Plakatmotiv (UK): Abwärts – Downhill
Eva greift zum Apfel
Ein Mann stürzt ab

Titel Abwärts
(Downhill)
Drehbuch Constance Collier (als David L'Estrange) + Ivor Novello (als David L'Estrange) + Eliot Stannard
Regie Alfred Hitchcock, UK 1927
Darsteller Ivor Novello, Ben Webster, Norman McKinnel, Robin Irvine, Jerrold Robertshaw, Sybil Rhoda, Annette Benson, Lilian Braithwaite, Isabel Jeans, Ian Hunter, Hannah Jones, Barbara Gott, Violet Farebrother, Alf Goddard u.a.
Genre Drama
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
31. Juli 2015 (DVD-Release)
Inhalt

Der Student Roddy wird aus der Universität geworfen, da er das Opfer falscher Anschuldigungen geworden ist. Seinen Vater ärgert das sehr, und er beschimpft ihn als Lügner. Daraufhin verlässt Roddy sein Elternhaus und versucht, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Plakatmotiv: Abwärts – DownhillRoddy verlässt seine Heimat und heiratet eine Tänzerin, die ihn um sein Vermögen bringt und eine Affäre mit einem anderen Mann beginnt. Er wird Gigolo im Pariser Moulin Rouge. Es geht weiter abwärts mit ihm, bis er krank in einer Marseiller Absteige landet. Einige Matrosen bringen ihn auf ein Schiff nach London …

Was zu sagen wäre

Satan, Dein Name sei Weib! Die rasante Talfahrt des grundsympathischen Roddy, dessen einziger Makel beim durchschnittlichen Publikum sein könnte, dass er aus sehr reichem Elternhaus stammt, wird von verlogenen Frauen angestoßen und beschleunigt. Dabei packt Regisseur Alfred Hitchcock pikante Themen an – ungeschützten College-Sex mit ungewollter Schwangerschaft, das Tanzen der Gigolos, das durchaus mehr beinhaltet, als nur den Tanz. Und an seinem gesellschaftlichen Ende muss der Gefallene sich gierig starrenden Frauen für 50 Francs verkaufen.

Es ist eine düstere Gesellschaftsanalyse, die der Film da betreibt, und Regisseur Hitchcock findet immer wieder große Bilder: Als der Absturz beginnt, preisen U-Bahn-Schilder billige Tickets „in jede Richtung“ an und fährt Roddy mit der Rolltreppe wie von Geisterhand abwärts. Gleichzeitig wird die herrschaftliche College-Architektur immer wuchtiger, macht Roddy optisch immer kleiner. Als er sich im Moulin Rouge schon einer ältlichen Frau überlassern will, die sich geduldig seine Lebensgeschichte angehört hat, geschieht ein Zwischenfall, der die Direktion veranlasst, die Vorhänge des Nachtclubs aufzureißen; darauf flutet Tageslicht die Clubszenerie und Hitchcock zeigt alte Männer und müde Frauen in nüchternem Mobiliar zwischen leeren Flaschen und vollen Aschenbechern.

<Nachtrag 2017>Schon in diesem 1927er-Werk tauchen mehrere typische Hitchcock–Motive auf: der unschuldige Verdächtige, die Schuldübertragung und das Spiel mit religiösen Motiven, in diesem Fall das des verlorenen Sohns und das der Verführung durch die Frau Eva. Hitchcock betrachtete diesen Film hauptsächlich als Fingerübung, und so finden sich in „Abwärts“ auch diverse in seinem späteren Werk wiederkehrende Stilelemente wieder – er arbeitet mit Überblendungen, Schattenspielen – und auch Treppen sind schon hier ein wesentliches Element seiner psychologischen Visualisierungen.</Nachtrag 2017>

Wertung: 4 von 5 D-Mark