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Plakatmotiv: Beetlejuice – Ein außergewöhnlicher Geist (1988)

Überdrehte Klamotte über durchgeknallte
Typen im Diesseits und im Jenseits 

Titel Beetlejuice
(Beetle Juice)
Drehbuch Michael McDowell & Warren Skaaren & Larry Wilson
Regie Tim Burton, USA 1988
Darsteller

Michael Keaton, Alec Baldwin, Geena Davis, Winona Ryder, Jeffrey Jones, Catherine O'Hara, Glenn Shadix, Sylvia Sidney, Marie Cheatham, Patrice Martinez, Dick Cavett, Susan Kellermann, Adelle Lutz, Annie McEnroe, Maurice Page, Hugo Stanger, Rachel Mittelman, J. Jay Saunders, Mark Ettlinger, Patrice Martinez, Cindy Daly u.a.

Genre Komödie, Fantasy
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
10. November 1988
Inhalt
Barbara und Adam Maitland sind frisch verheiratet. Viel haben sie davon allerdings nicht: Bei einem Autounfall kommen die beiden ums Leben und müssen von nun an für 125 Jahre in ihrem Haus bleiben.
Sobald sie es verlassen wollen, landen sie nicht außerhalb des Hauses, sondern auf dem Saturn, um von einem riesigen Sandwurm verfolgt zu werden. Auch die Behörde für das Leben nach dem Tod kann ihnen nicht weiterhelfen.
Als schließlich eine neue Familie in das Haus einzieht – Delia, Charles und Tochter Lydia – haben die Maitlands keine ruhige Minute mehr. Mit allen Mitteln des Spuks versuchen sie, die Familie aus dem Haus zu jagen. Dafür rufen sie den Poltergeist Beetlejuice um Hilfe, der immer dann kommt, wenn man seinen Namen dreimal ausspricht und durch dasselbe Ritual wieder verschwindet.
Doch Beetlejuice schreckt vor nichts zurück und bald müssen die Maitlands alles daran setzen, um ihn wieder loszuwerden …
Was zu sagen wäre

Schon Stephen King wusste: Der große Horror liegt in der Kleinstadt. Bei Tim Burton, dem Regisseur dieses Films, tut er das auch. Der Horror ist sogar noch größer, weil die Kleinstadt noch kleiner ist. Im Intro lernen wir die Stadt aus der Vogelperspektive kennen und werden während der Vorspanntitel gewahr, dass es sich um eine Modellstadt handelt mit Modellautos, Modell-Straßenlaternen und Modellhäusern. Eine künstliche Plastikwelt. Da bereitet uns Burton schon mal darauf vor, dass das, was jetzt folgt, nicht zu ernst genommen werden darf.

Was folgt, ist Geisterspaß auf Droge. Tim Burton demonstriert das Genre des Spukfilms, in dem Geister in einem verwunschenen Haus leben. Das ursprüngliche Drehbuch soll einen harten, dunklen Horrorfilm vorgesehen haben und sich erst, als Michael Keaton in der Rolle des titelgebenden Geistes dazu stieß und einen Großteil seiner Sätze improvisierte, in ein Grusical verwandelt haben. Der Kick der Story besteht darin, dass sie aus Perspektive der Geister erzählt werden. Es sind die Menschen, die erschrecken. Ein leicht infantiler Geschäftsmann, dessen Frau eine Künstlerin von geringstem Format und großer Eitelkeit ist sowie seine Tochter Lydia, stets in schwarze Trauerkleidung gewandet und schwer depressiv. Ihr Vorteil: Sie als einzige kann die Geister, das frisch verstorbene Ehepaar Maitland, sehen.

Der zweite Kick ist: Die Menschen fürchten sich nicht vor den Geistern, ganz im Gegenteil, sie wittern ein großes Geschäft und wollen die armen Maitlands, die doch einfach nur – wenn schon, denn schon – richtig tot sein wollen, vermarkten. Aber das mit dem richtig tot sein wollen ist so einer Sache bei einer Bürokratie an der Schwelle zum Jenseits, deren Mühlen noch langsamer mahlen, als die im Diesseits. 125 Jahre werden die Maitlands abwarten müssen, ob Himmel oder Hölle oder Wasauchimmer wartet.

Tim Burton hat eine witzige Groteske inszeniert, die, dem Einstieg entsprechend, ganz auf analoge Tricktechnik und Stop-Motion-Grusel setzt. Im Jahr 11 nach Star Wars ist die Tricktechnik weiter, als das, was dieser Film zeigt. Burton setzt bewusst diese 60er Jahre Anmutung in den Effekten, sie unterstreicht den Charakter des Grotesken. Michael Keaton ("Gung Ho" – 1986; "Johnny G. – Gangster wider Willen" – 1984; "Mr. Mom" – 1983) taucht als Titelheld nur rund 20 Minuten im Film auf und gibt als durchgeknallter, notgeiler Uraltgeist für Unruhe zu sorgen. Gene Davis (Tootsie – 1982), die sich vor zwei Jahren gegen Jeff Goldblum zur Wehr setzen musste, der zu einer Fliege mutierte, steht ähnlich wie ihr Partner Alec Baldwin meist mit großen Augen und offenem Mund dem Panoptikum fantasievoll gestalteter Leichen, Plastikmonstern und letaler Bürokratie gegenüber. Eine Entdeckung ist Winona Ryder, die in ihrer erst dritten Rolle, die depressive Lydia spielt. Sie verkörpert leidenschaftlich den Weltschmerz eines gleichzeitig engagierten und todessehnsüchtigen Teenagers.

Ein spaßiger Film, der in seiner Überdrehtheit aber über sein Ziel einer intelligenten Unterhaltung hinaus schießt.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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