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Plakatmotiv: Taxi nach Tobruk (1961)

Eine zähflüssige
Völkerverständigung

Titel Taxi nach Tobruk
(Un taxi pour Tobrouk)
Drehbuch Michel Audiard & René Havard & Denys de La Patellière
nach dem gleichnamigen Roman von René Havard
Regie Denys de La Patellière, Frankreich, Spanien, BRD 1961
Darsteller

Hardy Krüger, Lino Ventura, Maurice Biraud, Charles Aznavour, Germán Cobos, Ellen Bahl, Roland Malet, Carlos Mendy, Roland Ménard, Jacques Préboist, Lorenzo Robledo, Dominique Rozan, Fernando Sancho, Enrique Ávila u.a.

Genre Drama, Krieg
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
9. Mai 1961
Website gaumont.fr/Un-taxi-pour-Tobrouk
Inhalt

1942 in Nordafrika: Libyen ist von deutschen Truppen besetzt. Ein französisches Kommando verliert bei einer deutschen Offensive in Tobruk seinen Leutnant: Die vier übrig gebliebenen französischen Soldaten sind auf sich allein gestellt und versuchen in Richtung El Alamein zu fliehen, verlieren aber in der Wüste die Orientierung.

Als die Franzosen auf einen deutschen Spähtrupp treffen, gelingt es ihnen, den Offizier Ludwig von Stiegel als Geisel zu nehmen und einen Geländewagen zu erbeuten. Durch die Notlage überwinden die Männer nach und nach ihre Feindschaft: Gemeinsam versuchen sie, einen Weg aus der endlosen Wüste zu finden.

Plakatmotiv (Fr.): Un taxi pour Tobrouk – Taxi nach Tobruk (1961)Da der Treibstoffvorrat des Fahrzeuges zur Neige geht, beschließen die Soldaten, zu einer ehemals deutschen Oase zu fahren, um dort aufzutanken. Doch dann begegnen sie einem Konvoi deutscher Truppen …

Was zu sagen wäre

Meistens fahren die fünf Männer schweigend durch die Wüste. Denys de La Patellière inszeniert seinen Kriegsfilm mit Ruhe. Lange Einstellungen mit Wüstenpanoramen, die ein deutscher Geländewagen quert wechseln sich ab mit Großaufnahmen mürrischer oder müder oder gegen Flugsand zusammengekniffener Gesichter. Es passiert nicht viel.

Nach kurzer Einführung der Hauptpersonen, die alle noch an unterschiedlichen Orten in Europa sind, bevor es „morgen“ losgehen soll, befinden wir uns auch schon in der nächtlichen Wüste,  wo ein Stoßtrupp deutsche Treibstofflager in die Luft sprengt. Wir erkennen Charles Aznavour und Lino Ventura, die zu den vorgestellten Hauptpersonen ein paar Minuten zuvor gehörten.

Fragen nach dem Wer, Wie, Wo beantwortet der Film nicht, die Treibstofftanks und der bei der Attacke ums Leben gekommene kommandieren Leutnant des Stoßtrupps sollen die vier Franzosen lediglich etablieren, damit sie in der Wüste verloren gehen können.

Bald haben sie ihr Auto verloren und müssen zu Fuß weiter, während sie darüber streiten, ob sich der Fußweg überhaupt lohnt, 700 Kilometer, ohne Wasser. Zum Glück sitzen ein paar Deutsche am Wegesrand – mit Auto und Wasser. So kommt der deutsche Offizier zu unserem französischen Stoßtrupp, der als einziger den Angriff auf Auto und Wasser überlebt hat.

Plakatmotiv: Taxi nach Tobruk (1961)Und so kann die Völkerverständigung, eigentliches Thema des Films, beginnen, die visuell ihren Höhepunkt in einem deutschen Konvoi findet, in den die fünf geraten und nur deswegen nicht erkannt werden, weil sie ihre Uniformhemden ausziehen. „Nackt sehen wir alle gleich aus. Franzosen wie Deutsche.“ Wenn man den Soldaten nur ihre Uniform auszieht, bleiben nichts als Menschen übrig, ist die gute Botschaft und da folgt die Freundschaft zwischen den vier Franzosen und dem Deutschen mit der Erkenntnis, dass man, wenn man einmal „die Feinde persönlich kennengelernt hat, nicht mehr gegen sie kämpfen möchte“, auf dem Fuße.

Die Botschaft ist gut und wichtig, 15 Jahre nach Kriegsende, aber für 90 Minuten Film sehr wenig. Bei der länglichen Fahrerei durch die nordafrikanische Wüste erweist es sich als Glücksfall, gute Schauspieler im Auto sitzen zu haben. Hardy Krüger ("Bumerang" – 1960; "Einer kam durch" – 1957; "Liane, das Mädchen aus dem Urwald" – 1956; "An der schönen blauen Donau" – 1955) spielt seinen deutschen Offizier als emotionsreduzierten, immer freundlich lächelnden Krieger, der es einmal sogar schafft, den vier Franzosen Auto und Waffen wieder abzuluchsen. Lino Ventura (Der Panther wird gehetzt – 1960; Fahrstuhl zum Schafott – 1958) gibt als Brigadier Theo Dumas die Kommandos und hat wenig Freude an der ungewollten Verantwortung; Ventura spielt ihn als aufbrausenden Bullen mit dem Herz am rechten Fleck. Charles Aznavour als jüdischer Arzt ist ein Zyniker, der sich der Verbrüderung mit dem Feind mit klaren Worten verweigert. Dazu kommt ein Schießwütiger, den wir zu Beginn in der Todeszelle kennenlernten und ein freundlicher Funker. Michel Audiard hat ihnen gute Dialoge geschrieben, aus denen die Schauspieler Funken schlagen. Insgesamt machen die den Film aber nicht rund.

Wertung: 3 von 7 D-Mark
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