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Plakatmotiv: Jack Snyder's Justice League (2021)

Ehrenrettung einer
Film-Katastrophe

Titel Zack Snyder's Justice League
(Zack Snyder's Justice League)
Drehbuch Chris Terrio & Zack Snyder & Will Beall
nach den Comics von Gardner Fox (Justice League), Jerry Siegel und Joe Shuster (Superman), Bob Kane + Bill Finger (Batman), William Moulton Marston (Wonder Woman) und Jack Kirby (Fourth World)
Regie Zack Snyder, USA 2021
Darsteller

Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot, Amy Adams, Ezra Miller, Jason Momoa, Ray Fisher, Jeremy Irons, Diane Lane, Connie Nielsen, J.K. Simmons, Ciarán Hinds, Amber Heard, Joe Morton, Lisa Loven Kongsli u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 242 Minuten
Deutschlandstart
18. März 2021 (Streaming-Premiere)
Website snydercut.com
Inhalt

Nach dem Tod Supermans trauert die ganze Welt um ihn. Auf der Insel der Amazonen haben die Frauen andere Sorgen: Steppenwolf kehrt zur Erde zurück und im Schlepptau hat er eine Armee aus Paradämonen.

Steppenwolf hatte bereits vor tausenden von Jahren versucht, die Welt zu erobern, war damals jedoch von einer Allianz bestehend aus Olympischen Göttern, Amazonen, Menschen, Atlanten und Green Lanterns besiegt worden. Um seine Rückkehr zu verhindern waren damals drei Mutterboxen auf der Erde verstreut worden und jeweils eine in die Hände der Amazonen, der Atlanten und der Menschen gegeben worden. Nur mit ihrer vereinten Kraft wäre es Steppenwolf möglich, die Erde zu erobern.

Steppenwolf gelingt es, die Mutterboxen der Amazonen und der Atlanten in seine Gewalt zu bringen. Nur die Mutterbox der Menschen, welche mittlerweile von der Organisation S.T.A.R. Labs bewacht wird, ist für ihn nicht auffindbar.

Gleichzeitig versucht Batman ein Team aus Superhelden zusammenrufen, um Steppenwolf abermals zu besiegen. Er rekrutiert nacheinander Wonder Woman, The Flash, Aquaman und schließlich Cyborg. Gemeinsam schaffen sie es, die letzte Mutterbox zu finden. Batman entscheidet sich dazu, die Energie der Mutterbox zu einer Wiederbelebung Supermans zu verwenden.

Die Wiederbelebung ist ein Erfolg, jedoch kann sich Superman an nichts erinnern. Er attackiert Batman und dieser kann sich gerade noch retten, in dem er Supermans Freundin Lois Lane einschaltet. Mit ihrter Hilfe kommen Supermans Erinnerungen langsam wieder zurück. Damit er sich ganz erholt, ziehen sich er und Lois in ihr ehemaliges Haus auf dem Land zurück.

Damit ist die letzte Mutterbox unbewacht. Steppenwolf greift sie sich und kann nun deren gesamte Energie nutzen …

Was zu sagen wäre

Es handelt sich bei diesem Film um denselben, der schon 2017 in die Kinos gekommen ist. Und auch nicht. Hier kommt der Director's Cut dieses damals vollkommen verhunzt in den Kinos laufenden Films, Fans nennen ihn liebevoll SnydersCut. Er ist besser, klarer und spannender als die alte Fassung. Immer noch nicht gut, aber wenigstens stringent.

Die Produktionsgeschichte der 2017er Fassung, der Werdegang dieser 2021er Fassung ist lang, widersprüchlich und was genau stimmt, wissen nur die Beteiligten. Als der Film damals produziert wurde, wurden die Chefs des Warner-Bros.-Studios bald nervös, nachdem in den Kinos parallel zu den Dreharbeiten der erste Wonder Woman angelaufen war und ein durchschlagender Erfolg wurde. Er war spannend, actionreich, witzig, originell und, trotz dramatischer Geschehnisse, optimistisch. Zack Snyders Justice-League-Film hingegen geriet ähnlich düster, wie die Vorgänger Man of Steel (2013) und Batman V Superman: Dawn of Justice (2016). Das war schon damals nicht gut angekommen, jetzt, nach dem Wonder-Woman-Erfolg machte es die Chefs nervös. Sie forderten deutlich weniger Düster. Als Snyder die Dreharbeiten nahezu abgeschlossen hatte, starb seine Adoptivtochter. Snyder und seine Frau, die als Co-Produzentin an dem Film beteiligt war, zogen sich aus dem Projekt zurück. Geholt wurde Joss Whedon, der bei den Konkurrenten von MARVEL mit The Avengers und Avengers: Age of Ultron gezeigt hatte, dass er Superheldenteams dirigieren kann. Anstatt nur zu Ende zu drehen und den Film dann zu schneiden und zu vertonen, drehte Whedon ganz viel neu und nach. Und irgendwann war der Film das langweilige Produkt, dass wir im Kino zu sehen bekamen.

Jetzt, vier Jahre später – und später ist man ja immer schlauer – fragt man sich, ob da bei Warner Bros. nicht damals alle hätten vor Scham im Boden versinken müssen, als mit Wissen aller Beteiligten die Whedon-Fassung veröffentlich wurde. Snyder war mit seiner Fassung auf einen mehr als drei Stunden langen Film zugesteuert. Das lässt sich auch in den Hochzeiten von Superheldenfilmen nur schwer verkaufen. Die Fassung im Kino dauerte dann zwei Stunden. Zack Snyders 2021er Fassung dauert vier Stunden (und zwei Minuten). Im Kino läuft er nicht, dafür auf den Streaminganbietern in einem Bildformat von 4:3, dem alten TV-Format. Das hatte Snyder ursprünglich bewusst gewählt, weil er mit seinem Film auf die sehr großen IMAX-Leinwände strebte, deren Format eher dem 4:3 entspricht. Vier Stunden Film sind lang. Anders als die MARVEL-Filme aber haben die Einzelhelden hier nicht jeder eine Einführung durch eigene Filme bekommen; nur Superman und Wonder Woman hatten sich dem Kinopublikum vorstellen können, Batman war im neuen Zyklus nur mitgelaufen, Aquaman bekam seinen Film erst ein Jahr nach dem Justice-League-Release – Flash, Cyborg, der Marsian Manhunter waren nur den Comiclesern bekannt.

Snyder nutzt die vier Stunden seines Films auch, um die noch Unbekannten genauer einzuführen. Dadurch bekommen auch Bruce Wayne, Diana Prince und Arthur Curry mehr Raum. Prompt bekommen diese Charaktere Herz und Seele, wirken fast ein bisschen menschlich. Aber vor allem stehen Flash und Cyborg nicht so verloren im Film herum, wie in der zerschnittenen Fassung vor vier Jahren. Die Struktur des SnyderCuts atmet noch Snyders nach der 2017-Version geborene Idee, aus dem üppigen Bildmaterial einen Vierteiler fürs Fernsehen zu machen. In sechs Kapiteln erzählt er seine Mammutgeschichte, in der er die Schicksale von Barry Allen und Victor Stone, die zu Flash und Cyborg werden, im zweiten und dritten TV-Teil untergebracht hätte. Entsprechend fehlt dem Film nun eine Spielfilmdramaturgie mit Spannungsbögen und zwischenzeitlichen Höhepunkten. Aber da ist "Zack Snyder's Justice League" in prominenter Gesellschaft all der anderen Superhelden, die seit Jahren in einem ungebremsten Strom die Leinwände fluten, stets irgendwo beginnen und dann wieder irgendwo enden und wieder weitergehen, wenn die Fortsetzung auf die Leinwand spült.

Der Witz, der aus manchen 2017er One-Linern sprühte, ist verschwunden. Snyder legt Wert auf seine düstere Sicht auf die Heldensaga. Batman ist immer noch schlecht gelaunt, Aquaman betont unbeeindruckt, aber kein lieber Brummbärtyp mehr und Barry Allen bezeichnet sich und Cyborg auch nicht mehr als „die Unfälle“ im Team (weil sie keine natürlich erworbenen Kräfte haben, sondern künstlich erzeugte). Die schauspielerischen Aufführungen sind wie ehedem, Gal Gadot ist schön, aber mimisch limitiert. Ben Affleck ist ein elegant gekleideter grau melierter Bruce Wayne, füllt aber das unbewegliche Batman-Kostüm nicht aus. Jeremy Irons bekommt als Alfred mehr Spielfläche, die er dem Zuschauer zur Freude nutzt, um Waynes Butler ein paar scharfe Kanten, weg vom Servilen früherer Interpretationen, zu meißeln. Wärme verbreiten Amy Adams als Lois Lane und Diane Lane als Martha Kent – beides gestandene Schauspielerinnen. Es wird nun deutlich, wie die Mutterboxen helfen, Superman von den Toten zurückzuholen. Steppenwolfs metallene Rüstung ist plötzlich beweglich, sein Gesicht zeigt mehr als einen Ausdruck. Und eine echte Geschichte bekommt er auch endlich.

Die Story als solche ist tatsächlich die alte geblieben. Steppenwolf sucht die drei Mutterboxen, um die Erde zu zerstören. Seine Motivation ist, in die Gunst des Darkseid zurück zu gelangen, den mächtigen Schurken, der die Herrschaft über das Universum anstrebt. Diese Geschichte, die so ähnlich ist wie die bei den Avengers war schon bei denen nicht originell. aber die Helden hatten miteinander mehr Möglichkeit und Spaß. In Zack Snyders Universum bleiben die Helden vom Leben vernarbte, einsame, vaterlose Gesellen, die daran schwer zu beißen haben und die erst durch die Arbeit im Team aneinander und an sich selbst wachsen. Das gibt ein wenig Hoffnung auf mehr Unterhaltung in einer Fortsetzung der Justice League. In den letzten 20 Minuten seines SnyderCut, einer Art Epilog, legt Snyder so viele Fährten aus, dass es für zwei bis drei Fortsetzungen reichen sollte.

Wertung: 4 von 8 €uro
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