Kinoplakat: Man of Steel
Ein grübelnder Mann aus
Stahl mit Jesus-Komplex
Titel Man of Steel
(Man of Steel)
Drehbuch David S. Goyer + Christopher Nolan
nach den Comics von Jerry Siegel und Joe Shuster
Regie Zack Snyder, USA 2013
Darsteller Henry Cavill, Amy Adams, Michael Shannon, Diane Lane, Russell Crowe, Antje Traue, Harry Lennix, Richard Schiff, Christopher Meloni, Kevin Costner, Ayelet Zurer, Laurence Fishburne, Dylan Sprayberry, Cooper Timberline, Richard Cetrone, Mackenzie Gray, Julian Richings, Mary Black, Samantha Jo, Michael Kelly, Rebecca Buller, Christina Wren u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 143 Minuten
Deutschlandstart
20. Juni 2013
Website manofsteel.com
Inhalt

Der Planet Krypton steht umittelbar vor seiner Zerstörung. Um seinen Sohn Kal-El, den ersten auf natürlichem Wege geborenen Kryptonier seit Jahrhunderten, zu retten und damit den Untergang des eigenen Volks zu verhindern, schickt Jor-El ihn zusammen mit dem vorher gestohlenen „Codex” – einer Sammlung des Genoms aller Kryptonier – auf die Erde. Dann explodiert Krypton.

Auf der Erde kommt das Windelbaby in die Obhut des Farmer-Ehepaares Jonathan und Martha Kent und wird als bieder-normaler Junge aufgezogen, der von seinen Mitschülern gehänselt wird, weil sich der Junge – die Kents haben ihm den Namen Clark gegeben – nicht wehrt. Das liegt daran, dass die geringere Schwerkraft des Planeten Erde sowie die jüngere und noch gelbe Sonne dem Jungen unglaubliche Kräfte verleihen und ihn unverwundbar machen. Jonathan verbietet also seinem Pflegekind jegliche sportliche Betätigung, weil der sich aus Versehen verraten könnte.

So ist die Kindheit des Clark Kent außerhalb der Grenzen seiner familiären Farm keine glückliche und so zieht er mit Anfang 20 als einsamer Wanderer in die Welt hinaus, um seine Ursprünge zu erkunden und herauszufinden, was er aus seinem Leben machen möchte.

Kurze Zeit darauf landet ein Raumschiff auf der Erde und sendet eine Nachricht an alle Menschen. General Zod, der für den Tod von Jor-El verantwortlich ist, gibt sich zu erkennen und fordert die Auslieferung des auf der Erde verborgenen Kryptoniers Kal-El. Clark/Kal-El schließt sich mit dem Militär zusammen, damit dieses ihn nicht als Bedrohung ansieht und liefert sich daraufhin selbst an General Zod aus.

An Bord des Raumschiffes erfährt Clark den ganzen Plan Zods. Dieser will auf der Erde mithilfe des Codex’ sowie eines Planetenwandlers ein neues Krypton erschaffen …

Was zu sagen wäre

Zack Snyder sollte die Finger vom Kino lassen. Action – schnell geschnittten – bei der alles kaputt geht, macht noch keinen Film. Die letzte Stunde, in der sich die unverwundbaren Kryptonier durch Smallville und Metropolis prügeln und dabei alles kaputt machen, sieht aus, als hätte Snyder zur Vorbereitung The Avengers gesehen und dahingehend falsch verstanden, dass Hauptsache möglichst viel Innenstadt kaputt geht.

Bumm-Peng-Krach-Schepper - Und wieder ist ein schlechter Superman-Film vorbei

Snyders Unvermögen in der Inszenierung war lange nicht aufgefallen. In seiner Sparta-Saga „300“ (2006) machte er noch reines Comic, das schon in der Farbgebung jeglichen Realismus von sich wies, in jeder Einstellung „Ich bin Comic!“ schrie und die Regeln des Kinos geflissentlich ignorierte – zumindest glaubten wir damals alle, er ignoriere die Regeln. Dass er die Regeln gar nicht kennt, wollte niemand glauben. Aber schon Watchmen: Die Wächter: (2009) geriet ihm bleiern schwer und rückständig in seiner Akkuratesse. Und Sucker Punch (USA 2011) ist schon einfach nur noch schlecht.

Im vorliegenden „Man of Steel“ braucht er geschlagene 80 Minuten, bis er seine Figuren auf dem Spielfeld verteilt, Superman vom gerade frisch zerstörten Krypton auf die Erde zur Kent-Farm und ins Erwachsenen-Alter bringt und die Handlung in Stellung gebracht hat. Danach macht es 60 Minuten Bumm-Peng-Krach-Schepper und wieder ist ein schlechter Superman-Film vorbei.

Zu Superman fällt den Filmproduzenten regelmäßig nichts ein

Muss es denn wirklich schon wieder General Zod sein? Wenn ich die Superman-Verfilmungen in Reihe lege, scheint der bei den jeweiligen Produzenten das Nonplus-Ultra an Gegner zu sein – genauso unverwundbar wie Kal-El, moralisch so finster, wie Kal moralisch strahlend und auf geht’s. In Teil 2 kommt dann sicher wieder Lex Luthor, zu dem den Autoren dann auch wenig mehr, als eine Lockenperücke einfällt wie 1978.

Wie gut, dass ich mit der Comicfigur aufgewachsen bin und also weiß, was Krypton ist und was passiert und warum und wie Kal-El seinen Heimatplaneten verlässt. Nicht, dass irgendein Zuschauer heute noch diese Geschichte braucht, um in den Mythos einzusteigen, aber gut, wenn man das erzählen will, dann nur zu. Bei Zack Snyder wirken diese ersten 15 Minuten, als habe ein Kind zu Weihnachten einen Chemiebaukasten geschenkt bekommen und nun mal ordentlich los gelegt: alles bunt, alles schnell, alles grell und in jeder Ecke des Bildes ist noch eine kleine Überraschung. Die Krypton-Sequenz ist überfrachtet und wer hier erst die Figuren kennenlernen müsste, die unter anderem immerhin von Russell Crowe (72 Stunden – The Next Three Days – 2010; Robin Hood – 2010; State of Play – 2009; Lebenszeichen – 2000; Gladiator – 2000; Insider – 1999; L.A. Confidential – 1999) gespielt werden, hat keine Chance; und später ist es fürs Kennenlernen dann zu spät.

Teaserplakat: Man of Steel

Absurdes Verständnis für moderne Erzählungen

Kal-Els anderer Vater, der Farmer Jonathan Kent - Kevin Costner - ist ein moralisch konservativer Knochen, der lieber voll besetzte Schulbusse ertrinken sieht, als seinen Adoptivsohn der Gefahr einer Entdeckung auszusetzen; als der den Schulbus dennoch rettet, bekommt er vom Adoptiv-Vater einen Anschiss. Moralisch konservative Knochen spielt Costner heutzutage mit links (Thirteen Days – 2000; Aus Liebe zum Spiel – 1999; Message in a Bottle – 1999; Waterworld – 1995; JFK – Tatort Dallas – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No way out – Es gibt kein Zurück – 1987; Die Unbestechlichen – 1987). Das geht so weit, dass Ziehvater Jonathan in einer absurd-grotesken Abschiedsszene einen Hund(!!!) vor einem Tornado in Sicherheit bringt und sich selbst diesem dann opfert – während er seinem Sohn Clark, der 50 Meter weiter steht und locker (und ungesehen) alle hätte retten können verbietet, einzuschreiten. Spätestens da geht ein Aufstöhnen durchs Publikum. Superman wurde in den 1930er Jahren erfunden. Aber das heißt doch nicht, dass moderne Variationen der Geschichte die Moral der 1960er-Jahre als innovativ verkaufen müssen. An diesem Film stimmt so gut wie gar nichts. Es grenzt an Boshaftigkeit, hier so gute, sympathische, versierte Schauspieler wie Amy Adams (als rothaarige Lois Lane) oder Diane Lane (Unter der Sonne der Toskana – USA 2003; Untreu – USA 2002; Der Sturm – USA 2000; Mord im Weißen Haus – USA 1997; Jack – 1996; Judge Dredd – 1995; Straßen in Flammen – 1984; Rumble Fish – 1983; Die Outsider – 1983) zur Sprechpuppe zu degradieren.

Da wird eine Stunde lang Metropolis in Schutt und Asche gelegt und mittendrin kümmern sich der Chefredakteur Perry White und ein paar Hintersassen hingebungsvoll und chancenlos um eine zufällig unter Trümmern eingesperrte Kollegin – eine Szene, die so vorhersehbar ist wie unnötig und offensichtlich nur dazu dient, die verschiedenen Prügelorgien am Himmel der Übersichtlichkeit wegen in geordnete Story-Elemente zu trennen; und irgendwie soll dem Zuschauer noch mitgegeben werden, dass der böse General Zod halt total ungerecht zu den lieben Menschen ist, wenn er seine Arie des Pflichtbewusstseins singt, welches ihm vorgibt, immer und überall die Bewohner seines geliebten Krypton zu schützen und dafür die niederen Menschen halt opfern zu müssen. Neue Ideen wären an dieser Stelle ganz schön. Statt dessen schwadroniert Jor-El etwas von „Die Menschen werden Dich erst ablehnen, aber später werden sie Deinem Vorbild folgen!” Superman: Ein Stahlmann mit Jesus-Komplex.

Hollywood kann es einfach nicht

Ich könnte stundenlang so weiter schreiben. Am Ende des Films steht aber die Erkenntnis: Hollywood kann es einfach nicht. Kommerzielle Kinoproduzenten sind offensichtlich nicht in der Lage, einen superstarken, unverwundbaren Mann in eine menschliche Story einzubinden. Das, was der werdende Superman da 80 Minuten an Selbstzweifeln vor sich herträgt, ist nicht nur schwärzester Konservatismus. Das ist auch überflüssig. Zu den Warner-Bros.-Studios gehört auch die 10 Staffeln lange TV-Serie „Smallville”, die die Kindheit und vor allem Pubertät des jungen Clark ausleuchtet. Da ist all das, was hier angerissen wird, längst und sehr unterhaltsam erzählt worden; aber da sind die 80 Kinominuten schon verschwendet und zum erwachsenen Superman fallen den Autoren und Produzenten dann nur noch rüde Hinterhofschlägereien ein. Und Zack Snyder auf dem Regiestuhl.
Das ist eigentlich sehr schade.

Wertung: 2 von 8 €uro