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Plakatmotiv: Sodbrennen (1986)

„Wenn Du Monogamie willst,
heirate einen Schwan.

Titel Sodbrennen
(Heartburn)
Drehbuch Nora Ephron
nach ihrem gleichnamigem autobiographischen Roman
Regie Mike Nichols, USA 1986
Darsteller
Meryl Streep, Jack Nicholson, Jeff Daniels, Maureen Stapleton, Stockard Channing, Richard Masur, Catherine O'Hara, Steven Hill, Milos Forman, Mamie Gummer, Karen Akers, Aida Linares, Anna Maria Horsford, Ron McLarty, Kenneth Welsh u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
29. Januar 1987
Inhalt

Zwischen den beiden Journalisten Rachel und Mark funkt es auf einer Hochzeit gewaltig. Schon sehr bald beschließen, auch zu heiraten. Zusammen richten sie sich ein heruntergekommenes Haus nach Washington ein und bekommen ein Baby.

Dann macht Rachel eine schockierende Entdeckung: Mark scheint sie zu betrügen. Noch dazu mit einer ihrer Freundinnen. Sie packt überstürzt ihre Sachen und reist mit ihrer Tochter nach New York zu ihrem Vater – in der Hoffnung, dass Mark sich bei ihr meldet und auf Knien eine Entschuldigung hervorbringt.

Doch als sie abermals schwanger wird, hofft sie sehnsüchtig, dass Mark zu ihr zurückkehrt. Die beiden finden über Umwege wieder zueinander, jedoch ist und bleibt die Beziehung angespannt …

Was zu sagen wäre

Die Geschichte, die Drehbuchautorin Nora Ephron hier aufgeschrieben hat, ist im weitesten Sinne ihre eigene. Die Romavorlage behandelt ihre letztlich gescheiterte Beziehung mit dem Washington-Post-Reporter Carl Bernstein. Muss man das wissen? Es hilft jedenfalls, dem Film ein wenig Sympathie entgegenzubringen.

Unter der eleganten Regie Mike Nichols' ("Silkwood" – 1983; Catch 22 – Der böse Trick – 1970; Die Reifeprüfung – 1967; Wer hat Angst vor Virginia Woolf? – 1966), der seinen beiden Stars lange, ungeschnittene Einstellungen gönnt, erleben wir die Geschichte, die passiert, wenn bei anderen Filmen der Abspann kommt. Liebe auf den ersten Blick, baldige Hochzeit, das gemeinsame Haus, das erste Kind, Entfremdung voneinander, er hat eine Affäre, sie zieht aus.

Meryl Streeps Rolle erinnert ein bisschen an Meryl Streeps Rolle in Robert Betons Kramer gegen Kramer (1979). Damals verließ sie Dustin Hoffman und verschwand für längere Zeit aus dem Film. Diesmal bleibt die Kamera bei ihr und verschwindet Jack Nicholson einige Zeit aus dem Film. Aber wo Dustin Hoffman sich damals zwischen Büro und Haushalt eine Beziehung zum kleinen Sohn aufbaute, sitzt Meryl Streep mit ihrer keinen Tochter Zuhause und lässt Hausmädchen sich um die Tochter kümmern, während sie jammert, telefoniert, Klatsch und Tratsch mit Freundinnen austauscht oder bei einer psychologischen Gruppenbetreuung sitzt.

Meryl Streep spielt ganz famos die Rolle der enttäuschten Frau (Jenseits von Afrika – 1985; Manhattan – 1979; "Die durch die Hölle gehen" – 1978), ich schaue ihr gerne zu, aber ich frage mich zunehmend: Wieso? Wo ist eigentlich das Problem? Ihr Chef, der Zeitungsverleger hält ihr dauerhaft einen Job als Kolumnistin frei, sie wohnt in einem schicken Townhouse in New York, nun gut: die Ehe ist schief gegangen. Where is the Beef? Wenn man den Begriff langweilig für den Film vermeiden möchte, landet man bei "zähflüssig". Nichts geht voran, oder besser: die Ehe springt von Szene zu Szene, die den Fluss der Zeit deutlich machen, aber inhaltlich kaum Zusammenhang haben. So driftet man im Kinosessel durch eine fremde, scheiternde Ehe, die als Filmkomödie mit einer wunderbar lustig erzählten Hochzeit beginnt – weil Rachel im letzten Moment kalte Füße bekommt, zieht sich die Feier, deren Längen Mike Nichols mit smartem Bildschnitt zwischen Braut und zunehmend schläfrigen Gästen verkürzt – und als lahmes Drama landet.

Nora Ephron hat geschrieben und es ist ihr gutes Recht, ihre Haltung zu verdeutlichen und die des Mannes zu reduzieren auf "Affäre" und "Desinteresse". Und im Buch mag das sogar funktionieren, im Film aber geht das dramaturgische Moment flöten. Die Figur des Mark bleibt blass, dauernd sieht man dahinter Jack Nicholson, der versucht, seine diabolischen Grimassen, für die er bekannt ist, zu vermeiden und auf Normalo zu machen, was ihm nicht durchgehend gelingt – aber einem Jack Nicholson schaut man ja auch so gerne mal zu (Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963; Kleiner Laden voller Schrecken – 1960).

Der klügste Satz im Film kommt von Rachels Vater und der fasst das Drama der nur für die beiden Beteiligten nicht überraschungsarmen Nichtigkeit einer gescheiterten Ehe in ihrer ganzen Selbstverständlichkeit zusammen: „Wenn Du Monogamie willst, heirate einen Schwan.“

Wertung: 3 von 7 D-Mark
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