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Plakatmotiv: Stalag 17 (1953)

Hintersinniger Blick auf einen
erfrischenden Kriegsschauplatz

Titel Stalag 17
(Stalag 17)
Drehbuch Billy Wilder & Edwin Blum
nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Donald Bevan & Edmund Trzcinski
Regie Billy Wilder, USA 1953
Darsteller

William Holden, Don Taylor, Otto Preminger, Robert Strauss, Harvey Lembeck, Richard Erdman, Peter Graves, Neville Brand, Sig Ruman, Michael Moore, Peter Baldwin, Robinson Stone, Robert Shawley, William Pierson, Gil Stratton u.a.

Genre Komödie, Drama, Krieg
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
2. Februar 1960
Inhalt

Weihnachten im Jahr 1944. Der Zweite Weltkrieg ist noch nicht vorbei und tobt mit seinem ganzen Schrecken. Als ein Fluchtversuch aus dem Gefangenenlager Stalag 17 missglückt, verdächtigen die Insassen einer der Baracken den Einzelgänger Sefton der Spionage für die Deutschen. Dieser hatte zuvor bereits durch seinen schwunghaften Handel mit deutschen Wachen das Misstrauen seiner Mithäftlinge auf sich gezogen.

Um seine Unschuld zu beweisen, macht sich Sefton auf die Suche nach dem tatsächlichen Spitzel und entdeckt bald zumindest den Weg, den die geheimen Nachrichten nehmen. Allerdings dauert es noch, bis er herausfindet, wer der dazugehörige Spitzel in den eigenen Reihen ist.

Dabei spielt er jedoch mit dem Feuer und steht mit einem Bein in seinem eigenen Grab. Denn er kann niemanden vertrauen …

Was zu sagen wäre

Ein Film über Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Billy Wilder, der aus Österreich stammende Regisseur (s.u.), begleitet sie aber nicht an die Front, in Schützengräben oder Panzern. Sondern in ein Gefangenenlager. Für diese Soldaten ist das Kampfgeschehen eine mehr oder weniger ferne Erinnerung. Sie hausen in Baracken zu 70 Mann und bringen ihre Tage mit Rauchen, Herumhängen und Zoten rum.

Wilder verlässt die Baracke so gut wie nie, die Zahl der Außenaufnahmen ist gering. Das ist ein Relikt der literarischen Vorlage, die ein Bühnenstück ist. Der Kosmos innerhalb der Barracke spiegelt den Kosmos der Welt da draußen. Es gibt klare Hierarchien, es gibt die Clowns, die Mitläufer, die Stillen und die Einzelgänger, die vor allem auf sich schauen und in der Gemeinschaft Misstrauen schüren. Das ist vergessen, sobald die Deutschen zur Tür hereinkommen, meist in Gestalt von Unteroffizier Schulz. Er ist der äußere feind, gegen den die Barackenbewohner zusammenrücken. Gäbe es nicht die Morgenappelle und gelegentlichen Schikanen der Lagerleitung, wäre die Idee eines laufenden Krieges im Film kaum zu erkennen.

Im Zentrum der Geschichte spielt William Holden (Boulevard der Dämmerung – 1950) den klassischen Kino-Amerikaner, den kühlen, auf sich bedachten Einzelgänger mit dem Herz am rechten Fleck. Er treibt florierenden Handel, der ihm alle Freiheiten im Lager bringt, auch gelegentliche Besuche im Nachbarlager für russische Frauen. Der American Way of Life, will und dies sagen, funktioniert auch im Gefängnis. Während die Übrigen auf vermeintliche Anführer – den „Barackenältesten“ – gucken, Anweisungen ausführen und sich ansonsten weg ducken, ermöglicht sich der Geschäftsmann – auch in einem deutschen Kriegsgefangenenlager – ein einträgliches, einigermaßen angenehmes Leben. Der vermutete Verräter in den eigenen Reihen ist der Faktor im Drehbuch, der diese Gemeinschaft auf die Probe stellt. Kaum hat die Gruppe einen der ihren als den Verräter auserkoren, stehen auch ohne Beweise alle geschlossen gegen ihn – Gemeinschaft als nur eingebildete Stärke, Gruppendynamik als Prozess der Ausgrenzung.

Mit diesem im Kino erstmals gewählten Kriegsschauplatz Gefangenenlager portraitiert Wilder den Auswurf des Krieges. Die Deutschen fühlen sich in die Lager strafversetzt und vergessen. Die Amerikaner warten auf eine Gelegenheit zur Flucht und freuen sich über Post von daheim, der sie dann entnehmen, dass in den USA die Nahrungsmittel rationiert und das Leben kaum weniger hart ist, als im Gefangenenlager („Demnächst müssen wir ihnen noch Carepakete schicken.“), in dem die Soldaten nach den Vereinbarungen der Genfer Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen (von 1929) lebten. Abgesehen von zwei Flüchtenden, die gleich zu Beginn erschossen werden, beschreibt Wilder das Leben im Lager als härteres Ferienlager. Einmal kommt sogar ein Vertreter des Roten Kreuzes vorbei, der sich erkundigt, ob denn im Lager auch alles ordentlich nach der zweiten Genfer Konvention geregelt ist. „Sprechen Sie ganz offen“, ermuntert er die Gefangenen, deren Baracke am Morgen extra geputzt und mit frischer Wäsche ausgestattet worden war, während drei deutsche Offiziere um die Männer herumstehen. Eine zynischer Blick Wilders auf den Krieg angeblich zivilisierende internationale Regelungen, die die Deutschen mit einem Lächeln aushöhlen. Einen großen Reiz zieht er aus der Begrenzung seiner Spielfläche. Eine Geschichte mit so vielen Charakteren auf so wenig Raum spannend zu inszenieren, unterstreicht Wilders Qualität als Regisseur dieses Dramas mit komischen Einsprengseln, bei denen die festgesetzten Soldaten in einer der rührendsten Szenen zu weihnachtlichen Weisen romantische Schieber in der Baracke tanzen, von Mann zu Mann.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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