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Plakatmotiv: Der Wolf hetzt die Meute (1984)
Clint Eastwood erweitert
sein männliches Image
Titel Der Wolf hetzt die Meute
(Tightrope)
Drehbuch Richard Tuggle
Regie Richard Tuggle, USA 1984
Darsteller Clint Eastwood, Geneviève Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jenny Beck, Marco St. John, Rebecca Perle, Regina Richardson, Randi Brooks, Jamie Rose, Margaret Howell, Rebecca Clemons, Janet MacLachlan, Graham Paul, Bill Holliday u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 114 Minuten
Deutschlandstart
11. Januar 1985
Inhalt

Der Polizeiermittler Wes Block arbeitet in New Orleans. Er hat zwei Töchter, die er allein erzieht. Der geschiedene Mann verbringt viel Zeit mit Prostituierten, bei denen es zu sadomasochistischen Praktiken kommt. Block sucht einen Serienkiller, der Prostituierte tötet. Der Mörder hinterlässt keine brauchbaren Spuren. Eine der Frauen wird kurz nach Blocks Besuch getötet. Einige Indizien deuten sogar auf Block als Täter hin.

Plakatmotiv (US): Tightrope – Der Wolf hetzt die Meute (1984)Der Ermittler lernt die Feministin und Polizistin des Sittendezernats Beryl Thibodeaux kennen, die den Frauen in einem Frauenzentrum beibringt, wie sie sich gegen Angriffe wehren können. Sie verspricht Block, sich für ihn beim Bürgermeister einzusetzen, den sie persönlich kennt, was schnellere Ermittlungserfolge erwarten lässt.

Währenddessen führen Glassplitter Block an einen der Tatorte in einer Brauerei. Tatsächlich arbeitet der Killer dort, der Block erkennt, von Block ab er nicht erkannt wird. Nachts überfällt der Killer das Haus von Block, tötet die Haushälterin und fesselt dessen Tochter Amanda …

Was zu sagen wäre

Interessanter Einstieg: Clint Eastwood lässt sich als Vater zweier Töchter und vieler Hunde inszenieren. Der mittlerweile 54-Jährige zieht sich demonstrativ aus der ersten Reihe des Kerls- und Actiongenre zurück, das mittlerweile Typen wie Arnold Schwarzenegger oder Chuck Norris beherrschen. Und kaum dem vierten Dirty-Harry-Job entkommen, hat Eastwood die emanzipierten Frauen bereits voll in sein Erzählkonzpt eingebaut: „Hören Sie, ich rede nicht gerne mit Frauen, die Neidgefühle mit sich herumschleppen und verbreiten, ich arbeite nicht anständig, was mir laufend Ärger einbringt.“ „Also auf die wäre ich auch nicht hat gerade scharf! Andererseits habe ich nicht die geringste Lust, Polizisten mit Komplexen nachzulaufen, die krampfhaft bemüht sind, den Frauen vom Sittendezernat aus dem Weg zu gehen.

Eastwood raucht auch nicht mehr, wirft statt dessen Kaugummi ein als gäb's kein Morgen und überlässt die Punchline mittlerweile gerne mal dem Nebendarsteller aus der Forensik. Er ist der allein erziehende Vater zweier Mädchen und Geneviève Bujold (Coma – 1978; Schwarzer Engel – 1976; Der Unverbesserliche – 1975; Erdbeben – 1974; Der Dieb von Paris – 1967) bestimmt das Tempo beider Beziehung – auch das ist sehr neu. Bujold spielt überhaupt eine der emanzipiertesten Frauen, die je neben Eastwood spielen durften. Und selbst der Bürgermeister ist schwul. Wenn dieser Eastwood-Cop mit leerem Blick in Stripperinnen in einer Bar beim Ringen zusieht, liegt darin das ganze Elend eines zerstörten Familientraums. Die Zeiten in Eastwoods Welt ändern sich – so wie die Dialoge beim Austernschlürfen auf romantischer Raddampfertour in den Sonnenuntergang: „Ich möchte herausfinden, was sich hinter der Fassade verbirgt.“ „Das würde Ihnen vielleicht nicht gefallen.“ „Vielleicht haben Sie Angst, es würde.

Nur in einem ist Eastwoods Produktion sich treu geblieben: „Tightrope“ erinnert an alte Kriminalfilme, wie wir sie in den 60er und 70er jahren schon gesehen haben. Richard Tuggle führt eine straffe Regie, die aber nicht übermalen kann, dass die Story – angereichert um die erwähnten femininen Züge – hausbacken wirkt, zu klein für die große Leinwand. Nahezu eine Stunde sehen wir Eastwood zu, der als Cop in den Mordfällen nicht voran kommt, wie er versucht, mit Geneviève Bujold einerseits und seiner kaputten Liebe andererseits klarzukommen, wie er versucht Vaterpflichten und seine Arbeit als Cop unter einen Hut zu bringen, aber dabei entwickelt sich nichts. Es dauert, bis der Film Fahrt aufnimmt und sich ein solider Polizeifilm entfaltet. Ein kompliziert erzählter Film, der über seine Stars stolpert und beinahe vergisst, eine Geschichte zu erzählen.

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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