Der amerikanische Filmproduzent Jeremy Prokosch kontaktiert Drehbuchautor Paul Javal, damit dieser dem Regisseur Fritz Lang bei seinem "Odysseus"-Projekt zur Seite steht. Lang dreht zurzeit in Italien, kommt aber mit dem Film nicht voran. Nicht zuletzt deshalb, weil sich der mächtige Prokosch immer wieder in die Produktion einmischt.
Nach Sichtung der ersten Muster lädt Prokosch Javal und dessen Frau Camille in seine Villa ein. In seinem Cabrio ist nur ein Platz frei, den Camille ungern einnimmt, weil Prokosch ihr Avancen macht. Aber Paul lässt Camille mit Prokosch fahren, nimmt selbst ein Taxi und verspätet sich dann noch, fadenscheinige Entschuldigung inklusive.
Camille ist beleidigt und macht Paul zu Hause eine Szene.
Das scheinbar so banale Ereignis wird zum Beginn einer schmerzhaften Trennung. Camille glaubt, dass Paul sie an Prokosch verkaufen wolle, damit er den Job bekommt: Sie empfindet Verachtung für ihn …
Ein Film über die Liebe, die schwindet. Jean-Luc Godart (Außer Atem – 1960) erzählt gleich zwei solcher Liebesgeschichten. Die eine ist die von Camille und Paul, in der Camille eines Tages bemerkt, dass sie ihren Ehemann nicht mehr liebt. Die andere findet auf der Meta-Ebene des Films statt und erzählt von der Liebe des Regisseurs Jean-Luc Godard zum Kino, die zunehmend abkühlt, je kommerzieller sich das Kino verhält.
Im Film verkörpert diese kalte Liebe der Filmproduzent Prokosch, der sich weniger für seine in sich schlüssige Verfilmung von Homers "Odyssee" interessiert, als vielmehr dafür, dass viele nackte Frauen im Film – „Das sind die Sirenen!“ – zu sehen sind. Das kam wohl nicht von ungefähr.
Es gibt etliche Szenen, in denen Godards Star Brigitte Bardot (Die Wahrheit – 1960; Mit den Waffen einer Frau – 1958; … und immer lockt das Weib – 1956) völlig nackt bäuchlings vor der Kamera liegt. Inhaltlich begründet sind diese Bilder nicht. Aber der Produzent, der sich Sorgen um die Einspielergebnisse machte, wollte Bardots nackten Hintern im Film sehen. Diese nachgedrehten Szenen, die weder farblich noch vom Licht her zum eigentlichen Film passen, kreisen um einen banalen Dialog. Da fragt die nackte Camille ihren (angezogenen) Ehemann säuselnd nach den Vorzügen ihres Körpers: „Findest du meinen Hintern hübsch? … Und was ist mit meinen Brüsten, gefallen sie dir? … Was hast du lieber: die ganze Brust oder die Nippel?“ Diese Serie von Fragen, die nach und nach fast alle Teile ihres Körpers streift, scheint sich nicht nur an den Ehemann, sondern ebenso an die Filmproduzenten zu richten, die die Nacktheit des weiblichen Körpers für ihre Zwecke ausbeuten. Während der Dreharbeiten verhielten sich die echten Produzenten immer mehr wie die Figur, die Jack Palance im Film verkörpert – ihr Hauptinteresse galt schließlich den Nacktszenen. Trotzdem hatte der Film später an den Kinokassen nur mäßigen Erfolg.
Das lag womöglich daran, dass Godard zwar wunderschöne Bilder inszeniert und professionelle, gute Schauspieler die Texte sprechen. Aber im Grunde dreht sich die komplette Handlung um Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, Warum liebst Du mich nicht mehr? Alle Antworten bleibt der Film letztlich schuldig, am wahrscheinlichsten ist die Möglichkeit, dass Camille sich von ihrem Mann Paul verkauft fühlt, damit der als Drehbuchautor Anschluss-Engagements einstreichen kann. Diese Intention liegt Paul zwar fern, aber beide pflegen eine im französischen Film häufig zu beobachtende Beziehung, in der sie ihn und er sie nicht versteht, beide sich eben noch necken und im nächsten Moment über ein Missverständnis in einen fürchterlichen Krach rutschen.
In einer langen Sequenz in der halbfertigen Eigentumswohnung der Javals diskutieren die beiden ihre Beziehung, schwören sich gegenseitig ihre Liebe, um diese kurz darauf wieder aufzukündigen, sich an- und ausziehen, baden, sich schlagen und wieder versöhnen. Es entfaltet sich die Hoffnungsarmut einer tragikomischen Ehe, die gleichzeitig großartiges Bildmaterial ergibt, Godard lässt hier seine ganze inszenatorische Kunst in die Kamera fließen. Aber dann ist der größter Zündstoff in dem langen Gespräch eben doch lediglich die Frage, ob eine Reise nach Capri zu dem unangenehmen, aber spendierfreudigen Produzenten angetreten werden soll und wenn ja, allein oder doch zu zweit. Anstatt, das Camille in dieser Szene einmal sagen würde, Ich habe das Gefühl, Du willst mich verkaufen, was aus ihrer Warte legitim wäre, streiten sich beide um des Kaisers Bart und kommen einer Lösung des Konflikts nicht näher.
Mehr Interesse legt Godard in filmische, historische und literarische Anspielungen in seinem Film. An einer Hauswand in Cinecittà hängen große Plakate von Howard Hawks‘ Hatari!, von Alfred Hitchcocks Psycho und der italienischen Fassung von Godards eigenem Film "Die Geschichte der Nana S."; einmal mokiert sich Camille über Paul, weil er mit Hut auf dem Kopf und Zigarre im Mund in der Badewanne sitzt, antwortet er, das habe Dean Martin in „Verdammt sind sie alle“ schließlich auch so gemacht. Fritz Lang, der sich in diesem Film selbst spielt, zitiert gerne Hölderlin-Verse oder, wenn er gefragt wird, wie er es aushalte, als Künstler an einer Hollywood-Produktion mitzuwirken, mit Bertold Brecht antwortet: „Jeden Morgen, mein Brot zu verdienen, / Geh’ ich zum Markt, wo Lügen verkauft werden. / Hoffnungsvoll / Reihe ich mich ein unter die Verkäufer.“
Mit seinen Zitaten und Anspielungen, kunstvollen Bildkompositionen und den sexistischen Einfällen des Produzenten, ist Godards "Die Verachtung" ein Stück für Liebhaber, deren akademisches Interesse an der Kinogeschichte größer ist als ihre Lust auf einen großen Kinofilm.
In Frankreich schauten sich den Film 235.000 Kinobesucher an, was für einen Film von Godard viel war, aber für einen Film mit Bardot wenig. Einer der Gründe dafür dürfte die Altersfreigabe ab 18 Jahre gewesen sein. Die Produktionskosten von 250 Millionen Francs (etwa eine Million US-Dollar und das Zehnfache des Budgets von Außer Atem) spielte "Die Verachtung" erst mit dem internationalen Verkauf – knapp – wieder ein.
