Seit vielen Jahren treffen sich die langjährigen Freunde Vincent, Paul und François am Wochenende samt Familien in Pauls Landhaus. Mittlerweile sind die drei an der Schwelle zum 50. Lebensjahr angelangt – und sind nicht so ganz ehrlich zueinander gewesen in den vergangenen Jahren. Es geht um Geldsorgen und untreue Frauen.
Der Fabrikant Vincent, gerade erst von seiner Frau Catherine getrennt, wird just von seiner jungen Geliebten Marie verlassen, zudem droht seinem Unternehmen die Pleite. Paul schafft es nicht, seinen Roman weiterzuschreiben. Und der Arzt François findet heraus, dass ihn seine Ehefrau betrogen hat und wegen eines anderen Mannes verlassen will …
Männer im Regen des Lebens. Im Mittelpunkt stehen die Herren der Schöpfung an der Klippe ihres Lebens. Sie führen ein Unternehmen, schreiben für die Zeitung, haben ein Krankenhaus aufgebaut, die Familie ernährt – alles so, wie es die Gesellschaft erwartet. Im Freundeskreis und Zuhause führen sie das große Wort. Jetzt geht die eine Ehefrau fremd, die andere ist längst weg, während die Nachfolgerin schon auf gepackten Koffern sitzt, eine weitere leidet still mit der Schreibblockade ihres Mannes. Und draußen regnet es in Strömen.
Impotent sind sie plötzlich alle. Nicht im sexuellen Sinne, aber im gesellschaftlichen. Ob Schreibblockade, geplatzter Wechsel oder die flüchtende Ehefrau: Die drei Männer verlieren ihr Leben aus dem Griff. Claude Sautet wirft einen bemerkenswert offenen Blick hinter die Gesellschaft der Macher in Frankreich. Am deutlichsten trifft es Vincent, den Yves Montand als ganzen Kerl spielt ("Der unsichtbare Aufstand" – 1972; Cesar und Rosalie – 1972; Vier im roten Kreis – 1970; Stoßtrupp Gold – 1970; "Grand Prix" – 1966; Brennt Paris? – 1966; Machen wir's in Liebe – 1960; Lohn der Angst – 1953), bis er Ehefrau, Freundin und sein Geschäft verloren hat und feststellt, dass dahinter gar nichts ist. Denn als er Geld braucht, ist auch François nicht für ihn da, der als Arzt sehr reich geworden ist, sich aber nur noch um sich selbst dreht. Michel Piccoli ist die Idealbesetzung für diesen François, der, als ihm seine Frau den Laufpass gibt, eben weil er alles besser wisse, nie nach rechts oder links schaue und seine engste Umgebung ignoriere, seine Frau verprügelt. Piccoli verströmt auch in dieser Rolle eine ambivalente Männlichkeit zwischen Sorge (um sich selbst) und herrischem Auftreten ("Trio Infernal" – 1974; Das große Fressen – 1973; Blutige Hochzeit – 1973; Cesar und Rosalie – 1972; Der diskrete Charme der Bourgeoisie – 1972; Drei auf der Flucht – 1971; Die Dinge des Lebens – 1970; Topas – 1969; Belle de jour – 1967; Brennt Paris? – 1966; Die Verachtung – 1963).
Die Frauen in diesem Film sind nur aus deutscher Sicht überraschend emanzipiert. Im französischen Kino begegnen sie ihren Männern schon seit Jahren auf Augenhöhe, lassen sich im allgemeinen wenig beeindrucken von chauvinistischem Auftritten – „Bring mir einen Kaffee!“ – oder Fremdgängen in aushäusigen Betten. Auch in Claude Sautets Demontage des Mittelklasse-Mannes achten die Frauen darauf, dass ihr Mann als Ehemann auch funktioniert. Tut er das nicht, ziehen sie ungerührt von dannen; mal mit knappen Worten wie Marie, die erst 25 Jahre alte Geliebte des 53-jährigen Vincent, mal etwas mitfühlender (aber genauso endgültig) wie dessen Ex-Frau Catherine, in der Claude Chabrols Muse Stéphane Audran als selbstbewusste, eigenständige Mittvierzigerin ein kleines Gastspiel gibt (Blutige Hochzeit – 1973; Der diskrete Charme der Bourgeoisie – 1972; Vor Einbruch der Nacht – 1971; Der Riss – 1970; Der Schlachter – 1970; Die untreue Frau – 1969; Zwei Freundinnen – 1968; "Der Frauenmörder von Paris" – 1963).
Ansonsten halten die Damen sich vor der Kamera im Hintergrund. Claude Sautet (Cesar und Rosalie – 1972; "Das Mädchen und der Kommissar" – 1971; Die Dinge des Lebens – 1970; Der Panther wird gehetzt – 1960) bleibt mit der Kamera bei seinem Geschlecht, das sich aufführt, wie ein Haufen junger Hunde, die um Aufmerksamkeit buhlen, die ohne die (metaphorische) Brust ihrer Frauen verkümmern.
Dieser Film und andere Werke Sautets begründeten eine neue französische Erzähltradition, in der Männerfreundschaften vor dem Hintergrund der Wohlstandsgesellschaft auf die Probe gestellt werden. Zuvor waren Männerfreundschaften vor allem im Rahmen von Gangster- oder Kriegsfilmen thematisiert worden.
