Während des Zweiten Weltkriegs setzt sich der französische Soldat Valentin in Nordafrika ab, um stattdessen Waffen zu schmuggeln. Auf einer dieser Missionen, auf dem Weg von Tunesien nach Libyen, rettet er einem jungen englischen Soldaten, dessen Flieger abgeschossen wurde, das Leben.
Gemeinsam müssen sie vor dem italienischen Militär fliehen, das Libyen besetzt hält. Lorène, Valentins romantische Bekanntschaft aus der italienischen Schweiz, hilft den beiden bei der Flucht. Das Abenteuer wird dadurch erschwert, dass sich sowohl der Franzose Valentin als auch der Engländer Basil in Lorène verlieben, die jedoch die Gattin des Schweizer Konsuls ist.
Das zusammengewürfelte Trio gerät bei seiner Flucht immer tiefer in die libysche Wüste, wo sie zwischen Missverständnissen und Gefahren einige Abenteuer erleben und in heikle Situationen geraten …
Drei Menschen, zwei Männer und eine Frau, laufen in Smoking, Hut und Abendkleid durch die Wüste. Das ist das Bild, das Philippe de Broca, Spezialist für fröhlichen Eskapismus auf der Leinwand (Die tollen Abenteuer des Monsieur L. – 1965; Abenteuer in Rio – 1964; Cartouche – Rächer der Armen – 1962), gereizt haben wird an dieser Abenteuergeschichte. Dazu ein paar schießende Panzer, ein abstürzendes Flugzeug, Nazi-Deutsche, die sich dämlich anstellen, Italiener, die sich auch dämlich anstellen, Engländer, die die Frau nicht bekommen und Franzosen, die die Frau natürlich doch bekommen. Das ergibt so in etwa den vorliegende Film.
Der Originaltitel "La poudre d'escampette" heißt treu übersetzt "Das Pulverfass", oder, etwas freier, "Auf und davon". Ein Pulverfass geht hier anders als manch Anderes nicht in die Luft, aber tatsächlich haben die drei Protagonisten allen Grund, abzuhauen, auf und davon. Der Engländer ist unter lauter Deutschen und Italienern 1940 nicht gut aufgehoben. Der Waffenschmuggler will nicht an den Galgen. Die Ehefrau des Schweizer Gesandten möchte nicht vor Langeweile sterben.
Der Film lebt von den Bildern einer fernen Wüstenlandschaft und den drei spielfreudigen Hauptdarstellern. Kameramann René Mathelin (Alexander, der Lebenskünstler – 1968) setzt Tunesien in sonnendurchflutetes Licht, die Wüste in alle Rottöne der schräg stehenden Sonne und malt die unendliche Landschaft zwischen Felsen, Forts und Flugzeugangriffen als großen Abenteuerspielplatz, durch den unsere drei Flüchtigen mit einem erstaunlich robusten, immer gut betankten Jeep hetzen, ohne sich einer größeren Gefahr bewusst zu sein. Sie wollen über die Grenze nach Libyen. Oder „zu den Engländern“, die irgendwo sein sollen. wo genau, ist für das Drehbuch nicht so wichtig, denn die Geschichte ist: Drei Stars holpern durch die Wüste, haben Abenteuer und Spaß. Das gelingt.
Michel Piccoli sieht man an, dass auch er mal von Philippe de Broca auf einen Abenteuerurlaub eingeladen werden wollte. Sein Valentin, in der zivilen Heimat ausgebombter Rosenzüchter, ist abseits all der dramatischen Kerle, die er sonst spielt (Die Dinge des Lebens – 1970; Topas – 1969; Belle de jour – Schöne des Tages – 1967; Brennt Paris? – 1966; Die Verachtung – 1963), ein Klischee: Waffenschmuggler im Krieg. Die Figur wird nicht weiter erklärt, wir lernen ihn kennen, als er vor seinem ausgebombten Grundstück im diesigen Frankreich steht und erklärt, er gehe jetzt „in die Sonne“. Im nächsten Bild sitzt er mondän gekleidet in Tunesien beim nachmittäglichen Tee, dann fährt er auf seinem Schmugglerboot und dann fischt er schon den Engländer aus dem Meer, der gerade mit seinem Flugzeug dort hinein abgestürzt ist. Kurz darauf sind beide Gefangene der italienischen Armee und kurz darauf Männer auf der Flucht. Mehr Erklärung braucht es nicht, um Leinwandfiguren in Bewegung durch exotische Landschaften zu bringen.
Michael York spielt den Engländer, der Michel Piccoli buchstäblich vor die Füße fällt (Der Widerspenstigen Zähmung – 1967). Auch seine Figur wird nicht tiefer erörtert. Er stürzt ab, überlebt, ist englischer Soldat und spricht mit Akzent – in der deutschen Synchronfassung mit einem nachgemachten britischen Akzent – geriert sich als Bewahrer irgendwie britisch begriffener Gepflogenheiten wie Höflichkeit, Ordnungssinn und anderer Dinge, die man auf der Flucht durch die Wüste gerade nicht gut gebrauchen kann. Er gibt die charmante Witzfigur in dieser französisch-italienischen Produktion.
Zu diesen beiden Männern gesellt sich eine Frau, die den falschen Mann geheiratet hat. Jedenfalls müssen wir das vermuten, nachdem sie alles stehen und liegen lässt, als ihr die beiden Galgenvögel, der eine im Schlafanzug, über den Weg laufen. Wie ihre beiden männlichen Begleiter folgt in dieser Rolle auch Marlène Jobert ohne zu stolpern den Regel des Klischees (Musketier mit Hieb und Stich – 1971; Alexander, der Lebenskünstler – 1968; Der Dieb von Paris – 1967).
Das Ziel des Trios weicht sich von Szene zu Szene weiter auf. Schließlich haben sie keins. Vor allem wollen sie weg. Michaels Yorks Figur will zu den englischen Kameraden, Piccolis Valentin gerne mit Lorène in den Sonnenuntergang fahren und Lorène gerne zurück nach Hause in die Schweiz. Als Zuschauer bleibt uns nur, ihnen zuzuschauen, wie sie durch grandiose Landschaften fahren und ein bisschen Abenteuer mit italienischen Faschisten und Nazi-Deutschen erleben.
