Während der Prohibitionszeit in den USA der 1920er Jahre blüht das Schmuggelgeschäft mit Alkohol. Das Dreieck zwischen den USA, der Karibik und Mexiko wird "Rum-Boulevard" genannt.
Kapitän Cornelius von Zeelinga ist einer der größten Schmuggler im Golf von Mexiko. Doch als er eines Tages auffliegt, muss er fliehen. Bald wieder im Geschäft, sieht er eines Abends auf der Insel Jamaika einen Stummfilm mit der schönen Schauspielerin Linda Larue. Als er sie dann zufällig am Karibikstrand trifft, setzt er alles daran, an ihrer Seite zu bleiben.
Ihr glamouröses Leben zieht Cornelius in den Bann, woraufhin er seine Kundenaufträge sausen lässt und in Schwierigkeiten gerät …
Dieser Film gehört zu jenen gut gelaunten, aber sinnfreien Produktionen, in denen es um nichts geht, außer darum, dass eine Frau meist nur leicht bekleidet auftritt und sch alle Männer prompt zum Affen machen. Robert Enrico als Regisseur (Die Abenteurer – 1967; Einer bleibt auf der Strecke – 1965) muss nur darauf achten, dass die Mischung aus Prügelszenen, solchen mit Rum-Wetttrinken, Brigitte Bardot im seidenen Glitzer-Bikini und mit Bildern exotischer Schauplätze stimmt.
Reiner Eskapismus. Eskapismus in einer männlichen Traumwelt, in der Frauen Objekte bleiben. Brigitte Bardot spielt seit bald 20 Jahren Variationen der verführerischen Blonden mit dem Schmollmund. Als Stummfilmstar Linda Larue gibt sie hier die Karikatur ihrer selbst ("Viva Maria!" – 1965; "Die Verachtung" – 1963; Die Wahrheit – 1960; Mit den Waffen einer Frau – 1958; …und immer lockt das Weib – 1956). Das Leben dieser Linda besteht aus eindimensionalen Bikinirollen vor der Stummfilmkamera und dem Auswählen des für die jeweilige Situation passenden potentesten Mann – dabei kann es die Potenz für den Karriereschub sein, die finanzielle oder die rein körperliche Potenz.
Den Karrierepotenten spielt Guy Marchand als öliger Pianist, der Linda von Film zu Film trägt. Der wirtschaftlich Potente ist ein näselnder britischer Adliger, der in dieser französisch-spanisch-italienischen Filmproduktion nur für die dümmliche Spendierhose taugt. Für Lino Venture bleibt die Rolle des potenten Kerls (Der Clan der Sizilianer – 1969; Armee im Schatten – 1969; Die Abenteurer – 1967; Einer bleibt auf der Strecke – 1965; Taxi nach Tobruk – 1961; Der Panther wird gehetzt – 1960; Tatort Paris – 1959; Fahrstuhl zum Schafott – 1958). In die stürzt er sich mit Wonne, Situationskomik und harter Faust. und als hätte es da im französischen Film nicht sowas wie eine Nouvelle Vague gegeben. "Boulevard du Rhum" wirkt so, als bräuchten alle Beteiligten von dem bewusst ungekünstelten Realitätsgeschachere dieser Neuen Welle dringend eine Pause.
Die Geschichte spielt in den 1920 Jahren, in den USA Prohibitionszeit. Das heißt, die große Zeit der Alkoholschmuggler, hier keine einheimischen Gangster mit Anzug und Fedora Hut, sondern organisierte Schlepper aus dem karibischen räum, Franzosen, Spanier, Engländer, die die trockenen USA vom Meer aus beliefern. Lino Ventura spielt einen dieser Schmuggler, ein harter Brocken, den der Film ausführlich einführt; erst verliert er sein Schiff und sein Schmuggelware, dann verfolgt ihn die Polizei – aber auch nur halbherzig – dann besorgt er sich in einem lebensgefährlichen "Spiel" das Geld für ein neues Schiff. Und dann geht langsam sowas wie eine Handlung los, die aber (s.o.) nicht so wichtig ist. Wichtig sind ausführliche Sequenzen zum Beispiel der US-Küstenwache, die mit lautem Tuten und scharfen Kanonen gegen die kleinen Schmugglerboote vorgehen. Das gibt auf der Leinwand spektakuläre Bilder, die von der dürren Dramaturgie ablenken, in der sich die gefährlichen Geschäfte der Schmuggler jenseits der Kamera abspielen. Ein Konkurrent von Kapitän Cornelius lässt in einer Explosion sein Leben. Darüber wird aber nur gesprochen, gezeigt wird es nicht. Polizisten, die Schmugglern auf den Fersen sind, schießen mit ihren Tommyguns (die mit den großen runden Magazinen) lieber die geschmuggelten Alkoholmengen kaputt, als damit auf Menschen zu zielen. Der Film will spielerisch bleiben.
Bei uns kam der Film erst gar nicht in die Kinos, sondern lief an einem Freitagabend im Januar 1975 (vier Jahre nach Filmstart in Frankreich) im deutschen Fernsehen. Das Fazit des damals 14 jähre alten Zuschauers: Lino Ventura ist ein guter Typ, Brigitte Bardot zu doll geschminkt, die Schauplätze sehnsuchtsvoll sonnig und der Film auffällig unblutig.
