IMDB

Plakatmotiv: 96 Hours – Taken 3 (2014)

Ein ödes Actiongehopse

Titel 96 Hours – Taken 3
(Taken 3)
Drehbuch Luc Besson & Robert Mark Kamen
Regie Olivier Megaton, Frankreich, USA, Spanien 2014
Darsteller

Liam Neeson, Forest Whitaker, Famke Janssen, Maggie Grace, Dougray Scott, Sam Spruell, Don Harvey, Dylan Bruno, Leland Orser, David Warshofsky, Jon Gries, Jonny Weston, Andrew Borba, Judi Beecher, Andrew Howard u.a.

Genre Action
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
8. Januar 2015
Inhalt

Ex-CIA-Agent und Familienvater Bryan Mills rettete seine Tochter Kim und deren Mutter Lenore bereits zwei Mal aus den bedrohlichsten Situationen. Diesmal muss er sich primär um die eigene Haut kümmern – Mills wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall, dessen Opfer ihm sehr nahe stand.

Der Einzelkämpfer sieht nur eine Möglichkeit, seine Unschuld zu beweisen: Er muss den Killer selbst ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Seine in vielen gefährlichen Missionen geschulten, ebenso besonderen wie tödlichen Fähigkeit setzt Mills aber nicht nur für die Jagd ein, sondern auch, um sich die Polizei vom Hals zu halten.

Diese fahndet mit allen Mitteln nach dem früheren Spion, angeführt von dem hartnäckigen Polizeiinspektor Franck Dotzler …

Was zu sagen wäre

Filme wie dieser hier werden gedreht, um Filmstudenten im dritten Semester, wenn sie so richtig heiß sind, ihr erstes Actionballet zu inszenieren, zu zeigen, was man alles falsch machen kann. Für die Produzenten solcher Lehrfilme muss das kein Verlustgeschäft sein. Immerhin stehen den Produktionskosten von 48 Millionen  US-Dollar weltweite Einnahmen von 326 Millionen US-Dollar gegenüber. Erste Lektion an die Studenten: Erfolg an der Kinokasse sagt noch nichts über die handwerkliche Qualität des Films aus.

Plakatmotiv: 96 Hours – Taken 3 (2014)Dieser zweite Aufguss ist eine Beleidigung des Zuschauers, dem Esprit, Geist und Cleverness abgesprochen wird. Da töten also ein paar Typen die Ex-Frau des ehemaligen CIA-Profis. Die beiden hatten ein unklares, weil sehr freundschaftliches Scheidungsverhältnis, wiewohl sie neu verheiratet ist. Nun liegt sie mit durchschnittener Kehle in seiner Wohnung und er hat das dazugehörige Messer in der Hand, als die Cops zur Tür reinstürmen. Klar, es spricht einiges gegen den Mann. Aber wir sind doch nicht in den 90ern, als jeder Polizist in jedem Film automatisch unfähig und korrupt war. Früher mussten die zu Unrecht verdächtigten Protagonisten einen zwingenden Grund haben, weswegen sie auf keinen Fall die Polizei zu Hilfe rufen durften. Bryan Mills braucht so einen Grund nicht. Er hält die Polizei einfach per se für blöd und macht sich auf eigene Aufklärungsmission.

Nun fliegen Autos durch die Luft, Polizisten werden verprügelt, Highways in Schrottplätze verwandelt, Passanten durch umherfliegende Geschosse in Lebensgefahr gebracht; da könnte man mindestens einen Straftatbestand wie verschärfter Widerstand gegen die Staatsgewalt draus stricken oder fahrlässige Gefährdung von Menschenleben. In diesem Film: keine Spur von nichts. Der ermittelnde Cop ist sich eigentlich, ihn spielt schließlich der wonnige Forest Whitaker, gleich sicher, dass der Verdächtigte unschuldig ist und lässt ihm lange Leine.

Regisseur Olivier Megaton (Colombiana – 2011; Transporter 3 – 2008), der auch schon den Vorgänger nicht besser gemacht hat, macht aus dieser langen Leine eine endlose Abfolge von kruder, zerschnittener Action ohne Taktgefühl, ohne Gespür für Timing, geschweige denn für Dramaturgie. Allerdings wäre Dramaturgie auch unbrauchbar, wo keine stringente Story vorhanden ist. Die Kriminalgeschichte, die den Hintergrund all der Schießereien und Karambolagen bildet, meldet sich in der zweiten Hälfte des Films zum Dienst und erzählt dann eine Vorabendserienverschwörung mit Lebensversicherungen und einem fehl geschlagenen Deal, der den neuen Mann der Ex-Gattin des Ex-CIA-Mannes Millionen und seinen Buchhalter gekostet hat. By the way: Und ich soll wirklich glauben, dass Bryan Mills, der Ex-CIA-Mann, der noch in Teil zwei jedem Lover seiner Tochter hinterher recherchiert hat, diesen neuen Ehemann seiner Ex-Frau nicht überprüft und also nicht festgestellt haben soll, dass der in dunkle Kanäle investiert? Aber das ist wohl zu spitzfindig gedacht bei einem platten Stück Film wie diesem.

Dass Liam Neeson nach vielen Jahren in Rollen staatstragender historischer Heroen (A Million Ways to Die in the West – 2014; Non-Stop – 2014; 96 hours – Taken 2 – 2012; The Dark Knight Rises – 2012; Battleship – 2012; Zorn der Titanen – 2012; Unknown Identity – 2011; 72 Stunden – The Next Three Days – 2010; Das A-Team – Der Film – 2010; Kampf der Titanen – 2010; 96 Hours – 2008; Batman Begins – 2005; Tatsächlich… Liebe – 2003; Gangs of New York – 2002; K-19 – Showdown in der Tiefe – 2002; Das Geisterschloss – 1999; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999; Les Misérables – 1998; Michael Collins – 1996; "Rob Roy" – 1995; Nell – 1994; Schindlers Liste – 1993; Ehemänner und Ehefrauen – 1992; Darkman – 1990; Das Todesspiel – 1988; Suspect – Unter Verdacht – 1987; Mission – 1986; Krull – 1983; Excalibur – 1981). Jetzt müsste er sich bloß noch die richtigen Figuren aussuchen. Dieser Familienvater und Ex-CIAler hatte sich schon in Teil 2 müde gelaufen.

Aber immerhin hat die blonde Tochter Kim, die sich in den beiden Vorgängerfilmen stets so blond-dusselig wie möglich angestellt hat dazugelernt und weiß sich jetzt in dieser harten Welt da draußen zubehaupten – jetzt, wo laut Kinoplakat „alles endet“.

Wertung: 1 von 8 €uro
IMDB