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Plakatmotiv: Die Letzten beißen die Hunde (1974)
Eine lockere Buddy-Posse in malerischer
Landschaft, die in Melancholie gipfelt
Titel Die Letzten beißen die Hunde
(Thunderbolt and Lightfoot)
Drehbuch Michael Cimino
Regie Michael Cimino, USA 1974
Darsteller Clint Eastwood, Jeff Bridges, George Kennedy, Geoffrey Lewis, Catherine Bach, Gary Busey, Jack Dodson, Eugene Elman, Burton Gilliam, Roy Jenson, Claudia Lennear, Bill McKinney, Vic Tayback, Dub Taylor, Gregory Walcott u.a.
Genre Komödie, Crime
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
26. September 1974
Inhalt

Der ehemalige Dieb John Doherty genannt „Thunderbolt“ ist in einem abgelegenen Ort als Prediger abgetaucht. Die vermeintliche Dorf-Idylle wird jedoch abrupt gestört, als ihn plötzlich ein früherer Komplize während einer Predigt in der Kirche beschießt.

Thunderbolt entkommt durch den Hinterausgang und und kann gerade noch in einen Ford Mustang hechten, der des Wegs kommt und bei der Gelegenheit den lästigen Verfolger verfolgungsunfähig fährt. Am sSeuer sitzt „Lightfoot“, selbst gerade auf der Flucht, weil er das Auto, das er steuert eben erst einem Gebrauchtwagenhändler umterm Hintern weggekaut hat. Die Männer freunden sich an. Lightfoot erfährt, dass Thunderbolt vor Jahren an einem Raubüberfall auf die Firma Montana Armed beteiligt war und die Beute versteckt hat, um Gras über die Sache wachsen zu lassen. Seine ehemaligen Komplizen gehen aber davon aus, dass Thunderbolt sie um ihren Anteil der Beute gebracht hat. Schließlich verfolgen sie ihn, um ihn zur Strecke zu bringen.

Thunderbolt und Lightfoot wollen zu der alten Schule fahren, wo die Beute hinter der Tafel des einzigen Klassenzimmers versteckt wurde. Dort angekommen müssen sie jedoch feststellen, dass das Gebäude abgerissen und durch eine moderne Schule ersetzt wurde. Verfolgt werden Thunderbolt und sein Partner dabei von den damals ebenfalls am Raubüberfall beteiligten Eddie Goody und Red Leary. Sie beschließen ein Bündnis, um die Firma Montana Armed einfach nochmal auf diesebe Art und Weise wie damals zu überfallen. Dafür gehen sie eine Weile ganz gewöhnlichen Jobs nach, denn sie benötigen Geld für die Durchführung des Überfalls. Das Bündnis ist wacklig, weil sich Lightfoot und Leary dauernd in die Haar kriegen.

Plakatmotiv (US): Thunderbolt and Lightfoot – Die Letzten beißen die Hunde (1974)Thunderbolt und Leary dringen in das Haus der Familie des Bankdirektors ein und erpressen von ihm die Zahlenkombination zum Tresorraum. Im Tresorraum müssen die ehemaligen Kriegskameraden noch ein Hindernis überwinden und schießen mit einer Kanone aus dem Koreakrieg ein Loch in die Wand, um an die Beute zu kommen. Nach dem Raub planen sie, sich in einem Autokino zu verstecken. An der Kasse des Kinos muss der im Kofferraum versteckte Leary niesen, woraufhin die Kassiererin misstrauisch wird. Sie alarmiert die Polizei …

Was zu sagen wäre

Ein Filmregisseur sucht Amerika, kann es nirgends mehr finden und inszeniert es sich einfach neu. Michael Cimino präsentiert uns ins seinem Regiedebüt schönste Americana. Die Menschen sind ziemlich, na man könnte vielleicht sagen, abwechslungsreich – aber die meisten sind Arschlöcher oder artverwandete Loser. Dafür leben sie einer Welt, wie man sie sich schöner wirklich kaum malen kann. Cimino ist mit seiner Crew nach Montana gereist und holt aus dem nordwestlichen Bundestaat der USA das Beste heraus – Bergseen, weite Prairie, malerisch eingebettete Flüsse, blaue Berge. Die Städte, in denen die Menschen leben müssen, sind meist dunkel – je größer die Stadt, desto tiefer die Nacht und kälter das Neon. Cimino begleitet Männer, die außerhalb der domestizierten Gesellschaft leben, durch ein fröhliches Road Movie für Jungs … bis es Nacht ist und alles schief geht.

Die vier Partner, die sich hier zusammenraufen, sind wunderbare Charaktere, vielseitig, wie die Landschaft, durch die sie cruisen. Ich schaue den Männern gerne zu, weil sie alle einen Catch haben, eine Eigenart, die sie interessant macht. Was sie so machen, finde ich eher nicht so wichtig – ein Bankraub halt mit sehr großer Kanone gegen die Dirty Harrys 44. Magnum wie eine Derringer wirkt. Cimino schafft es, einen Film über gute Typen in malerisch schöner Landschaft zu drehen, elegant fotografiert von Frank Stanley, bei dem die Story ganz zweitrangig ist und die dann – ausgerechnet – über die aufmerksame Mitarbeiterin eines Autokinos stolpern. Clint Eastwood gibt als Thunderbolt seinem Image als knurrender Wachhund der Branche ein paar lockere Charakterzüge mit schreiendem Modegeschmack bei. Jeff Bridges (Die letzte Vorstellung – 1971), der wieder aussieht, wie gerade den Windeln entwachsen – und deshalb auch sehr glaubhaft für den Banküberfall in Kleider und Perücke einer langbeinigen Blondine steigen kann – spielt diesen Lightfoot locker und tough, naiv und unbeschwert; dass er jedes Mädchen vom Tresen pflücken kann, glauben wir ihm (in den Grenzen jenes speziellen Hollywood-Universums, wo Männer nur Howdie sagen müssen und schon fallen ihnen die Frauen ins Bett) ebenso, wie seinen akuten Schiss, als die Lage ernst wird, der Kleine ist noch mehr cool als professionell. Geoffrey Lewis, der sein Blauauge zuletzt mit Terence Hill in „Mein Name ist Nobody“ (1973) maß und der gegen Eastwood schon in Ein Fremder ohne Namen (1973) den Kürzeren zog, gibt souverän den stoischen Prügelknaben, an dem alle immer ihr Mütchen kühlen, der dennoch zuverlässig und loyal ist.

George Kennedy – „I get old!“ – ist special: Die Nummer, die er hier runterspielt, wäre es wert zusammengeschnitten und als eigener Film angeschaut zu werden. Es ist eine komplexe, zwischen Drama und Kater Carlo oszillierende Performance als alternder, verbitterter, aufbrausender Charakter: „Du kannst besser Fragen stellen als sie beantworten!“ Der Höhepunkt dieser George-Kennedy-Festspiele ist erreicht, wenn er in einem viel zu kleinen eiswagen durch immer gleich aussehende Suburb-Straßen irrt und sich von einem heimischen Jungen anherrschen lassen muss, er sei erstens viel zu früh, weil er seine Strecke nicht eingehalten habe und er zweitens bei der Konkurrenz kaufen werde, weil deren Pistazieneis viel besser schmecke – „Go Kid, fuck a Duck!“ Eine präzise getimte Nummernrevue dieses wunderbaren Supporting Actor (Airport – 1970; Bandolero – 1968; Der Unbeugsame – 1967; Das dreckige Dutzend – 1967; Der Flug des Phoenix – 1965; „Die vier Söhne der Katie Elder“ – 1965; Der Mann vom großen Fluss – 1965).

Und dann ändert Cimino den Tonfall seiner lockeren Komödie – er beherrscht sowas: Er hat Drehbuch zu Silent Running (1972) geschrieben, aus dem Douglas Trumbull dann jenen komplexen Science Fiction Klassiker machen konnte. Mit seinem zweiten Script – Magnum Force – empfahl er sich offensichtlich bei Clint Eastwood, dessen Produktionsfirma Malpaso ihn für „Thunderbolt and Lightfoot“ als Debütant auf den Regiestuhl hievte. Als es in diesem Debüt Nacht geworden ist über Montana, öffnen sich die dunklen Seelen seiner Figuren. Ein großes, melancholisches Männer-Märchen über die Einsamkeit des Wolfes in einer Welt voller Schafe.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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