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Plakatmotiv: 1941 – Wo bitte geht's nach Hollywood (1979)

Wunderkind folgt
seinem Spieltrieb

Titel 1941 – Wo bitte geht's nach Hollywood
(1941)
Drehbuch Robert Zemeckis + Bob Gale + John Milius
Regie Steven Spielberg, USA 1979
Darsteller

John Belushi, Dan Aykroyd, Treat Williams, Ned Beatty, Lorraine Gary, Murray Hamilton, Christopher Lee, Tim Matheson, Toshirô Mifune, Warren Oates, Robert Stack, Nancy Allen, Lucille Benson, Jordan Cohen, John Candy u.a.

Genre Komödie, Action, Krieg
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
27. März 1980
Inhalt

Kalifornien, 1941: Sechs Tage sind vergangen, seit japanische Kampfflugzeuge Pearl Harbor attackiert und einen Großteil der US-Pazifikflotte vernichtet haben. In Kalifornien, dem wahrscheinlich nächsten Ziel der Japaner, macht sich Panik breit. Die Menschen an der US-Westküste sind bis aufs Äußerste angespannt. Jeden Moment könnte das Festland angegriffen werden.

Angst und Hysterie beherrschen den Alltag und die Armee bereitet sich an der Küste Kaliforniens auf Anweisung von Colonel "Madman" Maddox auf eine imaginäre Fallschirm-Attacke vor, während in Los Angeles das Chaos regiert. Den zuständigen General Joseph W. Stilwell kümmert das aber nicht. Er widmet sich lieber der Filmvorführung von Dumbo.

Ein auf sich selbst gestelltes japanisches Unterseeboot taucht vor der Küste auf. Der Kapitän Mitamura sowie sein Nazikumpan Graf von Kleinschmidt beschließen, Hollywood anzugreifen. Als dieser Vorfall zusammen mit Gerüchten über andere Angriffe die Runde macht, bricht das totale Chaos aus. Tieffliegerangriffe auf den Hollywood-Boulevard, Massenschlägereien bei Jitterbug-Tanz-Wettbewerben, zur Verteidigung aktivierte Bauchredner, Amokfahrer und eine hysterische Heimwehr …

Was zu sagen wäre

Ein Japaner will auch irgendwas Amerikanisches zerbomben. Ein US-Captain ohne Flugerfahrung will eine Regierungsangestellte mit Flugzeugtick vögeln und wird deshalb als Angreifer gegen die USA identifiziert. Ein duschgeknallter Bomberpilot, der überall Japse sieht, schießt um sich. Ein deutscher Austauschoffizier meutert, um den Angriff auf Kalifornien zu verhindern. Ein Hamburgerbrater mit Tanzqualitäten klaut eine Uniform, um sein Mädchen von sich zu überzeugen. Ein spießiger Familienvater lässt Fünft gerade sein und opfert sein weiß gestrichenes Häuschen an der Küste, als der Japaner droht. Eine übergewichtige Matrone will endlich zum Schuss kommen und belagert deshalb einen Sergeant. Ein General will in Ruhe seinen Disneyfilm gucken.

Steven Spielberg wird vom Feuilleton gerne als Wunderkind bezeichnet. Das ist nach seinen bemerkenswerten Filmen bisher – un deren Erfolg an den Kinokassen – auch irgendwie nachvollziehbar. Aber scheinbar hat ihn noch niemand gefragt, was womöglich sein Wunschprojekt ist. In Jaws klang es mal anhand eines Autonummernschildes, das aus einem toten Hai plumpste, an, dass Spielberg gerne auf andere Filme rekurriert und damit Spässchen hat. Und weil ihn aber keiner gefragt hat, gibt er nun ungefragt die Antwort. In "1941" lässt er allen Realismus, der in seinen bisherigen Filmen den Thrill entfaltet hat, fahren und entfesselt eine bizarre Materialschlacht ohne tieferen Sinn.

Plakatmotiv: 1941 – Wo bitte geht's nach Hollywood (1979)Das Wunderkind tobt sich also aus. Im Opener zitiert er sich gleich mal selbst, wenn der eine langbeinige Blonde nachts nackt baden gehen lässt und der berühmte Bass-Dreiklang aus den Boxen wummt. Nur wird die Blondine hier nicht von einem Hai attackiert, sondern vom Sehrohr eines auftauchenden U-Bootes aus dem Wasser geholt. Da freut sich angesichts der Nackten auf dem Sehrohr der Japaner, „Hollywood“ gefunden zu haben, und pumpt selbiges Rohr auf der Kommandobrücke auf und nieder, immer wieder. Solche sexuellen Anspielungen gibt es viele in diesem Film – Ein Offizier schwärmt „Was für ein Flugzeug. Kraftvoll. Die größte Maschine, die wir haben. Sie hat eine enorme Reichweite. Du weißt doch wohl, was ich mit Reichweite meine. Ich meine, sie bleibt für eine verdammt lange Zeit oben. (…) Sie entwickelt eine Schubkraft, wie wirklich unglaublich ist. Und wenn dieses Baby mit Druck seine Ladung abschießt, dann Gnade Dir Gott!“ – und sie haben durchweg Pennälerniveau – das muss auf diesem Productionlevel also gewollt sein.

Mit "1941" will Spielberg erkennbar keinen Thriller, kein Drama drehen. Auch keine Komödie, die womöglich irgendwie sophisticated sein sollte (bei seinem Wunderkind-Ruf). Es wirkt, als habe er sich und der Welt bewiesen, dass er im Kino gelernt hat, wie Spannungsaufbau geht. Und jetzt will er endlich das machen, was ihm im Kino immer am meisten Spaß gemacht hat: eine explosive Materialschlacht. Da fährt dann auch ein Panzer durch eine Farbenfabrik um. anschließend in allen Schattierungen des Regenbogens zu glänzen. Slim Pickens, der einst auf Stanley Kubricks Bombe talwärts rauschte, spielt hier einen Kriegsgefangenen der Japaner, der auf dem Klo unter scharfer Bewachung einen Spielzeugkompass ausscheiden soll. Keiner weiß genau, worauf geschossen wird. „Ich schieße, worauf alle schießen“, sagt einer mitten in der Schießerei auf dem Hollywood Boulevard. Das ist nicht zielführend, aber man tut halt, was man kann. Vorbild für diese Farce soll übrigens eine "Schlacht um Los Angeles" in der Nacht vom 24. zum 25. Februar 1942 sein.

Mittendrin im Chaos inszeniert Spielberg einen Tanzwettbewerb – auf einem Parkett, auf dem eine Karikatur Adolf Hitlers zertanzt werden wird. Hier tobt das Wunderkind sich mit seinem Gespür für Tempo, Drive, Slapstick und irrwitzige Choreografie aus. Das ist alles unterhaltsam und witzig. Aber man fragt sich dennoch: Warum das Ganze? Was will er mir sagen? Nichts von dem, was ich sehe, passt gerade so recht in meine Zeit – anders als in Sugarland, bei Jaws oder in Wyoming. Wahrscheinlich will Spielberg einfach nur mal Dampf ablassen. Man sollte davon ausgehen, dass es ihn am meisten motiviert hat, auf dem Hollywood Boulevard das Disneykino mit Dumbo zu Klump zu schießen.

Wertung: 4 von 9 D-Mark
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