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Plakatmotiv: Abschied in der Nacht (1975)

Philippe Noiret wird zum Einzelkämpfer
und rächt den Mord an seiner Frau

Titel Abschied in der Nacht (aka Das alte Gewehr)
(Le vieux fusil)
Drehbuch Pascal Jardin & Robert Enrico & Claude Veillot
Regie Robert Enrico, Frankreich, BRD 1975
Darsteller

Philippe Noiret, Romy Schneider, Jean Bouise, Joachim Hansen, Robert Hoffmann, Karl Michael Vogler, Caroline Bonhomme, Catherine Delaporte, Madeleine Ozeray, Daniel Breton, Jean-Paul Cisife, Antoine Saint-John, Maurice Bes, Bernard Bireaud, Jean Le Boulbar, Patrick Caillard, Daniel Celich, Patrick Clément, Gérard Dauzat, Anne Debrettys, Hermine Delysle, Jean-Pierre Garrigues, Jean hache, Jean-Louis Hebre, Olivier Lefort, Roland Neunreuther, Claude Marcan, Marie-France Mignal, Micheline Sarto u.a.

Genre Drama, Action
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
6. November 1975
Inhalt

Der Chirurg Julien Dandieu, Pazifist, Humanist und Mitglied der Résistance, lebt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Montauban, in der Zone Libre (freien Zone) im Südwesten Frankreichs. Dort versorgt er verwundete Soldaten und führt ein bourgeoises und glückliches Leben mit seiner Frau Clara und seiner Tochter Florence, die er über alles liebt.

Angesichts der bevorstehenden Besetzung der Stadt durch die Deutschen bittet er seinen Freund François, seine Frau und seine Tochter zu seinem Familienstammsitz zu fahren, einem Schloss auf dem Land. Dort glaubt er seine Familie bis zum Ende des Krieges in Sicherheit.

Doch überraschenderweise treffen die deutschen Truppen dort zuerst ein. Julien, der herbeigeeilt ist, wird Zeuge von Gräueltaten, die er fassungslos mit ansehen muss, und kämpft schließlich selbst um sein Leben. Der einst so friedliebende Arzt sinnt nun auf Rache …

Was zu sagen wäre

Frankreich, 1944, der Krieg liegt in den letzten Zügen, die französischen Widerstandskämpfer, die Partisanen fügen den deutschen Besatzern empfindliche Niederlagen bei, die Macht der Deutschen schwindet: Plakatmotiv: Abschied in der Nacht (1975)Die Kerle sind gefährlich. Die merken doch auch, dass es jetzt zu Ende geht. Die werden immer unberechenbarer.“ Mit seiner Ahnung wird Julien grausam Recht behalten, seine Tochter und seine geliebte Ehefrau werden von den Männern der SS vergewaltigt und verbrannt. Der eigentlich friedliebenden Chirurg holt das alte Jagdwehr seines Vaters vom Dachboden und geht auf Rachefeldzug.

Im vergangenen Jahr machte Charles Bronson in der Rolle eines Architekten aus New York Schlagzeilen, der auf Rachefeldzug gegen Straßengangster zog, die seine Frau und Tochter vergewaltigt hatten. Ein Mann sieht rot (1974) wurde in Deutschland als Verherrlichung der Selbstjustiz angeprangert. Die Ausgangssituation ist in diesem Film von Robert Enrico (Rum-Boulevard – 1971; Die Abenteurer – 1967; Einer bleibt auf der Strecke – 1965) eine ähnliche. Nur wiederum ganz anders. Denn der friedfertige Chirurg lebt im von den Nazis besetzten Frankreich und setzt sich gegen die (noch heute misstrauisch beäugten) Deutschen zur Wehr; Philippe Noiret (Das große Fressen – 1973; Topas – 1969; Mörder GmbH – 1969; Alexander, der Lebenskünstler – 1968; Zazie – 1960) führt in diesem 30 Jahre nach Kriegsende gedrehten Film den Krieg gegen die verhassten Besatzer nochmal. Aber erfolgreicher und ohne Hilfe der Alliierten.

Regisseur Enrico fährt eine ruhige Gangart, es dauert, bis klar wird, worum es geht. Zunächst führt er uns den freundlichen Arzt vor Augen, der im Operationssaal keinen Unterschied zwischen Franzosen, Deutschen und Résistance macht, über persönliche Kontakte dringend benötigte, aber in der Mangelwirtschaft eigentlich nicht zu bekommende Schmerzmittel organisiert. Er hilft allen Menschen und schaut zunehmend irritiert auf das unmenschliche Treiben der Deutschen.

In der Folge lernen wir Julians kleine Tochter Florence und seine Ehefrau Clara kennen. Beide haben im Film wenig Zeit, für sich einzunehmen, weil erst ihr Tod der Auslöser für die eigentliche Geschichte im Film ist. Plakatmotiv: Abschied in der Nacht (1975) Robert Enrico behilft sich mit einer cleveren Besetzung der Clara: Romy Schneider spielt sie als ebenso selbständige wie bezaubernde Frau, die ihrem Mann treu zur Seite steht ("Nachtblende" – 1975; "Trio Infernal" – 1974; Cesar und Rosalie – 1972; Die Dinge des Lebens – 1970; Der Swimmingpool – 1969; Spion zwischen zwei Fronten – 1966; Was gibt's Neues, Pussy? – 1965; Nur die Sonne war Zeuge – 1960; Katja, die ungekrönte Kaiserin – 1959; Christine – 1958; "Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin" – 1957; "Monpti" – 1957; "Sissi, die junge Kaiserin" – 1956; "Sissi" – 1955; "Mädchenjahre einer Königin" – 1954).

Clara ist mir mit ihrem trockenen Humor sofort sympathisch. Das ist wichtig. Würde ich die Ehefrau nicht mögen, würde ich womöglich Julians Rachefeldzug nicht akzeptieren. Dass die deutschen Soldaten eher Karikaturen gleichen – versoffen, brutal, großmäulig und feige – reicht für die Rachemotivation nicht aus. Ich sehe den Film erst Ende der 70er Jahre im Fernsehen. Auch dort ist Romy Schneider aufregend, die einsame Filmtochter eine freundliche Klassenbeste und auch hier überträgt sich noch der Hass, den Julien nach dem Mord an Frau und Tochter antreibt.

Ohne Romy Schneider bliebe der Film Stückwerk. Philippe Noiret bleibt äußerlich ruhig. Er präsentiert kein hassverzerrtes Gesicht, schreit keine Flüche in die Welt, auch hebt die Musik nicht dramatisch an. Es reichen ein paar traurige Blicke der Erinnerung, die wir in kurzen Rückblenden meist mit strahlendem Sonnenlicht sehen, um des Chirurgen Innenleben auszuleuchten. Insgesamt aber bleibt der beliebte Schauspieler blass. Etwas mehr Emotion in seinem Spiel hätte der Rolle zu mehr Glaubwürdigkeit und Identifizierung verholfen. Wo sein Spiel Spannung vermissen lässt, baut das Drehbuch geschickte Volten. Der Film spielt größtenteils in einer alten Burgruine, die sich Julien im Film zu seinem privaten Domizil ausbaut. Er kennt hier also jeden Winkel – anders als die Feinde. Er legt Fallen, schießt aus dem Versteck und bald glauben die SS-Schergen, sie seien auf der Burg von der Résistance umstellt.

"Le vieux fusil" ist ein spannendes Drama, das schnörkellos von den Verheerungen eines Krieges erzählt.

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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