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Plakatmotiv: Sprachlos (1994)

Charmelos, Ideenlos, Lieblos

Titel Sprachlos
(Speechless)
Drehbuch Robert King
Regie Ron Underwood, USA 1994
Darsteller

Michael Keaton, Geena Davis, Christopher Reeve, Bonnie Bedelia, Ernie Hudson, Charles Martin Smith, Gailard Sartain, Ray Baker, Mitchell Ryan, Willie Garson, Paul Lazar, Richard Poe, Harry Shearer, Steven Wright, Jodi Carlisle, Cynthia Mace, Steve Gonzales, Robin Pearson Rose u.a.

Genre Romanze, Komödie
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
23. Februar 1995
Inhalt

Julia Mann und Kevin Vallick schreiben Reden für konkurrierende Politiker. Es kommt zu Spannungen zwischen den beiden, die sich zuspitzen als Kevin Julias Notizbuch stiehlt und in ihrem Namen eine konfuse Rede diktiert, die Julias Chef Lloyd Wannamaker, Kandidat in New Mexico für den US-Senat, prompt live vor Publikum vorträgt.

Die beiden kommen sich trotzdem näher, besonders weil für Julias Verlobten, den Star-Reporter Bob Freed, die Karriere oberste Priorität hat …

Was zu sagen wäre

Das Genre der Romantischen Komödie erfreut sich großer Beliebtheit beim Kinopublikum – wenn Hugh Grant in Vier Hochzeiten und ein Todesfall im vergangenen August immer wieder seine Große Liebe nicht erreicht, wenn Tom Hanks und Meg Ryan 1993 Schlaflos in Seattle bleiben, Richard Gere 1990 beinahe an seiner Pretty Woman Julia Roberts vorbei läuft, oder Meg Ryan schon 1989 auch bei Billy Crystal den (Herz)schlag nicht hört, dann sind die Kinosäle und -kassen zuverlässig voll.

Früher nannte man das Genre Screwball Comedy. So schräg, wie der im Baseball vorkommende schwer berechenbare oder unerwartete Kurven drehende Flugball warfen sich Mann und Frau, die als einzige im Kinosaal noch nicht wussten, dass sie als Liebespaar enden werden, heiße, schnelle Dialoge um die Ohren und verstrickten sich in die herrlichsten Zankereien. Katherine Hepburn und Spencer Tracy waren Meister darin (Ehekrieg – 1949; Die Frau, von der man spricht – 1942), Cary Grant ebenso (Leoparden küsst man nicht – 1938) und selbst James Stewart, eher Typ Väterlicher Freund ging in Screwball Comedies aus sich heraus. Plakatmotiv (US): Speechless (1994) Die 30er und die 40er Jahre waren ihre große Zeit. Heute wird es immer schwieriger, romantische Geschichten fürs Kino aufzubereiten. In Zeiten von drahtlosen Telefonen, tragbaren Computern und rund um die Uhr live sendenden TV-Kanälen bleiben Geheimnisse, also die Quintessenz einer guten Romanze nicht lange geheim.

In Ron Underwoods (City Slickers – Die Großstadt-Helden – 1991; Tremors – Im Land der Raketen-Würmer – 1990) RomCom also haben die beiden Protagonisten schnell raus, dass sie beruflich gegeneinander arbeiten. Große Geheimnisse, außer denen, die sie aus professionellen Gründen voreinander haben, gibt es keine; und irgendwie scheinen die beiden auch früher zu wissen, dass sie zueinander gehören, als die Zuschauer im Kinosaal. Ihre Darsteller haben nämlich vorher das Drehbuch des Films gelesen und also ist Kevin Vallick, der eine politische Redenschreiber, vom ersten Augenblick überzeugt, in Julia Mann, der anderen politischen Redenschreiberin die Frau fürs Leben gefunden zu haben.

Wir wissen nur nicht, warum? Ist der Typ einfach scharf auf die Braut? Geena Davis (Ein ganz normaler Held – 1992; Eine Klasse für sich – 1992; Thelma & Louise – 1991; "Die Reisen des Mr. Leary" – 1988; Beetlejuice – 1988; Die Fliege – 1986; Tootsie – 1982), die Freundin von Action-Regisseur Renny Harlin, mit dem zusammen sie diesen Film produziert hat, ist eine unzweifelhafte attraktive Frau – und Männer sollen ja besser gucken, als denken können. Was sollte Kevin sonst an ihr schätzen, gar lieben? Er kennt sie ja noch gar nicht. Einzige Gemeinsamkeit neben ihrer Berufsbezeichnung: Sie können nachts nicht schlafen. Also machen sie die Nacht im Diner durch. Nun ja. Ihre Kennenlernen-Dialoge plätschern ein wenig gelangweilt durch die Kulisse, dass beide das Schreiben großer politischer Reden zu ihrer Profession gemacht haben, merkt man ihren Wortklimpereien nicht an. Er gesteht seine Liebe, indem er ihr erklärt, dass er ihr die Kleider vom Leibe reißen wolle, sie stürzt sich nach der ersten gemeinsamen Diner-Nacht ohne weiteren Kommentar auf ihn.

Funken versprühen die beiden nicht.  Während sie immer unglaubwürdiger die Verlobung mit einem eitlen Star-Reporter als Rüstung vor sich her trägt, lässt das Drehbuch ihn beim Romantische Punkte Machen scheitern, indem er sie nachts um drei Uhr am Telefon mit idiotischen Fragen bombardiert, als hätte er nicht eben erst den größten Verrat begangen, indem er private Informationen aus ihrem Notizbuch für sich – und vor allem gegen sie – genutzt hat. Cary Grant hat seine Liebe durch Verrat jedenfalls nie beweisen wollen. Michael Keaton, der mit Geena Davis schon in Tim Burtons Beetlejuice (1988) techtelmechtelte (Schlagzeilen – 1994; William Shakespeares Viel Lärm um nichts – 1993; Batmans Rückkehr – 1992; Fremde Schatten – 1990; Batman – 1989; Beetlejuice – 1988; She's Having a Baby – 1988), kann, anders als Davis, der zu ihrer Rolle nicht mehr einfällt, als Pickiert Gucken, Streng Gucken und Mit Großen Augen Gucken immerhin sein variantenreiches Gesicht mit den spitzen Augenbrauen und dem knautschigen Mund einsetzen. Daraus saugt er komödiantisches Potenzial.

Der lahmen Liebe, die dann genretypisch vor aller Welt in also größter Nichtintimität zu einem Feuer auflodern soll, helfen diese Gesichtsmuskelübungen aber auch nicht mehr. "Sprachlos" ist Ideenlos, Charmelos, lieblos.

Wertung: 3 von 10 D-Mark
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