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Plakatmotiv: Manche mögen's heiß (1959)
Ein großer Spaß!
Titel Manche mögen's heiß
(Some like it hot)
Drehbuch Billy Wilder + I.A.L. Diamond
nach einer Geschichte von Robert Thoeren und Michael Logan
Regie Billy Wilder, USA 1959
Darsteller Marilyn Monroe, Tony Curtis, Jack Lemmon, George Raft, Pat O'Brien, Joe E. Brown, Nehemiah Persoff, Joan Shawlee, Billy Gray, George E. Stone, Dave Barry, Mike Mazurki, Harry Wilson, Beverly Wills, Barbara Drew u.a.
Genre Komödie, Romantik
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
17. September 1959
Inhalt

Im Jahr 1929, zur Zeit der Prohibition, betreibt der Mobster Gamaschen-Colombo in Chicago einen als Beerdigungsinstitut getarnten Nachtclub, in dem illegal Alkohol ausgeschenkt wird. Detective Mulligan bekommt von Spitzel Zahnstocher-Charlie einen Tipp und lässt den Club hochgehen. Als er mit seinen Leuten zur Razzia anrückt, können Jerry und Joe, Kontrabassist und Saxophonist der Clubkapelle, flüchten, haben jetzt aber auch keinen Job mehr. Ihr Agent Sig Poliakoff sucht zwar dringend eine Bassgeige und ein Saxophon, allerdings für eine Damenkapelle.

In einer Autogarage werden sie Zeugen, wie Gamaschen-Colombo Zahnstocher-Charlie und seine Kumpane aus Rache für den Verrat umlegen lässt. Um sich vor den Killern zu verstecken, nehmen sie das Engagement an – verkleidet als Daphne und Josephine. Die von der resoluten Sweet Sue und dem trotteligen Manager Beinstock geleitete Kapelle ist gebucht für das Seminole Ritz in Miami.

Auf der Zugfahrt nach Florida verlieben sich beide in Sugar, die bildhübsche Sängerin und Ukulelespielerin der Band. Beim Proben wird Sugar von Sweet Sue mit einem Fläschchen Whiskey erwischt, doch Daphne behauptet, es sei ihres, und bewahrt sie so vor dem Rausschmiss. Nachts schleicht Sugar heimlich zu der Kabine ihrer Retterin, um sich zu bedanken. Als die anderen Frauen davon Wind bekommen, artet das Tête-à-Tête zu einer Cocktailparty in Daphnes Bett aus. Im Ritz werden die beiden „Konservatoriums-Damen“ alsbald selbst zum Objekt der Begierde. Osgood Fielding III., ein älterer Millionär und Schürzenjäger, verliebt sich unsterblich in das „Rasseweib“ Daphne. Der frühreife Hotelpage will unbedingt mit Josephine anbandeln. Doch Joe macht sich an Sugar heran.

Verkleidet als Millionenerbe Shell Junior und in das Wall Street Journal vertieft, lernt er sie „ganz zufällig“ am Strand kennen. Sugar versucht bei ihrer „neuen Bekanntschaft“ Eindruck zu schinden und flunkert, sie sei auf dem Konservatorium gewesen. Abends lädt Osgood Daphne zum Dinner auf seine Yacht ein. Doch Joe überredet Jerry, ihn an Land festzunageln. Während Osgood und Daphne in einer Bar Tango tanzen, kann er als angeblich schwerreicher Ölmagnat Sugar zum Rendezvous auf „sein“ Schiff bitten. Er gibt vor, nach dem tragischen Unfalltod seiner Verlobten völlig unempfänglich für weibliche Reize zu sein. Sugar ist erschüttert und setzt alles daran, ihn zu heilen. Bei der Therapie setzt sie neben Champagner und Musik ganz auf ihre Verführungskünste, umarmt und küsst den „armen Mann“ hingebungsvoll. Zunächst täuscht Joe vor, nichts zu spüren, doch Sugars Ehrgeiz ist geweckt, und so setzt sie ihre Rettungsmission fort – nicht ohne zahlreiche weitere Küsse zu Kontrollzwecken – bis er endlich erste Anzeichen der Genesung zeigt. Währenddessen macht Osgood Daphne einen Heiratsantrag …

Plakatmotiv (US): Some like it hot (1959)

Was zu sagen wäre

Billy Wilder dreht eine Männer-in-Frauenkostümen-Komödie und landet einen veritablen Hit. An diesem Film stimmt alles, angefangen bei der Fallhöhe der wirklich tödlichen Schergen des Gamaschen-Colombo. Wilders Losung lautet: Mädchen jagen Millionäre, Jungs jagen Sex. Beide geben dafür alles. Also plustern die Männer sich zu Millionären oder Gangstern – oder Frauen – auf, damit sie die tollste Frau kriegen – oder um wenigstens wahrgenommen zu werden.

Die Komödie beginnt mit einem Blutbad. Gamaschen Colombo lässt die Gang eines Spitzels hinrichten. Die zwei Zeugen des Massakers können entkommen, haben in ihrem Leben aber auch nichts zu lachen – kein Geld, kein Job, kein Dach überm Kopf. Als es schlimmer für die beiden nicht werden kann, greift Joe zum Telefon, verstellt seine Stimme und ruft einen Künstleragenten an, der zwei Frauen für einen Drei-Monats-Job in Miami sucht. An dieser Stille kippt die Dramaturgie aus dem Blutigen hin zur komischen Nummer.

An dieser Stelle zeigt sich aber auch, wie Billy Wilder inszeniert. Während des Anrufs mit verstellter Stimme ist uns klar, dass er die beiden weiblichen Kapellenplätze besetzen möchte, die zuvor erwähnt wurden, aber für Joe und Jerry natürlich nicht in Frage kommen (und auch Jerrys dauerndes Insistieren, man müsse es doch nur bis nach Miami schaffen und könne sich dann doch verdrücken, hatten nicht gefruchtet). Dann schneidet Wilder auf zwei ungelenk in High Heels stöckelnde Beine. Was dazwischen passiert ist – Kleider suchen, umziehen, schminken usw. – muss, unbd kann, der Zuschauer sich denken; Wilder gibt seiner Komödie mit solcher Schnitttechnik ordentlich Schwung.

Dieser Film ist erstaunlich. Allein schon, weil er gedreht worden ist trotz der strengen Augen des gestrengen Production Codes. Männer und Frauen in einer Schlafkoje eines Nachtzuges, die Alkohol trinken und sich amüsieren? Das in einer Zeit, in der sogar Ehepaare im Film in getrennten Betten schlafen? Auch hier zeigt sich die Meisterschaft Wilders, dem der Umgang mit dem Wort grundsätzlich wichtiger ist, im Umgang auch mit dem Bild. Marilyn Monroes ersten Auftritt zeigt er – nach einer kurzen halbtotalen von vorne – indem er ihren hüftstarken Gang am Zug entlang in High Heels und Nylons von hinten zeigt, als der Zug plötzlich heißen Dampf ausstößt. „Wie die sich bewegt. Wie ein Pudding. Wie eine Götterspeise auf Beinen. Als ob die irgendetwas eingebaut haben. Irgendeinen Apparat. Das sind ganz anders konstruierte Lebewesen.

Später küsst Sugar Joe, dessen Brille in der Hitze der Emotionen beschlägt und der dann sein linkes Bein leicht anhebt – ein Schelm, wer an ein anderes, steigendes Körperteil erinnert wird. Joe wundert sich dann: „Wo hast Du so gut küssen gelernt?“ „Ich habe Küsse für den Milchfonds verkauft“ … „Erinnern Sie mich, dass ich dem Milchfonds 100.000 Dollar spende.“ Im Morgengrauen bringt er sugar zurück ins Hotel, fragt: „Wieviel schulde ich dem Milchfonds bis jetzt?“ „850.000 Dollar.“ Wilder überlässt es den Zuschauern, sich zu überlegen, wie da 850.000 Dollar zusammengekommen sind. Mit solchen Methoden umgeht er immer wieder die Zensoren.

Und natürlich mit seinem brillanten Wortwitz: „Ich wünsche. Dir, dass Du dieses Mal das lange Ende einer ganz langen Wurst erwischst!“, sagt Joe zu Sugar, die klagt, immer an Taugenichts zu geraten und selbst ein bisschen dumm zu sein.

Hier fließen alle Elemente – Wort, Bild, Spiel – ineinander. Wilder kauft die Hollywood-Männer Tony Curtis und Jack Lemmon, steckt sie in Frauenkleider und mietet Marilyn Monroe im Negligé. Sowohl Curtis als auch Lemmon zeigen echtes Gespür sowohl für sexuelle Zweideutigkeiten als auch für ausgelassene Albernheit, während Monroe mit der passenden Unschuld die Possen der beiden Spitzbuben konterkariert: „Mein Vater war Arrangeur.“ „Was arrangiert er denn?“ „Die Güterzüge auf dem Abstellgleis.“ Wilder zeigt alle drei in sehr komischen Szenen, die Slapstick und scharfen Witz vereinen. Eine Komödie, in der es um nichts anderes als Sex geht, die aber dauernd so tut, als ginge es um Kriminalität und Gier. Herrlich.

Denn hier greift Wilders Wiener Schmäh, der keine Rührseligkeiten zulässt und ganz auf das Survival of the Fittest setzt. Joe denkt, er will nur Sex, Sugar denkt, sie will nur Geld, und sie sind ebenso erstaunt wie erfreut festzustellen, sie wollen nur einander.

Im Vorfeld der Ermordung von Colombo und seiner Bande zitiert der Film drei wichtige Werke des Gangsterfilm-Genres. Johnny Paradise spielt in der Anmeldeszene im Hotel mit einer Münze, worauf Colombo ihn verärgert anfährt, ob das nicht „ein ganz billiger Trick“ sei. In dem Genreklassiker „Scarface“ hatte Colombo-Darsteller George Raft als aufstrebender Gangster ebenfalls mit einer Münze gespielt. Dass Gamaschen-Colombo einem seiner Schergen vor Beginn des Banketts eine Frucht ins Gesicht drücken will, erinnert an die berühmte Grapefruit-Szene in „Der öffentliche Feind“ von 1931 mit James Cagney. Der Spitzname „Kleiner Bonaparte“ ist eine Anspielung auf den Gangsterklassiker Der kleine Cäsar (1931) mit Edward G. Robinson, der ursprünglich auch Bonaparte spielen sollte. Im Film wird erwähnt, dass Zahnstocher-Charlie und Bonaparte von Kindheit an befreundet waren. George E. Stone, Darsteller von Charlie, spielte in Kleiner Cäsar Edward G. Robinsons Handlanger und Freund.

Die Rollen der beiden Musiker übernahmen Tony Curtis („Flucht in Ketten“ – 1958; Die Wikinger – 1958; „Trapez“ – 1956; Winchester 73 – 1950) und Jack Lemmon, der trotz seines Oscars für „Keine Zeit für Heldentum“ (1955) noch relativ unbekannt war. Die Rolle von Lemmon sollte ursprünglich Frank Sinatra übernehmen, der allerdings nicht zu der mit Billy Wilder angesetzten Vorbesprechung erschien. Im Gespräch waren auch Jerry Lewis und Danny Kaye. Während Lewis ablehnte, wollte Kaye die Rolle spielen, wurde allerdings von Wilder abgelehnt. Als Wilder dann Lemmon in der Militärkomödie „Operation Mad Ball“ sah, gefiel er ihm so gut, dass er ihn von Columbia für den Film auslieh. Mit „Manche mögen's heiß“ beginnt eine sehr erfolgreiche, lang andauernde Zusammenarbeit zwischen Wilder und Lemmon.

Plakatmotiv: Manche mögen's heiß (1959)

Wertung: 7 von 7 D-Mark
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