 3 – 2003; Barb Wire – 1996) in seinem Büro in schiefe, den Gag laut einläutendem Deutsch anbietet „Nehmen Sie sich einen Stuhl“, sagt sie „Ich habe schon genug zu Hause“, später schnappt sie sich den Stuhl dennoch und wenn sie das Büro verlässt, bleibt die Kamera sekundenlang abwechselnd bei ihr und dem verdutzten Gesicht von Drebin. Die Zucker-Abrahams-Zucker-Klassiker (ZAZ) überspielten solche Gags durch nicht weiter Beachten des Grotesken. Plakatmotiv: Die nackte Kanone (2025) Die Filme der Nackten Kanone-Trilogie waren schamlos krachende, präzise geschnittene Lacher-Maschinen. Da musste man nicht verdruckst in die Hand vor dem Mund kichern. Man durfte und sollte explodieren, grölen vor Lachen. Darauf hatten die ZAZ mit ihrem millisekundengenauem Timing allerhöchsten Wert gelegt. Akiva Schaffer gelingt das nicht, er traut sich nicht, zu kürzen. Der oben zitierte Zigaretten-Dialog aus 33 ⅓, der sich in Abwandlungen durch alle Filme der Reihe zieht, geht im neuesten so: Oberschurke Richard Cane: „Zigarre?“ Drebin: „Ja, sieht so aus.“ Cane irritiert: „Ich wollte nur wissen, ob Sie eine wollen.“ Ein Witz, den man erklären muss, ist ein toter Witz. Dagegen in Teil 1: Schurke Vincent Ludwig, mit einer Zigarrenkiste in der Hand: „Kubaner?“ Drebin: „Äh, nein, Halb-Ire. Mein Vater stammt aus Wales.

Es ist natürlich nicht alles schlecht in diesem Film. Schmunzelmomente gibt es. Drebin Jr., der unentwegt Kaffee im Pappbecher gereicht bekommt, selbst durchs Autofenster auf dem Highway, den er gerade entlang fährt. Im Titelvorspann ist der in monströsen Blockbuchstaben gesetzte Filmtitel zu groß für die Leinwand, was den Grafiker hörbar verzweifeln lässt. Vieles ist so, wie man es von damals kennt, nur vorsichtig ins 21. Jahrhundert extrapoliert, so, als würden Schaffer und seine Drehbuchautoren Dan Gregor und Doug Mand so eine Art Nackte-Kanone-Welt aufrecht erhalten. Liam Neesons mächtige Physis lässt ihn glaubhaft ganze Horden von Schlägern verprügeln (Marlowe – 2022; The Marksman – Der Scharfschütze – 2021; Men in Black: International – 2019; Hard Powder – 2019; Widows – Tödliche Witwen – 2018; The Commuter – 2018; The Secret Man – 2017; 96 hours – Taken 3 – 2014; A Million Ways to Die in the West – 2014; Non-Stop – 2014; 96 hours – Taken 2 – 2012; The Dark Knight Rises – 2012; Battleship – 2012; Zorn der Titanen – 2012; Unknown Identity – 2011; 72 Stunden – The Next Three Days – 2010; Das A-Team – Der Film – 2010; Kampf der Titanen – 2010; 96 Hours – 2008; Batman Begins – 2005; Tatsächlich… Liebe – 2003; Gangs of New York – 2002; K-19 – Showdown in der Tiefe – 2002; Das Geisterschloss – 1999; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999; Les Misérables – 1998; Michael Collins – 1996; Rob Roy – 1995; Nell – 1994; Schindlers Liste – 1993; "Der Schein-Heilige" – 1992; Ehemänner und Ehefrauen – 1992; Darkman – 1990; Das Todesspiel – 1988; Suspect – Unter Verdacht – 1987; Mission – 1986; Krull – 1983; Excalibur – 1981).

Die Geschichte, die erzählt wird, ist so monströs, wie es sich für ein 90er-Revival gehört – Moment Mal, seit wann spielte die Geschichte in den Naked Gun-Filmen groß eine Rolle? Eben: Gar nicht! Sie fungierte als die dünne Kette, auf die das Regisseur- und Drehbuchautoren-Trio Jim Abrahams und David und Jerry Zucker Gagperle auf Gagperle reihte. "Die Nackte Kanone" 2025 ist politisch, wichtige Elemente sind ein Killer, der an Elon Musk erinnert und für einen amoralischen Milliardär die Drecksarbeit erledigt, der ein Gerät erfunden hat, das die Menschen in aggressive Primaten verwandelt.

Wie für das Kanu des Manitu gilt auch für die "Nackte Kanone": Es sind aufgebretzelte Gagmaschinen für die Gen Z und Jüngere, die sowas vielleicht noch nicht gesehen haben, in denen wir Boomer in wohliger Erinnerung an Damals wenigstens schmunzeln. Blöd nur, dass "Die Nackte Kanone" nicht aufs brave Schmunzeln zielt.

Wertung: 5 von 8 €uro
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