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Plakatmotiv: Mars Attacks! (1996)

Eine lustige Welteroberung, dünn erzählt,
ermüdend in der Wiederholung ihrer Gags

Titel Mars Attacks!
(Mars Attacks!)
Drehbuch Jonathan Gems
nach Motiven der Sammelkarten-Geschichten von Len Brown & Woody Gelman & Wally Wood & Bob Powell & Norman Saunders
Regie Tim Burton, USA 1996
Darsteller

Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones, Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Lisa Marie, Sylvia Sidney, Paul Winfield, Pam Grier, Jack Black, Janice Rivera, Ray J, Brandon Hammond, Joe Don Baker, O-Lan Jones, Christina Applegate, Brian Haley, Jerzy Skolimowski, Timi Prulhiere, Barbet Schroeder, Chi Hoang Cai, Tommy Bush, Joseph Maher, Gloria M. Malgarini, Betty Bunch, Gloria Hoffmann, Willie Garson, John Roselius, Michael Reilly Burke, Valerie Wildman, Richard Irving u.a.

Genre Science Fiction, Komödie
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
27. Februar 1997
Inhalt

Die Kleinen Grünen Männchen kommen! Aus den Casinos von Las Vegas quer durch das Herz Amerikas bis ins Allerheiligste des Oval Office, wo sogar der Präsident nur noch machtlos präsidiert. Und obwohl es dank modernster Technik gelingt, die Quäklaute der Marsianer in ein lupenreines „Wir kommen in Frieden“ zu übersetzen, bricht auf der Erde alsbald ein hysterisches Inferno sondergleichen aus.

Kein Wunder, pusten die grünen Besucher mit hinterhältiger Arglist doch mal eben zur Begrüßung den amerikanischen Kongress leer. Und das Schlimmste: Nicht nur stören sie die Präsidentengattin dabei, das Weiße Haus zu renovieren, nein: Wider jedes Wissen warten die Aliens auch nicht auf den Unabhängigkeitstag …

Was zu sagen wäre

Aak, Aak“ oder: „Wir kommen in Frieden“ sagen die großen grünen Köpfe und blastern eine weiße Taube zu Asche. Das erstaunlichste an Tim Burtons Film ist, dass er passgenau im Schlagschatten von Roland Emmerichs Independence Day in den Kinos landet, von diesem aber nach aller Kenntnis produktionstechnischer Abläufe nicht abgekupfert haben kann oder Burton gar den durchschlagenden Kassenerfolg von ID4 nicht dergestalt ahnen konnte, dass er schnell so einen schrillen Krawallfilm über erobernde Außerirdische hätte entwerfen und produzieren können.

Es ist wohl eher so, dass in diesem Zusammenspiel Zufall am Werk ist. Burton hat vor zwei Jahren erst "Ed Wood" (1994) gedreht, die Biografie des Schlechtesten Regisseurs aller Zeiten, und womöglich spukten ihm noch Ideen im Kopf, die er damals nicht verwenden konnte. "Plan 9 from Outer Space" zum Beispiel, Woods SciFi-Horrorfilm aus dem Jahr 1959. Darin nehmen Außerirdische mit der Erde in eigentlich friedlicher Absicht Kontakt auf. Das verstehen die Menschen aber falsch und es gibt mehrere Tote. So ähnlich geht das bei Tim Burton in "Mars Attacks!" auch, nur, dass die friedliebenden Absichten der Aliens hier Eroberungsabsichten verstecken. Und das ist auch ungefähr schon die ganze Story des Films. Konkret ließ sich Burton von Sammelkarten inspirieren, die in seiner Kindheit Kaugummipackungen der Firma Topps beilagen. Aufgrund brutaler Darstellungen wurden die nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen.

Drumherum baut Burton Plattformen, auf denen zeitgenössische Filmstars ihren Auftritt bekommen, die meisten ohne tieferen Zweck für das Drehbuch. Nun ist das Muster des Alien-Invasion-Genres per se nicht abwechslungsreich. Die meisten dieser Filme, so auch Emmerichs und Burtons, variieren H.G. Wells' Krieg der Welten. Und Burton ist als Klamaukfan auf dem Regiestuhl ja bestens eingeführt (Batmans Rückkehr – 1992; Edward mit den Scherenhänden – 1990; Batman – 1989; Beetlejuice – 1988; "Pee-wees irre Abenteuer" – 1985). Er liebt, sagt er, die Science Fiction-Filme der 50er Jahre. Entsprechend sieht sein Film aus.

Während wir nicht erfahren, was genau die Marsianer eigentlich auf der Erde wollen, ergehen sich die vielen Menschen, die auftreten, in allen erdenklichen Dummheiten. Die Marsianer grillen die Menschen einfach weg, irgendeinen Plan, aus Gründen des eigenen Überlebens den Sauerstoff der Erde übernehmen zu wollen, oder eine Anti-Atombombenbotschaft zu platzieren oder das Menschenfleisch für ihr Überleben zu benötigen, oder was sonst in einschlägigen Werken vorgeschoben wird, um ordentlich Raumschiffaction krachen zu lassen, wird nicht enthüllt. Plakatmotiv: Mars Attacks! (1996) Im Gegenteil, Burton variiert in seinem weltumspannenden Katastrophenszenario sein ewiges Thema der Schrecken aus den Suburbs, die sich durch deren Bewohner speisen. In "Mars Attacks!" umfassen die Suburbs das Universum im Allgemeinen und die Erde im Besonderen.

Als Bürgermeister fungiert der Präsident der Vereinigten Staaten, der sich um sein gutes Aussehen und den straffen Auftritt in der Öffentlichkeit kümmert, aber lieber nicht an bösartige Außerirdische glauben will. Jack Nicholson ist natürlich wie gebacken für so eine Rolle (Crossing Guard – 1995; Wolf – Das Tier im Manne – 1994; Eine Frage der Ehre – 1992; Die Spur führt zurück – The two Jakes – 1990; Batman – 1989; Die Hexen von Eastwick – 1987; Sodbrennen – 1986; Die Ehre der Prizzis – 1985; Zeit der Zärtlichkeit – 1983; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Tommy – 1975; Chinatown – 1974; Die Kunst zu lieben – 1971; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963; Kleiner Laden voller Schrecken – 1960), die er mit viel Lust an der Charge ausspielt. Und weil er nicht genug bekommt, spendiert ihm Burton noch einen zweiten Auftritt als Immobilienhai aus Texas, der in Las Vegas ans große Hotelgeld kommen will.

Die First Lady ist dem Präsidenten keine Hilfe, sie kümmert sich lieber um die Inneneinrichtung im Weißen Haus als um ihren Mann. Glenn Close spielt sie als blasierte Königin, die von Unterlingen keinen Widerspruch duldet (101 Dalmatiner – 1996; Mary Reilly – 1996; Schlagzeilen – 1994; Das Geisterhaus – 1993; Hook – 1991; Die Affäre der Sunny von B. – 1990; Gefährliche Liebschaften – 1988; Eine verhängnisvolle Affäre – 1987; "Das Messer" – 1985; Der Unbeugsame – 1984; Der große Frust – 1983; Garp und wie er die Welt sah – 1982). Der Schuldirektor der globalen Suburbs ist hier der Alienwissenschaftler, der auf jede Frage die falsche Antwort hat, von Pierce Brosnan im eleganten Anzug als einer gespielt, der weiß, wie ölig sein Charme ist (James Bond 007: GoldenEye – 1995; Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen – 1993; "Der Rasenmähermann" – 1992).

Und so geht das weiter, in Washington tummelt sich eine Ansammlung von Dummbeuteln – eitle Professoren, geifernde TV-Machos, kriegslüsterne Stabschefs und die endgenervte Präsidententochter, die alle ihre Momente haben, aber keine Story. Die entwickelt sich weit im Westen, in Las Vegas und in der Wüste von Nevada. Ein abgehalfterter Weltmeister im Schwergwichtsboxen mit Familiensehnsucht, eine abgerockte Familie im Trailerpark, der schon erwähnte Baulöwe und die Glitzerbauten der Glücksspielstadt. Solche Figuren sind die wahren Helden im Alien-Invasionskino, alle gespielt von nicht so prominenten Namen, aber erst aus ihnen baut Burton das Gerüst seiner Story. Dass die Invasoren am kleinstädtischen Geist denn auch zugrunde gehen, genau an den Jodlern aus dem Song "Indian Love Call" des US-Countrysängers Slim Whitmans, ist folgerichtig; bei H.G. Wells machen simple irdische Bakterien die Eroberung der Marsianer zunichte.

Eine Entwicklung bei Mensch, Alien oder Welt findet nicht statt, Erkenntnisgewinn – über die Tatsache hinaus, dass die Marsianer keine Countrymusik vertragen – gleich Null. Es dauert, bis der Film auf Touren kommt. Zunächst muss der Regisseur erstmal seine ganzen Topstars einführen. Es ist schön, die Abwandlung auf die naiven Klassiker des Genres als zynischen Blick auf das Wir-sind-die-Supermacht-Nummer-eins-Bewusstsein Washingtoner Provenienz zu erleben, in dem Burton auf einen alten Godzilla-Klassiker zurückgreift: Die Idee, dass die Außerirdischen durch bestimmte Töne besiegt werden, hatte schon Ishiro Honda in Befehl aus dem Dunkel (1965). So bleibt ein überdrehter, ein anarchischer, grotesker Kostümspaß mit unterklassigen SFX, lustigem „Aak, Aak“ mit namhaften Schauspielern, dem frühzeitig der Film ausgeht.

Wertung: 5 von 11 D-Mark
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