Als Ersatz für den erkrankten Therapeuten Dr. Maitlin, der im Radio als Ratgeber in Sachen Sex auftritt, engagiert der Sender versehentlich den entflohenen Insassen einer geschlossenen Anstalt.
George Burns – alias Dr. Baird – kommt bei den Hörern bestens an, denn er ist ein Freund einer ziemlich deutlichen Aussprache. Etwas blümerant wird seine Lage jedoch, als Dr. Maitlin dahinter kommt, dass Dr. Baird gar nicht Dr. Baird ist, weil er in London auf einem Kongress gerade den echten Dr. Baird kennengelernt hat.
Und dann ist da ja auch noch der Öko-Freak und Baumanbeter Donald Becker, der einzige, der Georges wahre Identität kennt …
Es gibt ein populistisches Bobmot über Psychiater, dass sinngemäß lautet, das Psychiater alle einen an der Klatsche haben. Das ist in etwa die Gangart dieses Films. Jeder auftretende Psychologe, Psychiater oder anders psychisch ausgebildeter Mensch hat „lauter unbewohnte Oberstübchen. Er hat seine Doktorarbeit über die Psychocerebralphase des Blindarms gemacht.“ Und der Insasse einer Heilanstalt geht in der Öffentlichkeit als normal und sogar als Psychiater durch.
Das Therapieunwesen grassiert in den USA. Da lag es nahe, eine Komödie über Psychologen zu machen, das Thema nicht allein Wood allen zu überlassen, dessen Figuren in jedem Film feste Therapietermine haben. Michael Ritchie ("Auf der Suche nach dem goldenen Kind" – 1986; Die Überlebenskünstler – 1983; Freibeuter des Todes – 1980; "Die Bären sind los" – 1976; Bill McKay – Der Kandidat – 1972; Die Professionals – 1972) hat den Faden also aufgegriffen. Und dann einen ganz unoriginellen Film daraus gemacht.
Darf man sich wundern, dass der Insasse einer Heilanstalt ohne große Probleme aus dieser Anstalt spazieren kann und überall selbstverständlich als der Therapeut Dr. Baird akzeptiert wird, nur weil er behauptet dieser zu sein? Besser nicht. Wenige Stunden nach seiner Flucht sitzt George Burns als falscher Therapeut schon am Radiomikrofon, redet mit Anrufern offensichtlichen Blödsinn, den die aber glauben, weil da ja ein Doktor am Mikrofon sitzt und 24 Stunden später ist er der größte Star der Stadt – und da reden wir von der Stadt Los Angeles, in der viele Stars leben. Es ist schon richtig: Filme haben die Freiheit, Abläufe verkürzt darzustellen und wilde Volten zu schlagen. Ein Minimum an intrinsischer Plausibilität sollten sie aber haben. So wie in Science Fiction-Filmen Raumschiffe, die es gar nicht gibt, durchs All krachen, dürfen in einer Komödie auch falsche Therapeuten als echte durchgehen, aber die erzählte Geschichte muss in sich glaubwürdig sein.
In Ritchies Film ist nichts glaubwürdig. Dan Aykroyd (Meine Stiefmutter ist ein Alien – 1988; Ferien zu dritt – 1988; Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; Kopfüber in die Nacht – 1985; Ghostbusters – 1984; Indiana Jones und der Tempel des Todes – 1984; Dr. Detroit – 1983; Unheimliche Schattenlichter – 1983; Die Glücksritter – 1983; Blues Brothers – 1980; 1941 – Wo bitte geht's nach Hollywood – 1979) erzählt als falscher Therapeut schmutzige Witze und gibt explizite Sextipps, was ihm sensationelle Einschaltquoten beschert – das ist glaubwürdig, nur sind die Witze nicht witzig, die Geschichte seiner Flucht nicht spannend, die Gefahr seiner Aufdeckung minimal, da der echte Dr. Baird ein weltfremder Profilneurotiker ist und Dr. Maitlin, den Dr. Baird nur vertreten soll, unter massiven Depressionen, Lebensunlust und der Untreue seiner Frau leidet, und wenn das Drehbuch dann nicht mehr weiter weiß, muss ein Ungeübter möglichst matschig Hummer essen. Alte Produzentenregel. Menschen, die im Nobelrestaurant nicht wissen wie man Hummer fachgerecht auf dem Teller zerlegt, gelten im Hollywoodkino als lustig.
Im vorliegenden Film zerlegt Walter Matthau (Piraten – 1986; Die Überlebenskünstler – 1983; Extrablatt – 1974; Erdbeben – 1974; Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3 – 1974; "Die Kaktusblüte" – 1969; Ein seltsames Paar – 1968; Der Glückspilz – 1966; Die 27. Etage – 1965; Charade – 1963; Der Mann aus Kentucky – 1955) als Landstreicher und verschrobener Bäumeliebhaber den Hummer, angemessen matschig. Dieser Landstreicher, Don Becker, geht dem falschen Therapeuten schon bei der Ankunft am Flughafen in Los Angeles auf die Nerven, aber aus irgendeinem Drehbuchgrund hat George Burns ihn dann als ständigen Begleiter sogar im Hotelzimmer an der Backe. Und weil Becker ahnt, dass Dr. Baird nicht Dr. Baird ist, weil der nämlich am Flughafen noch eine Knasthose trug, bietet die Einführung dieser Figur für etwa zehn Filmminuten Spannung, wie das wohl ausgeht. Wobei immer die Frage im Raum schwebt, was das eigentlich ist. Es fehlt ein roter Faden. Der falsche Doktor möchte mit dem vereinbarten Vorschuss von 200.000 Dollar außer Landes verschwinden, aber der Vorschuss in bar lässt auf sich warten und solange beglückt er therapiebedürftige Menschen in Los Angeles mit fragwürdigen Methoden, die eher vulgär als witzig sind. Don Becker steht herum und schaufelt sich an einem Promibuffet, an dem Angelenos sich mit ihren jüngsten Schönheitsoperationen brüsten, löffelweise Kaviar auf den Teller. Der sonst so wunderbare Charles Grodin, der den Dr. Matlin spielt ("Ishtar" – 1987; Die Frau in Rot – 1984; Ein Single kommt selten allein – 1984; Der Himmel soll warten – 1978; King Kong – 1976; Rosemaries Baby – 1968), fuchtelt im letzten Drittel mit irrem Blick einen Revolver, weil er seinen Nebenbuhler und besten Freund töten möchte und den falschen Dr. Baird gleich mit; aber diese Figur hat bis dahin noch überhaupt keine Fallhöhe aufgebaut. Sie bleibt ohne Sympathiepunkte und ist einfach egal, im Drehbuch nur vorgesehen als Katalysator für Slapstick.
Abschließende Diagnose: Der Film ist nicht austherapiert und muss zurück auf die Couch.
