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Plakatmotiv: Dumbo (2019)

Der Disney-Konzern
feiert seine Arroganz

Titel Dumbo
(Dumbo)
Drehbuch Ehren Kruger
nach der Geschichte "Dumbo, the Flying Elephant" (1939) von Helen Aberson und Harold Pearl
Regie Tim Burton, USA, UK, Australien, Kanada 2019
Darsteller

Colin Farrell, Michael Keaton, Danny DeVito, Eva Green, Alan Arkin, Nico Parker, Finley Hobbins, Roshan Seth, Lars Eidinger, Deobia Oparei, Joseph Gatt, Miguel Muñoz, Zenaida Alcalde, Douglas Reith, Phil Zimmerman u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
28. März 2019
Inhalt

In der Manege machte dem Zirkusstar Holt Farrier keiner so schnell etwas vor – doch dann kam der Krieg und plötzlich war nichts mehr, wie es einmal war. Nach seiner Heimkehr findet er dennoch zurück zu seinen Wurzeln, als ihn der Zirkusdirektor Max Medici einstellt, um sich um einen kleinen Elefanten zu kümmern, der aufgrund seiner großen Ohren zur Zielscheibe fieser Witzeleien wird. Sein Name: Dumbo.

Als Holts Kinder Milly und Joe jedoch herausfinden, dass ihr dickhäutiger Freund fliegen kann, wendet sich das Blatt: Der Unternehmer V.A. Vandevere wird auf den außergewöhnlichen Vierbeiner aufmerksam und holt ihn prompt an Bord seines erfolgreichen Vergnügungsparks Dreamland, wo Dumbo an der Seite von Akrobatin Colette Marchant schnell zur großen Nummer wird.

Doch er muss sich in Acht nehmen, im Dreamland ist nämlich nicht alles so perfekt, wie es auf den ersten Blick scheint …

Was zu sagen wäre

Natürlich: Ein Elefant der wegen seiner verlachten, sehr großen Ohren fliegen kann, ist eine Attraktion, eine die sich zu Geld machen lässt – wie eine sprechende Ente zum Beispiel; oder eine gewitzte Maus. Tim Burton ist ein Fantast, ein Märchenerzähler. Seine Filme handeln von Außenseitern im Es war einmal, die sich gegen alle Spießer ("Ed Wood" – 1994; Edward mit den Scherenhänden – 1990; Beetlejuice – 1988) stellen und am Ende gewinnen. Dass ausgerechnet dieser Regisseur sich jetzt in den Sold der Mickey-Mouse- und Donald-Duck-Erfinder stellt, ist bemerkenswert.

Und prompt stellt sich die Frage, ob es die Arroganz der Macht ist, oder kühle Berechnung, dass Burton hier im Auftrag der Mickey-Mouse-Disney-Company eben diese Disney-Politik in ihre Einzelteile zerlegt. Im Zirkus ist Tim Burton daheim. Im Zirkus ist alles möglich, ebenso wie in seinen Filmen (Die Insel der besonderen Kinder – 2016; "Big Eyes" – 2014; Frankenweenie – 2012; Dark Shadows – 2012; "Alice im Wunderland" – 2010; "Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street" – 2007; "Charlie und die Schokoladenfabrik" – 2005; Big Fish – 2003; Planet der Affen – 2001; Sleepy Hollow – 1999; Mars Attacks! – 1996; Batmans Rückkehr – 1992; Batman – 1989).

Visuell ist Burtons "Dumbo" eine große Party. Da staubt der Sand in der Arena, riecht das Zelt nach dem Schweiß der Pferde und dem Kampf um die eigene Existenz. Auch Tod Brownings Freaks von 1932 schimmert durch, wenn die Primaballerina der Lüfte die Hauptfigur des Films umgarnt – damals einen unbedarften Millionär, heute ein unbedarftes Elefantenbaby. Natürlich muss sich Tim Burton auf einen computeranimierten Elefanten und auf Danny DeVito als Kuriositäten unterm Zirkuszelt beschränken.

Mit DeVito hat er erfolgreich Batmans Rückkehr (1992) gefeiert. DeVito war damals der "Pinguin", eine tragische Figur, die sich Batman stellen musste, damals gespielt von Michael Keaton (Spider-Man: Homecoming – 2017; The Founder – 2016; Spotlight – 2015; Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – 2014; "Need for Speed" – 2014; RoboCop – 2014; Jack Frost – Der coolste Dad der Welt! – 1998; "Desperate Measures" – 1998; Jackie Brown – 1997; "Vier lieben dich" – 1996; "Sprachlos" – 1994; Schlagzeilen – 1994; "William Shakespeare's Viel Lärm um nichts" – 1993; Batmans Rückkehr – 1992; Fremde Schatten – 1990; Batman – 1989; "Süchtig" – 1988; Beetlejuice – 1988; "She's Having a Baby" – 1988; "Gung Ho" – 1986; "Mr. Mom" – 1983; "Nightshift – Das Leichenhaus flippt völlig aus" – 1982). Heute ist DeVito der kleine Zirkusdirektor, der vom großen Dreamland-Herrscher – wieder Keaton – überrollt wird.

Die Story als solche ist, nun ja, gewöhnlich. Das Original dauerte 64 Minuten und erzählte kaum mehr als die Geschichte, wie sich ein Elefant mit zu großen Ohren mit Hilfe einer Maus im Leben durchsetzt. Der neue Film dauert 38 Minuten länger und erzählt mehrere Heldenreisen: Kinder überzeugen ihren Vater, Elefantenbabys überzeugen den Zirkusdirektor, Kriegsversehrte überzeugen die Königin der Lüfte. Und der Chef des Vergnügungsparks geht baden.

Michael Keatons V. A. Vandevere benimmt sich als Chef von "Dreamland" wie die Disney Corporation, die in den vergangenen Jahren große Teile der 20th Century Fox, das komplette Marvel- und das komplette Star-Wars-Universum zugekauft haben: Dieser Mr. Vandevere kauft, was ihm Profit verspricht und schickt den Rest über die Klippe.

Schwer vorstellbar, dass das bei Disney niemandem aufgefallen ist, weil alle einfach fixiert darauf waren, dass der knuddlige Außenseiter-Elefant aus dem Jahr 1941 aus der Zeichentrick- in die 3D-Realfilm-Welt überführt werden sollte. Wahrscheinlicher ist, dass Disney es mittlerweile einfach egal ist, wenn sich jemand über die Macht des Studios lustig macht. Disney weiß: An Disney kommt im US-Filmbusiness niemand mehr vorbei; da ist ein bisschen Understatement gar nicht schlecht.

Zumal, wenn einer wie Tim Burton so wunderschöne Bilder dazu liefert.

Wertung: 2 von 8 €uro
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