IMDB

Plakatmotiv: … und immer lockt das Weib (1956)

Männer mit sexuellen Besitzansprüchen
und Brigitte Bardot wird "Die B.B."

Titel … und immer lockt das Weib
(Et Dieu… créa la femme)
Drehbuch Roger Vadim & Raoul Lévy
Regie Roger Vadim, Frankreich 1956
Darsteller

Brigitte Bardot, Curd Jürgens, Jean-Louis Trintignant, Jane Marken, Jean Tissier, Isabelle Corey, Jacqueline Ventura, Jacques Ciron, Paul Faivre, Jany Mourey, Philippe Grenier, Jean Lefebvre, Leopoldo Francés, Marie Glory, Georges Poujouly, Christian Marquand, André Toscano, Roger Vadim u.a.

Genre Drama
Filmlänge 95 Minuten
Deutschlandstart
8. März 1957
Inhalt

Saint-Tropez: Die 18-jährige Waise Juliette wird von dem kinderlosen Ehepaar Morin aufgenommen. Sehr zum Leidwesen ihrer konservativen Adoptiveltern verfallen die Männer reihenweise dem Charme der attraktiven Juliette.

Der Nachtclubbesitzer Eric Carradine, ein reicher Mann um die 40, macht ihr den Hof, aber Juliette ist in Antoine Tardieu verliebt. Antoine betreibt mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern Michel und Christian eine kleine Werft. Als Juliette begreift, dass Antoine in ihr nur einen Zeitvertreib sieht, verweigert sie sich ihm. Unter der Drohung, ins Waisenhaus zurückgeschickt zu werden, willigt sie schließlich in eine Heirat mit Antoines Bruder Michel ein, der sie abgöttisch liebt.

Als Juliette bei einem Bootsbrand in Gefahr gerät, rettet Antoine ihr das Leben. Die beiden nähern sich wieder an und beginnen schließlich eine Affäre. Als Michel von der Liebschaft erfährt, ergreift Juliette von Scham getrieben die Flucht. Michel will ihr folgen, aber Antoine stellt sich ihm in den Weg. Es entwickelt sich ein heftiger Kampf zwischen den Brüdern. In einer Bar kommt es schließlich zum dramatischen Showdown, bei dem auch Juliettes Verehrer Eric dabei ist …

Was zu sagen wäre

Das ist der Film, durch den eine junge Frau aus gutem Pariser Hause mit Namen Brigitte Bardot zur weltberühmten Ikone "B.B." wurde. 1956 wurde er gedreht, da war ich noch nicht geboren. Ich habe ihn in den späten 1990er Jahren gesehen, da waren die Zeiten längst andere, als die im Film dargestellte, und St. Tropez war auch kein Fischerdorf mehr.

Bardot war damals mit dem Regisseur des Films, Roger Vadim, verheiratet, fing aber während der Dreharbeiten zu diesem Film ein leidenschaftliches Verhältnis mit ihrem Spielpartner Jean-Louis Trintignant. Roger Vadim blieb nicht viel anderes übrig, als den Verlust hinzunehmen und die beiden Turteltauben in Liebesszenen vor der Kamera zu inszenieren– die hatte er ja selbst ins Drehbuch geschrieben.

Stünde nicht Bardot als Juliette vor der Kamera sondern irgendwer, wäre der Film wahrscheinlich in den Läufen der Zeit verloren gegangen. Er ist nicht gut gealtert. Eine junge Frau entdeckt ihre Sexualität, will ihr Leben mit Leben gestalten und nicht gleich aus dem Waisenhaus raus verheiratet werden, will nicht von einem Gefängnis ins andere gehen. Plakatmotiv: … und immer lockt das Weib (1956) Drei Männer spielen eine Rolle, die ihr ohne Scheu Avancen machen, sehr offen signalisieren, dass sie sie ins Bett bekommen wollen – erstaunlich für einen Film aus dem jähr 1956. Erstaunlich auch ihre, Juliettes, Reaktion. In jenen Tagen kannte man im Film vor allem den Typ Frau ohne Meinung, der sich willenlos den Männern unterordnet. Juliette hingegen hat einen ausgeprägten Willen. Man erfährt nicht genau, was sie will, Geld und schöne Autos würden ihr schon gefallen; aber vor allem will sie sich nicht als Trophäe von Bett zu Bett reichen lassen. Sie heiratet dann den jüngsten der drei Männer. Auch hier bleibt die Erklärung vage. Michel ist der einzige, der sie offenbar nicht als Pokal über Bett stellen will und Juliette fühlt sich auf Augenhöhe.

Anders bei den beiden anderen Männern. Der eine, Eric, ist viel älter als sie. Curt Jürgens spielt ihn als aligatorhaften Geck, der mit Geld, schnellen Autos und Chefallüren protzt: „Wenn man graue Schläfen hat, hat man gelernt zu warten. Eilig hat man es nur, wenn man jung ist.“ Jürgens war damals schon ein Star ("Des Teufels General" – 1955). Sein Name sicherte die Finanzierung des Films. Für viel Geld bot er wenige Drehtage an und verlangte, im Vorspann an erster Stelle zu stehen. Aber als man ihm den fertigen Film zeigte, forderte er umgehend, seine Kollegin vor ihm zu nennen. Denn klar war: Mit diesem Film war "die Bardot" geboren. Der andere Mann ist Michels älterer Bruder, der sich in Marseille ein zweites berufliches Standbein aufgebaut hat und sich einbildet, Juliette unbedingt besitzen zu müssen.

Sympathisch wird einem in diesem Film niemand. Juliette weiß, was sie nicht will und geht an ihrer Langeweile in dem Fischerdörfchen beinahe zugrunde. Die drei Männer sind vor allem mit sich beschäftigt und führen ihre Eitelkeit spazieren.

Spannend bleibt der Film auf akademischer Ebene. Er entlarvt anschaulich, wie damals Kinostoffe entwickelt wurden. Dass Männer seit der Stummfilmzeit Frauen nach fünf gemeinsamen Filmminuten in ihre Arme zogen und küssten, daran hatten wir uns gewöhnt und wir Nachgeborenen, die mit Alice Schwarzers strengem Gesicht aufgewachsen waren, waren mit Godzilla- und Katastrophenfilmen im Kinosaal sozialisiert worden, wo das Mann-und-Frau-Ding eine eher untergeordnete Rolle spielte. Dass Prinzessin Leia für unsere Elterngeneration als emanzipierte Heldin galt, war uns unverständlich. Bardots Juliette muss für unsere Eltern ein Schrecknis gewesen sein: eine Frau, die selbst über sich und ihren Körper bestimmt – so ziellos sie das auch tut.

Visuell ist "…und immer lockt das Weib" ein sehnsuchtsvoller Sommerfilm, der uns im Kino an die Côte d'Azur einlädt. Alte Häfen, Strand, kleine Bars, kein Score, der uns von der Atmosphäre ablenkt. Der französische Titel zitiert lose Genesis 2:22: "L`Éternel Dieu créa une femme de la côte qu`il avait prise de l`homme, et il l`amena vers l`homme" (die Auslassungspunkte im französischen Filmtitel "Et Dieu… créa la femme" wurden aus Effektgründen eingesetzt).

Wertung: 4 von 7 D-Mark
IMDB