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Plakatmotiv: Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966)

Zwitter aus lahmem Karl May
und blutigem Italowestern

Titel Winnetou und sein Freund Old Firehand
Drehbuch Harald G. Petersson & David deReszke & C.B. Taylor
frei nach Motiven von Karl May
Regie Alfred Vohrer, BRD, Jugoslawien 1966
Darsteller

Pierre Brice, Rod Cameron, Marie Versini, Todd Armstrong, Harald Leipnitz, Nadia Gray, Walter Wilz, Jörg Marquardt, Rik Battaglia, Viktor de Kowa, Vladimir Medar, Miha Baloh, Aleksandar Gavric, Dusan Antonijevic, Ilija Ivezic u.a.

Genre Abenteuer, Western
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
13. Dezember 1966
Inhalt

Als der Apachenhäuptling Winnetou, seine Schwester Nscho-tschi und einige Apachen-Krieger eine Herde Wildpferde zu ihren Weidegründen treiben, werden sie von einer Bande von Ganoven überfallen. Die Indianer flüchten nach Miramonte, einem Städtchen im Grenzgebiet zwischen New Mexico und Texas. Unterwegs treffen sie den Pelzjäger Jason Waade, besser bekannt unter dem Namen Old Firehand. Er ist mit seinen Weggefährten ebenfalls auf dem Weg in Richtung Miramonte.

Gemeinsam mit den Indianern schlagen sie die Banditen, die im Auftrag des brutalen Silers unterwegs sind, in die Flucht. Derweil kündigt sich in Miramonte weiteres Unheil an. Silers’ Bruder Billy-Bob ist wegen Falschspielerei verhaftet worden. Nun setzt Silers die Bürger unter Druck. Er droht mit blutiger Vergeltung, sollte sein Bruder nicht auf freien Fuß gesetzt werden. Doch der aufrechte Captain Mendozza will sich von den Verbrechern nicht einschüchtern lassen.

Mendozza und seine Männer schließen sich mit der Gruppe um Winnetou und Old Firehand zusammen. Aber nicht nur Gefahren und Abenteuer erwarten die Männer: Old Firehand etwa trifft in Miramonte seine alte Liebe Michele wieder und er findet heraus, dass der junge, temperamentvolle Jace sein Sohn ist. Für Romantik bleibt allerdings nicht viel Zeit. Billy-Bob wird bei einem Fluchtversuch erschossen.

Als Silers vom Tod seines Bruders erfährt, nimmt er grausame Rache. Zunächst metzelt er eine Reihe von Stadtbewohnern nieder, die aus Miramonte fliehen wollen. Am nächsten Tag kommt es zu einem dramatischen Kampf, als die Banditen ihren ersten Angriff gegen den Ort starten. Plakatmotiv: Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) Nach erbitterten Feuergefechten müssen sich die Verteidiger um Winnetou, Old Firehand und Mendozza in die Kirche zurückziehen. Es gelingt Winnetou, sich hinter die feindlichen Linien durchzuschlagen. Er muss erkennen, dass Silers sich mit dem mexikanischen Desperado Quilvera und dessen Männern verbündet hat. Aber trotz dieser Übermacht gelingt es den Banditen nicht, den Widerstand der Stadtbewohner zu brechen …

Was zu sagen wäre

Nach Motiven von Karl May“ steht im Vorspann. Diese Motive erschöpfen sich in etwa auf die Namen der Hauptfiguren Winnetou, Old Firehand und Nscho-tschi. Der Rest stammt aus der Feder der Drehbuchautoren. Und die treiben dem Winnetou seinen Karl May gründlich aus und orientieren sich lieber nach Italien. Dort sind in den vergangenen Jahren drei Western entstanden, die von dem völkerverbindenden Pathos der Karl-May-Welt nichts mehr wissen wollen, dafür aber als Wiederbelebung des Westerns gefeiert werden: Für eine Handvoll Dollar (1964), Für ein paar Dollar mehr (1965) und Zwei glorreiche Halunken (1966). Western, die den Zynismus der Gesetzlosen auf die Spitze treiben und einsame Männer zu wortkargen Rettern stilisieren.

Die Winnetou-Filme der Rialto-Film dagegen ziehen immer weniger Menschen ins Kino, obwohl doch auch dort skrupellose Gesetzlose ihr Unwesen trieben. Produzent Horst Wendlandt und sein Regisseur Alfred Vohrer haben daraus den Schluss gezogen, dass die Winnetou-Welt ein wenig schmutziger werden muss. Jetzt spielt der Film in einem mexikanischen Grenzstädtchen, das so aussieht, wie ein mexikanisches Städtchen aus der Dollar-Trilogie, deren Bürger sind ähnlich furchtsam und bekreuzigen sich auch ununterbrochen. Die Banditen machen auch mit betenden Padres kurzen Prozess und eine schweigsame Ehefrau, die die Feigheit ihres Mannes nicht mehr erträgt, sprengt sich mit diesem lieber in die Luft, als sich das weiter mit ansehen zu müssen. Sogar die Sprache der Figuren klingt rauer: Winnetou darf endlich „Ich werde das Gelände erkunden“ sagen statt „Winnetou wird das Gelände erkunden.“ Und wahrscheinlich, um auch wirklich nichts Italowesternmäßiges zu vergessen, sieht auch ein mexikanischer Bandenchef aus wie ein Bruder von Eli Walach, der in John Sturges' ähnlich gelagertem Welterfolg Die glorreichen Sieben (1969) einen mexikanischen Bandenboss spielte und den zwielichtigen Tuco in Zwei glorreiche Halunken.

Auch die Musik folgt der Zeit und dem Einfluss der harten Gitarrenklänge Enno Morricones. Den Stuhl des Komponisten hat Peter Thomas von Martin Böttcher übernommen, der auch die Musik für die momentan laufende TV-Serie "Raumpatrouille" komponiert hat. Tatsächlich reiten jetzt Banditen oder mexikanische Bauern zu Klängen über karges Land, die denen des Raumschiff-Orion-Scores sehr ähnlich sind und auf jeden Fall härter als Martin Böttchers sanfte Begleitmusik.

Dem Film helfen all diese Anlehnungen nicht auf die Beine. Obwohl auch wieder ordentlich viel in die Luft fliegt und eine ganze Stadt zerstört wird. Mal abgesehen davon, dass der Film mit Karl May nichts zu tun hat – sowas passiert, wenn man Literatur den Händen von Filmproduzenten überlässt – hat der Film auch mit Winnetou kaum etwas zu tun, der kaum vorkommt und sich sogar von einem tumben mexikanischen Banditen übertölpeln lassen muss. Der Film passt auch zeitlich gar nicht. Die Handlung spielt vor Winnetou, 1. Teil, an dessen Ende Nscho-tschi erschossen wird, die hier noch an seiner Seite reitet. Plakatmotiv: Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) Aber in "Winnetou und sein Freund Old Firehand" gilt Winnetou bereits als der „große Häuptling der Apachen“, der das Land geeint habe, obwohl zu dieser Zeit sein Vater Intschu-tschuna noch lebt, der dann im ersten Winnetou-Film zur selben Zeit getötet wird wie Nscho-tschi.

Winnetous Freund, Old Firehand, ist mehr ein gütiger Onkel, der am Kaminfeuer Geschichten erzählt, als ein Trapper, der ein hartes Leben in den Bergen lebt. Die Old-Firehand-Rolle sollte ein erfahrener Western-Darsteller übernehmen. Produzent Horst Wendlandt verhandelte zunächst mit Robert Preston, auch Van Heflin war im Gespräch. Schließlich hatte er bei dem 56-jährigen Kanadier Rod Cameron Erfolg, der in Deutschland aber nur älteren Kinogängern bekannt war. Im Film wird der harte Trapper von einer Frau gezähmt, in die er vor 18 Jahren mal verliebt war und die aus dieser Liaison ohne sein Wissen ein Kind zur Welt brachte. Diese Geschichte spielt im Film eine wesentliche Rolle zwischen den Explosionen und Schießereien und wird auf dem Niveau früherer Karl-May-Verfilmungen – Motto: "Für die ganze Familie" – erzählt. Man kann im Kinosessel dabei zusehen, wie die beiden widerstreitenden Formate Familienfilm gegen Italowestern den Film zerreißen.

Es wäre ein interessanter Versuch gewesen, das Karl-May-Mäntelchen ganz wegzulassen und sich ganz auf die Ursprungsstory der Amerikaner David deReszke und C.B. Taylor einzulassen. Nachdem Produzent Wendlandt zwei für dieses Karl-May-Projekt schon geschriebene Drehbücher abgelehnt hatte, kaufte er die Rechte an dem Western-Stoff der Autoren deReszke und Taylor, deren Drehbuch unter dem Namen "Thunder at the Border" bereits als Roman erschienen war. Wendlandt ließ das Drehbuch von Harald G. Petersson überarbeiten, der die Hauptfigur Jason Waade zu Old Firehand machte und als Nebenfiguren Winnetou sowie Nscho-tschi hinzufügte. Vielleicht wäre ohne Winnetou ein ordentlicher Western entstanden, der Karl May auf der einen und dem Italowestern auf der anderen Seite was ganz Neues gegenüber gestellt hätte.

Aber das sind nutzlose Spekulationen. So wie es ist, kann man wohl sagen: Das Konzept der Karl-May-Verfilmungen ist zu Tode geritten.

Wertung: 2 von 8 D-Mark
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