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Plakatmotiv: Der Swimmingpool (1969)

Kühler, emotionaler Thriller
in der Hitze Südfrankreichs

Titel Der Swimmingpool
(La piscine)
Drehbuch Jean-Claude Carrière & Jacques Deray & Alain Page
Regie Jacques Deray, Frankreich, Italien 1969
Darsteller

Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin, Paul Crauchet, Suzie Jaspard, Maddly Bamy, Thierry Chabert, Steve Eckardt, Ruth Price u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
8. Mai 1970
Inhalt

Marianne und Jean-Paul verleben ihre Ferien im Landhaus eines verreisten Freundes bei St. Tropez. In malerischer Abgeschiedenheit frönen sie ihrer Liebe und Leidenschaft. Doch dann kündigt sich unerwartet ein alter Freund der beiden an. Er taucht wenig später mit seiner schönen 18-jährigen Tochter Pénélope bei ihnen auf. Henry, ein Plattenproduzent, ist mit Jean-Paul seit Jugendjahren befreundet und Marianne war einst seine Geliebte.

Von der Existenz seiner Tochter wussten beide bislang nichts, „eine Jugendsünde“ – so klärt Henry sie auf. Spontan lädt Marianne beide ein, ein paar Tage zu bleiben. Schnell stellen sich Spannungen ein. Henry lässt Jean-Paul, der als Schriftsteller gescheitert ist, seine Verachtung spüren, gleichzeitig flirtet er mit Marianne.

Jean-Paul beobachtet das verunsichert, Pénélope scheint alles nicht zu interessieren. Als Henry nach einem Ausflug nach St. Tropez mit einer Horde von Freunden zu einer Spontanparty ins Sommerhaus einfällt, lassen er und Marianne ihre Beziehung sichtbar wieder aufleben. Pénélope registriert das ebenso wie Jean-Paul. Die Stimmung am Morgen danach ist gereizt. Als Marianne dann auch noch mit Henry zum Einkauf aufbricht, bleiben Pénélope und Jean-Paul irritiert zurück. Eine Situation, die Marianne offenbar bezweckt hat und die sich für Jean-Paul ins Schmerzliche steigert, als ihm Pénélope erzählt, wie wenig ihr Vater von ihm und seiner Beziehung zu Marianne hält …

Was zu sagen wäre

Eine Villa in den Hügeln, irgendwo unten ist Saint Tropez; weit weg von hier, eine Einkaufsgelegenheit fürs Abendessen, mehr nicht. Ein Mann döst am Swimmingpool. Der Wind spielt durch die Bäume. Die Frau des Mannes neckt ihn, will ihn ins Wasser locken. Er bleibt liegen, greift sie, küsst sie. Eine perfekte Urlaubsidylle, untermalt von warmem Sonnenlicht und den Geräuschen der Natur, hier ein Vogel, da eine Grille, keine Musik. Die Kamera mischt sich nicht ein, bleibt unauffällig auf Beobachterposten. Jacques Deray weiß, dass sein Publikum ihm auch ohne dräuenden Score und Kameramätzchen atemlos folgt, denn bei dem Paar handelt es sich um Alain Delon (Der eiskalte Engel – 1967; Nur die Sonne war Zeuge – 1960) und Romy Schneider, bis vor einigen Jahren Schlagzeilen umkränztes Liebespaar des französischen Boulevards. Jetzt kommen sie für die Kamera wieder zusammen, sie im schwarzen Bikini, er mit schamlosen Händen. Der Zuschauer weiß genug über die beiden, neue Dialoge sind kaum nötig. Deray überlässt es uns, zu erkunden, ob vor der Kamera das hinter der Kamera getrennte Schauspielerpaar durchscheint. Aber nein, Frau und Mann genießen die gemeinsame Zeit am Pool.

Dann klingelt das Telefon, der Konflikt kündet sein Kommen. Henry, alter Freund Jean-Pauls, des Mannes am Pool und ehemaliger Liebhaber Mariannes, der Frau am Pool. Henry fährt im Maserati vor, auf dem Beifahrersitz seine Tochter, gerade 18 Jahre alt, schlank, fragende Augen. „Warum bleibt Ihr nicht einfach da?“, fragt Marianne. „Hier?“, erwidert Henry. „Aber natürlich. Wir haben Platz genug.Plakatmotiv (Fr.): La Piscine (1969) Der einfachen Frage einer freundlichen Gastgeberin lässt Romy Schneider einen schneidigen Blick in Richtung Delons folgen, herausfordernd. Jetzt ist klar: Irgendwas ist im Busch.

Der Thriller lebt von den kleinen Gesten, beobachtet sein Quartett beim umeinander Kreisen. „Hast Du die Schriftstellerei ganz aufgegeben?“, fragt Henry, der mit seinem Erfolg auftrumpfende Musikproduzent seinen Freund von früher. „Ja.“, antwortet er, der sich mit dem Erfinden von Werbeslogans durchschlägt. „Das beste, was Du tun konntest.“, schlussfolgert Henry herablassend. Sein freundliches Lächeln wirkt bei Maurice Ronet, der ihn spielt, wie boshaftes Grinsen, wie ein Wolf, der einen Nebenbuhler wegbeißen will. Marianne lässt auffällig offen, was genau da vor vier Jahren zwischen ihr und Henry gewesen ist, ihr gefällt die erotische Spannung, die in der Luft liegt. Denn Jean-Paul ist nicht ihr Mann. Sondern ihr Freund, der sich zur Ehe nicht entschließen mag.

Romy Schneider (Spion zwischen zwei Fronten – 1966; Nur die Sonne war Zeuge – 1960; "Sissi" – 1955) entlarvt ihre Marianne als innerlich einsame Figur, lehnt mal allein an der Wand mit leerem Blick, hinter dem ein Traum romantischer Gemeinsamkeit schimmert. Ihr Leben als offenbar erfolgreiche Journalistin langweilt sie, „ich habe dieses Junggesellenleben satt“. Von großer Liebe indes, wie es in den Anfangsminuten am sonnigen Pool wirkte, kann keine Rede sein; geradezu gönnerhaft skizziert sie im Gespräch mit Henry eine irgendwie rührende Hilfebedürftigkeit ihres Freundes: „Es geht ihm jetzt viel besser. Er hat von heute auf morgen das Trinken aufgegeben.“ „Und jetzt ist er glücklich?“ „Mehr oder weniger. Du kennst ihn ja. Er will immer das, was er nicht haben kann. Darin ist er der gleiche geblieben. Ich habe einfach das Gefühl, dass er mich noch braucht.“ Schneiders Marianne täuscht Romantik vor und lächelt ihrem Jean-Paul die Herablassung einer Frau in den Nacken, die ihre Zukunft als Traum ad acta gelegt hat und verbissen festhält, was da ist. Nonchalant unterspielt die Schauspielerin ihre natürliche Schönheit. Da ist ja auch Pénélope, die juvenile Tochter mit den unschuldigen blauen Augen, die demonstrativ gelangweilt von den Erwachsenen im Bikini in der Sonne liegt. In ihr – und in den Blicken Jean-Pauls – erkennt die Mittdreißigerin Marianne ihre Vergänglichkeit. Gespielt wird Pénélope von der 23-jährigen Britin Jane Birkin, die sich nachhaltig in Michelangelo Antonionis "Blow Up" (1966) präsentierte und hier die rätselhafte Lolita vorführt, von der man nie so recht weiß, wer sie ist, was sie sieht, was sie denkt. Aber ihr reicht ein Augenaufschlag im rechten Moment, um Alain Delon weich zu klopfen.

Nach eineinhalb Stunden schwimmt eine Leiche im sonnigen Pool. Es unterstreicht die Klasse des Films, dass wir es eigentlich haben kommen sehen, ohne, dass die höchstens mal leicht gespannte Stimmung am Pool, den die Kamera in den zwei Filmstunden nur selten verlässt, dies zwingend folgert. Deray und sein Kameramann Jean-Jacques Tarbès feiern den Hedonismus, das leichte Leben der Schönen an der Côte d'Azur. Aber schon, dass die berühmt schillernde Côte d'Azur hier doch nur der Swimming Pool ist, beschreibt die Bildsprache des Films. Dauernd bricht die Kamera den Blick des Voyeurs im Kinosessel. Es ist heiß am Pool, schwül, schweißtreibend, aber die Bilder bleiben kühl. Ein Mord geschieht, die Motive des Mörders sind hoch emotional. Aber die Kamera bleibt auf Abstand. Folgt einem Täter, der mit dem Anschein allerhöchster Teilnahmslosigkeit tötet.

Eine klassisch gnadenlose Charakterstudie des französischen Kinos..

Wertung: 7 von 8 D-Mark
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