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Plakatmotiv: Die Fliege (1986)

Visueller Hard-Core-Horror
mit berührender Geschichte

Titel Die Fliege
(The Fly)
Drehbuch Charles Edward Pogue + David Cronenberg
nach der Kurzgeschichte "Die Fliege" von George Langelaan
Regie David Cronenberg, USA, UK, Kanada 1986
Darsteller
Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz, Joy Boushel, Leslie Carlson, George Chuvalo, Michael Copeman, David Cronenberg, Carol Lazare, Shawn Hewitt u.a.
Genre Horror, Drama
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
8. Januar 1987
Inhalt

Seth Brundle entwickelt einen Teleporter. Mithilfe eines Computers und zwei miteinander verkabelten Kabinen, kann er starre Objekte in Sekundenschnelle bewegen. Problematisch ist aber der Transport von Lebewesen.

Beim Versuch einen Pavian zu beamen, wird dessen Inneres nach Außen gekehrt. Doch nachdem er die Journalistin Veronica Quaife einweiht und eine Beziehung mit ihr anfängt, stößt er bald in der "Poesie des Fleisches" auf die Lösung seines Problems.

Bei Seths ersten Selbstversuch gelangt unbemerkt eine Fliege in die Kammer und der Computer vermischt die DNA der beiden …

Was zu sagen wäre

Die Geschichte gab es im Kino schon einmal. 28 Jahre ist da her, da ließ Regisseur Kurt Neumann in The Fly einen Wissenschaftler sich unfreiwillig mit einer Stubenfliege teleportieren und die Folge waren Ein Mann mit Fliegenkopf und Fliegenarm und eine Stubenfliege mit Menschenkopf und Menschenbein, die am Ende in einem Spinnennetz klebt und von der Hausherrin verspeist werden soll.

Plakatmotiv (US): The Fly – Die Fliege (1986)David Cronenberg geht das Thema in seiner Verfilmung der Kurzgeschichte, die damals im Playboy erschienen war, radikaler an – konsequenter. Übrig geblieben sind eigentlich nur die beiden Telepods, der Wissenschaftler, die Stubenfliege und das Experiment, das nicht so läuft wie gewünscht. Cronenberg schickt zwei Wesen auf die Reise in die Desintegration und macht daraus eines in der Reintegration. Der Computer hat beide Lebewesen auf molekularer Ebene verschmolzen. Von jetzt an verwandelt sich der Wissenschaftler in ein Insekt, oder – aus der anderen Perspektive betrachtet – die kleine Fliege verwandelt sich in einen – aus ihrer Warte – gigantischen Humanoiden.

Weil hier die tragische Verwandlung im Mittelpunkt steht und weniger das, was daraus folgt, wie das bei Neumanns Verfilmung ist, steigt der Ekelfaktor. Cronenbergs Film hat einen hohen Fleischfaktor, Fleisch in all seinen Aggregatzuständen, frisch, angegammelt, verfault, matschig. Und das passiert, weil – lustiger Drehbuchscherz – weil Seth Brundle seiner Maschine die „Meat Poetry“ beibringt, die „Poesie des Fleisches“. Der Film ist auch ein Beitrag zu aktuell immer mal wieder aufpoppenden Debatte über Künstliche Intelligenz. „Computer sind dumm“, sagt Brundle. „Sie wissen nur, was ich ihnen eingebe.“ Und weil für einen Computer ein Stück Fleisch – ob ein totes Steak oder ein lebender Pavian – dasselbe ist wie ein Seidenstrumpf, setzt er das organische Fleisch nicht korrekt zusammen – der Computer kennt die wichtige dritte Komponente nicht, die „Poesie“. So erklärt das der Film und es dauert keine zwei Minuten, da hast der Computer das verstanden, der Pavian-Transport funktioniert; und ebenso dann der Transport zweier Lebewesen, die der Computer zu einem Überwesen designt.

Die zunehmende Verwandlung in die Fliege ist eklig, manchmal albern, manchmal an ein mittelmäßiges Creature Feature aus vergangenen Jahrzehnten erinnernd und es war Glück, dass David Cronenberg für diese rolle Jeff Goldblum gefunden hat (Silverado – 1985; Kopfüber in die Nacht – 1985; Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension – 1984; Der große Frust – 1983; "Die Körperfresser kommen" – 1978; Der Stadtneurotiker – 1977; Ein Mann sieht rot – 1974). Goldblum liefert eine attraktive, höllisch von sich überzeugte, charmante und selbstironische Variante des Mad Scientist. Vor allem die selbstironische nimmt dem Horror der Verwandlung manch scharfen Stachel. Goldblums Seth Brundle kommentiert seine Verwandlung mit Sarkasmus, der ihm gleichzeitig hilft, klar zu bleiben und weiterzuarbeiten. Er würde sich ja schon gerne zurückverwandeln. Stattdessen nimmt der Ekel kein Ende; erst kann er sich die Fingernägel abziehen, später fällt – „Oh, das ist eklig!“ – ein Ohr ab, dann Zähne aus, Krallenbeine brechen durch die Haut. Aber auch die psychische Verwandlung ist stärker als bei Kurt Neumann, der das Animalische des Insekts 1958 nur andeutete. Die Brundle-Fliege wird ein wahres Monstrum, das gemäß der Regel "Die Schöne und das Biest", nur eine stoppen kann, seine sanfte, rehäugige Freundin Veronica. Über die Liebesgeschichte holt der Film die berührenden Momente, die gerade so ein Splatter braucht.

Für Veronica haben die Produzentin Geena Davis geholt, eine junge Schauspielerin, die 1982 in Tootsie ihr Debüt hatte, viel Fernsehen gemacht hat und gerade durchstartet. Sie und Goldblum kennen sich vom Set von "Transylvania 6-5000", eine Monster-Comedyfarce aus dem letzten Jahr. Hier spielt Davis ihre erste Hauptrolle und bildet da einen guten Widerpart zu dem extrovertierten Goldblum. Sie muss den unverschämten Sexismus ihres Chefs und Ex-Geliebten ertragen, kann ihn aber immerhin mit scharfen Worten und ironischer Augenbraue kontern.

David Cronenberg sieht in seinem Film eine Ehe im Schnelldurchlauf. Jede Liebesaffäre, sagt er, ende doch damit, „dass einer der beiden Partner monströs wird, im Alter dahinsiecht und stirbt. Einer erlebt des anderen Zerfall und Tod. Und das ist stets eine schmerzliche Erfahrung." Das menschliche Fleisch wird alt, es verschrumpelt und verfault. Vielleicht hat er sich diese Angst einfach mal von der Seele filmen müssen. Das macht er bündig, ohne Hänger und mit aufregenden Bildern.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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