Die Geschäfte von Privatdetektiv Philip Marlowe laufen schlecht, als die glamouröse Erbin Clare Cavendish mit ihrem Antlitz sein heruntergekommenes Büro erhellt. Sie hat einen Auftrag für Marlowe. Ihr Liebhaber Nico Peterson ist spurlos verschwunden und der Privatdetektiv soll ihn wieder finden.
Wie sich herausstellt, wurde Nico angeblich tot vor den Toren eines exklusiven Clubs gefunden. Der nahezu unkenntliche Leichnam wurde rasch verbrannt; die Polizei scheint die Sache als Unfall mit Fahrerflucht ad acta legen zu wollen. Aber Clare ist überzeugt, dass ihr Freund noch lebt.
So recherchiert Marlowe wie besessen weiter und kommt einer mächtigen und sehr reichen Familie auf die Spur, die vor nichts zurückschreckt …
Dieser Film beruht nicht auf einem Roman von Raymond Chandler, dem Erfinder des Privatdetektivs Philip Marlowe. Dieser Film von Neil Jordan ("Die Fremde in dir" – 2007; Michael Collins – 1996; "Interview mit einem Vampir" – 1994; "The Crying Game" – 1992; Mona Lisa – 1986) basiert auf einem Roman von John Banville, den er unter dem Pseudonym Benjamin Black veröffentlichte. Und warum Neil Jordan aus einem augenscheinlichen Versuch eines Verlages, aus der Marlowe-Figur noch etwas Geld zu pressen, auch noch einen Film gemacht hat, lässt der Film selbst offen.
War es die Lust, in 1930er-Jahre-Dekors zu schwelgen mit riesigen Autos mit gewölbten Kotflügeln und neonbunten Art-Deco-Schriftzügen? Unklar. Die Handlung kann es nicht gewesen sein, die ist weder aufregend noch originell: ein schliffiger Privatdetektiv, eine attraktive Auftraggeberin mit geheimnisvollem Gehabe und am Ende hängen die Oberen 1.000 der Stadt in einer Verschwörung mit vielen Toten. Und keiner sagt die Wahrheit. Und der Fall eines verschwundenen Liebhabers der Auftraggeberin ist so durchsichtig wie verbranntes Papier.
Dauernd tauchen neue Schurken auf, die Marlowe von dem Moment an ans Leder wollen, in dem er den Auftrag angenommen hat. Drogenbosse, kleine Killer, Mexikaner, ein riesenhafter Chauffeur, ein Nachtclubbesitzer, eine ehemalige Schauspielerin und alle reden furchtbar exaltiert – das kann natürlich an der deutschen Synchronfassung liegen, aber zumindest Diane Kruger (The 355 – 2022; Aus dem Nichts – 2017; Leb wohl, meine Königin! – 2012; Unknown Identity – 2011; Inglourious Basterds – 2009; Troja – 2004) hat offensichtlich den Auftrag gehabt, immer geheimnisvoll zu hauchen und durch halb geschlossene Augenlider zu gucken. Dass die Auftraggeberin immer am meisten Dreck am Stecken hat, das wissen wir aus den Original-Marlowe-Romanen, in denen nie etwas ist, wie es am Anfang behauptet wird.
Der Philip Marlowe, den Raymond Chandler in den 1930er Jahren erfand, war ein zynischer, an der Welt verzweifelter Mann mit moralischen Prinzipien und kriminalistischem Gespür, der für seine Integrität oft genug Prügel einstecken musste. Liam Neeson, der jetzt den Marlowe spielt, hat wenig von all dem, versprüht aber jede Menge Melancholie. Prügel muss er nicht einstecken. Unter Liam Neeson ist Marlowe ein veritabler Schläger (The Marksman – Der Scharfschütze – 2021; Men in Black: International – 2019; Hard Powder – 2019; Widows – Tödliche Witwen – 2018; The Commuter – 2018; The Secret Man – 2017; 96 hours – Taken 3 – 2014; A Million Ways to Die in the West – 2014; Non-Stop – 2014; 96 hours – Taken 2 – 2012; The Dark Knight Rises – 2012; Battleship – 2012; Zorn der Titanen – 2012; "The Grey – Unter Wölfen" – 2011; Unknown Identity – 2011; 72 Stunden – The Next Three Days – 2010; Das A-Team – Der Film – 2010; Kampf der Titanen – 2010; 96 Hours – 2008; Batman Begins – 2005; Tatsächlich… Liebe – 2003; Gangs of New York – 2002; K-19 – Showdown in der Tiefe – 2002; Das Geisterschloss – 1999; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999; Les Misérables – 1998; Michael Collins – 1996; Rob Roy – 1995; Nell – 1994; Schindlers Liste – 1993; Ehemänner und Ehefrauen – 1992; Darkman – 1990; Das Todesspiel – 1988; Suspect – Unter Verdacht – 1987; "Auf den Schwingen des Todes" – 1987; Mission – 1986; Krull – 1983; Excalibur – 1981).
Gar nicht verfügt dieser Philip Marlowe über die moralische Integrität des Originals, die so unbedingt zu dieser Romanfigur gehört, wie sein Trenchcoat und der Hut. Im vorliegenden Film lässt er Mörder laufen oder sieht zu, wie jemand brutal erschossen wird und lächelt dazu freundlich. unter seinen ehemaligen Kollegen bei der Polizei hat er hilfsbereite Kumpel, die ihn gerne mal einen blick in die Akten werfen lassen, solange er sie nicht in echte Polizeiarbeit reinzieht. Marlowe war immer in der Halbwelt unterwegs, sprach mit Huren und Abgeordneten, Gamblern und Croupiers und selten waren die Geschichten, in die er hinein geriet, appetitlich. Aber das war in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Im Jahr 2022 überrascht es niemanden sonderlich, wenn ein Nachtclubbesitzer heimlich ein Bordell für die Upper Class betreibt und mit Koks versorgt. Das ist das Dilemma einer Industrie, die sich von Wiederholungen und Fortsetzungen ihr wirtschaftliches Heil verspricht, anstatt Filme zu produzieren, die in der Welt spielen, in der wir leben.
Der Marlowe des 21. Jahrhunderts ist im Grunde genauso ein Arschloch wie all die anderen, die er früher immer hat auffliegen lassen. Heute klärt er seinen Fall und wer das überlebt, darf seiner Wege gehen, ohne dass die Handschellen klicken.
