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Plakatmotiv: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1968)

Und jetzt reitet bitte
in den Sonnenuntergang

Titel Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
Drehbuch Herbert Reinecker & Harald Reinl
frei nach Motiven von Karl May
Regie Harald Reinl, BRD, Italien, Jugoslawien 1968
Darsteller

Lex Barker, Pierre Brice, Rik Battaglia, Karin Dor, Ralf Wolter, Fred Vincent, Kurt Waitzmann, Heinz Welzel, Branko Spoljar, Vladimir Medar, Vojislav Govedarica, Eddi Arent u.a.

Genre Abenteuer, Western
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
12. Dezember 1968
Inhalt

Banditen überfallen das US-Fort Dawson, um die Kriegskasse der Armee zu rauben. Major Kingsley kann das Gold in Sicherheit bringen, ehe er schwer verletzt in den Armen seines Freundes Winnetou stirbt.
Vor dem Armeegericht wird der Verschollene jedoch beschuldigt, die Kriegskasse veruntreut und sich klammheimlich nach Mexiko abgesetzt zu haben. Kingsleys Tochter Mabel  will die Ehre ihres Vaters wiederherstellen und bewirkt eine Unterbrechung des Verfahrens um 60 Tage. Sie befindet sich im Besitz eines Briefes, in dem ihr der Major das Versteck des Goldes mitteilt. Beschützt von Old Shatterhand und seinem Blutsbruder Winnetou macht sich die unerschrockene junge Frau auf den beschwerlichen Weg zu jenem furchterregenden Ort, an den sich normalerweise kein Sterblicher vorwagt.
Auf diese Gelegenheit hat der Schurke Murdock nur gewartet. Um den Brief an sich zu reißen, stellt er Old Shatterhand und Winnetou eine Falle. Zu allem Überfluss befinden sich die Sioux-Indianer auf dem Kriegspfad. In den giftigen Dämpfen des Tals des Todes kommt es zur entscheidenden Schlacht …

Was zu sagen wäre

Gold ist der Zerstörer der Menschheit. Diese Erkenntnis hat uns schon in einigen Karl-May-Verfilmungen ereilt. Auch hier ist Gold wieder der Motor für Gräueltaten, Morde und Intrigen. Dabei ist das hier gar keine Karl-May-Verfilmung. Es gibt zwar einen May-Roman namens "Im Tal des Todes", aber der hat nichts mit diesem Film zu tun. Natürlich wurden Motive von Karl May verwendet – die Figuren, der Fluch des Goldes, die Ehre eines Mannes, die Verständigung unter den Völkern, die nötig ist, um Frieden zu wahren. Diese Punkte ergänzt Karl-May-Profi Harald Reinl, der mit Der Schatz im Silbersee die besondere Sprache für diese Verfilmungen gesetzt hat, um die Zutaten, die diese Filme zu ordentlichen Abenteuerfilmen gemacht haben; auch die freundlichen Indianer vom Stamm der Sagen sind zurück sowie Götz George, der nach dem Silbersee aus der Winnetou-Welt verschwunden war.

Zunächst einmal geht es nur um eine ordentliche Ladung Gold, die Kriegskasse der Armee, die verschwunden ist. Also das Budget, dass die Armee benötigt, um Kriege führen zu können. Dann geht es um die ehre des Offiziers, der das Gold während eines Angriffs in Sicherheit gebracht hat. Dann um einen Brief, der die Lage des Goldes verraten soll, der aber in Apache verfasst ist und auch nur sagt, dass Winnetou der einzige Mann ist, der weiß, wo diese Ladung versteckt ist. Daraufhin werden alle möglichen Leute entführt und gefoltert, damit sich die Guten erpresst fühlen sollen – das ist ja das Handlungsmuster ganz vieler Winnetou-Filme. Dazu sagt Winnetou wieder „Winnetou“ statt „Ich“, was gestelzt klingt, aber nach dem unfertigen Winnetou und sein Freund Old Firehand doch angenehm vertraut. Und auch die intime Freundschaft zwischen Old Shatterhand und Winnetou glänzt in alter Blüte. Das macht aus dem Film kein herausragendes Kunstwerk, aber doch das familiär angehauchte Sonntagnachmittag-Abenteuer, das wir erwarten, wenn die beiden Figuren auf dem Filmplakat stehen. Womöglich hat das mit dem Produzentenwechsel zu tun.

Horst Wendlandt hatte im März 1967, nach der Pleite mit Winnetou und sein Freund Old Firehand, verkündet, keine weiteren Karl-May-Filme mehr produzieren zu wollen. Im November 1967 stieg Produzent Artur Brauner ein. Brauner verwarf den ersten Drehbuchentwurf, in dem Winnetou nur eine kleine Rolle an der Seite von Old Firehand spielte. Brauner wollte aber „starke wie außerordentliche Handlungen für Winnetou und Old Firehand“. Dafür spendierte Brauner sogar Aufnahmen aus dem fernen Amerika. Um den immer gleichen weißen Felsen und grünen Weiten Jugoslawiens ein bisschen Henry Hathaway beizumischen (Die vier Söhne der Katie Elder – 1965; Das war der wilde Westen – 1962; Land der 1000 Abenteuer – 1960; Der Garten des Bösen – 1954; Niagara – 1953), drehte ein kleines Team am Grand Canyon mit Doubles einige Reitszenen, die in den Film eingebaut wurden – da bekommt die Karl-May-Welt einen kleinen Hauch von John-Ford-Country.

Herbert Reinecker übernahm das Schreiben und lieferte im April 1968 ein Script, das wirkt wie ein Best-of-Winnetou-Filme, das keine überraschenden Wendungen liefert, sondern solides Abenteuer für Fans. Westernfans haben sich dem Italowestern zugewandt, aber die Karl-May-Filme waren ohnehin mehr Abenteuer als Western. Hier gibt es Schießereien, exotische Indianerstämme; Old Shatterhand besiegt im Zweikampf Dutzende durchtrainierte Sioux, jede Menge Dynamitstangen explodieren und im Finale steht ein grusliges mit Skeletten und gelbem Schwefeldampf durchseuchtes Tal des Todes.

Mitten darin in der Schurkenrolle Rik Battaglia, der eben noch den engagierten, gutmütigen Captain Mendozza in Winnetou und sein Freund Old Firehand gespielt hat und noch ein Jahr zuvor als Rollins den Kinomord des Jahrzehnts verübte, indem er Winnetou erschoss. Das neuerliche Auftreten Battaglias, jetzt als blutrünstiger Schurke Murdock irritiert den Fan ebenso wie das Auftreten Karin Dors, die doch erst als Ribanna das Herz Winnetous zunächst erobert und dann gebrochen hat. Ist die Riege der zur Verfügung stehenden Schauspieler so klein?

In seiner ganzen Durchschnittlichkeit liefert der Film große melancholische Momente der Besinnung. Alles nochmal wie damals, beim "Schatz im Silbersee", an den dieser Film so brachial erinnert. Und danach reitet die Serie der Karl-May-Filme hoffentlich in den Sonnenuntergang.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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