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Plakatmotiv: E.T. – Der Außerirdische (1982)

Eine intergalaktische Freundschaft
Ein Epoche machender Telefonanruf

Titel E.T. – Der Außerirdische
(E.T. the Extra-Terrestrial)
Drehbuch Melissa Mathison
Regie Steven Spielberg, USA 1982
Darsteller

Henry Thomas, Drew Barrymore, Robert MacNaughton, Dee Wallace, Peter Coyote, Robert MacNaughton, Drew Barrymore, K.C. Martel, Sean Frye, C. Thomas Howell, Erika Eleniak, David M. O'Dell, Richard Swingler, Frank Toth, Robert Barton, Michael Darrell, David Berkson u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
9. Dezember 1982
Inhalt

Außerirdische Botaniker haben die Erde besucht. Sie werden entdeckt und müssen den Planeten überstürzt verlassen. Eines der außerirdischen Wesen wird in der Hektik zurückgelassen.

Es sucht Unterschlupf in der nahegelegen Vorort-Siedlung. Dort wohnt der zehnjährige Elliott mit seiner Mutter Mary, seinem großen Bruder Michael und der kleinen Schwester Gertie. Der Vater hat die Familie verlassen und ist mit einer anderen Frau nach Mexiko gefahren.

Als Elliott den Außerirdischen hinter dem Haus entdeckt, freunden sich die beiden nach dem ersten Schreck schnell an. Elliott tauft seinen neuen Freund auf den Namen E.T., versteckt ihn im Haus und weiht seine Geschwister in das Geheimnis ein. Zwischen dem Jungen und dem Außerirdische etabliert sich eine besondere telepathische Verbindung – sie teilen ihre Gedanken und Gefühle.

Plakatmotiv: E.T. – Der Außerirdische (1982)E.T. hat Heimweh und Elliott will ihm helfen, nach Hause zu kommen. Zugleich sind die Regierungsvertreter unter der Leitung des Wissenschaftlers Keys dem gestrandeten Wesen aus dem All auf der Spur …

Was zu sagen wäre

Das ist ein Mann aus dem Weltraum. Und wir bringen ihn zu seinem Raumschiff!“, informiert Elliot seine Freunde auf der Flucht vor den Erwachsenen, und einer fragt zurück „Kann er sich denn nicht, ich meine, beamen, oder sowas?“ Ernst erwidert Elliot: „Das hier ist die Realität!“ Was für eine interessante Realität das ist: Aliens landen auf der Erde und das einzige, was ist, wie immer, ist, dass sie in den Vereinigten Staaten landen. Aber sie machen kein Brimborium, bedrohen niemanden, nein, sie landen im Wald, weil sie Pflanzenproben mit nach Hause nehmen wollen. Es sind keine martialisch aufgerüsteten Panzer-Aliens, sondern rundliche Gnome mit zu langen Gliedmaßen und großen Kugelaugen. und ihr Raumschiff ist eine freundlich leuchtende Kugel mit einer Art Kirchturmspitze obendrauf.

Dass Steven Spielberg einem Besuch von Außerirdischen eher erwartungsfroh entgegensieht, kann ahnen, wer 1977 seinen Close Encounter of the Third Kind gesehen hat. Auch da waren die Aliens großäugige ätherische Wesen mit langen Gliedmaßen und freundlichen Absichten. Aber auch noch in diplomatischer Mission unterwegs. Jetzt war einer der Außerirdischen ein bisschen zu verträumt in der neuen Umgebung und wird mehr aus Versehen zurückgelassen. und er trifft auf einen Jungen, der sich hier gerade auch nicht so recht zu Hause fühlt. Sein Vater hat die Familie verlassen, sein älterer Bruder ist gerade in der Phase, in der man jüngere Brüder echt nicht brauchen kann und seine kleine Schwester … ist drei Jahre alt. Spielberg treibt seine Vorliebe für die ganz normalen Leute auf die Spitze.

Die Figur des Normalos zieht sich durch seine Filme: der Autofahrer in Duell, der ein furchtbar durchschnittlicher Typ ist, die Entführer in Sugarland Express, die die hektische Welt um sie herum gar nicht verstehen, Sheriff Brody, der der kriminellen Hektik New Yorks seiner Familie wegen entflohen ist und jetzt einen Weißen Hai jagen muss. Selbst Indiana Jones, der Abenteurer, ist eigentlich ein adretter Archäologie-Professor an einem College in Neuengland. Hier nun ein Junge aus einer Scheidungsfamilie und ein außerirdischer, etwas verträumter Botaniker. Spielberg reicht das, um große Emotion zu erzeugen. Er schaut den beiden einfach zu.

Plakatmotiv (US): E.T. the Extra-Terrestrial (1982)Die Handlung ist anfangs eher dünn. Die braucht's eine Weile schlicht nicht. Ein Junge und sein Außerirdischer – kein erhabener Klaatu, der am "Tag, an dem die Erde still stand" die Menschheit ermahnt, auf Atomwaffen zu verzichten; kein It-came-from-Outerspace-Eskapismus. Spielbergs Alien zieht in den bunten mit allerlei Stoffpuppen gefüllten Wandschrank eines Zehnjährigen ein. Anders, als andere Kinohelden, die in angespannter Situation immer einen Grund haben, weshalb sie gerade niemanden zu Hilfe rufen können, macht Elliot, der Zehnjährige, das einzig Richtige: Er holt seinen älteren Bruder zu Hilfe – und allein die Jungsrituale, die dieser Bruder durchlaufen muss, bis er sich des Geheimnisses des jüngeren Bruders für würdig erwiesen hat, sind im Kinosessel eine fröhliche Rückkehr in die eigene Kindheit. Dieser Bruder erweist sich als echter älterer Bruder, eben kein Sackgesicht, kein Bully, sondern … der ältere Bruder. Souveräner in manchen Dingen, schneller bei manchen Fragen. Hilfreich eben.

Dazu passt, auch das wirkt genau überlegt, dass die dreijährige Schwester dem fremden Wesen eher zufällig vor die Füße stolpert – Gertie ist fortan für die süßen Kinderszenen zuständig, sie ist das optische Äquivalent zum Außerirdischen; und ganz nebenbei ist ihre Figur hilfreich beim Aufbau der Geschichte, die dann doch bald Fahrt aufnimmt. Der Außerirdische bekommt ordentlich Heimweh und der Gertie-Charakter wird für die entscheidende Ablenkung sorgen, wenn Elliot seinen Freund unerkannt in den Wald bugsiert. Es ist auch in Suburb, USA, für junge Teenager nicht einfach, unerkannt ein Alien in den Wald zu radeln, da ist es gut, wenn eine kleine Schwester ab und zu Verwirrung stiften kann.

Dazu passt, auch das wirkt genau überlegt, dass Gertie, die dreijährige Schwester, dem fremden Wesen eher zufällig vor die Füße stolpert – Gertie ist fortan für die süßen Kinderszenen zuständig, sie ist das optische Äquivalent zum Außerirdischen; und ganz nebenbei ist ihre Figur hilfreich beim Aufbau der Geschichte, die dann doch bald Fahrt aufnimmt. Der Außerirdische bekommt ordentlich Heimweh und der Gertie-Charakter wird für die entscheidende Ablenkung sorgen, wenn Elliot seinen Freund unerkannt in den Wald bugsiert. Es ist auch in Suburb, USA, für junge Teenager nicht einfach, unerkannt ein Alien in den Wald zu radeln, da ist es gut, wenn eine kleine Schwester ab und zu Verwirrung stiften kann.

Dass ich das alles so schreiben kann, ohne Worte darüber zu verlieren, dass es sich – auch vor der Kameras – um Kinder handelt, die da eine Rolle spielen müssen, als sei alles selbstverständlich, was sie da erleben, auch das ist eine Qualität Steven Spielbergs. Das fiel schon in Sugarland Express auf, als er im Vorgarten eine lange Einstellung drehte mit Kleinkind im Vordergrund, das unschuldig vor sich hin spielt und im richtigen(!) Moment anfangen soll zu weinen – und das auch tut. Und bei dem kleinen Barry in Close Encounter, der mit atemberaubender Sicherheit vor der Kamera sich immer wieder den unheimlichen Lichtern in den Arm wirft.

Die unheimliche Bedrohung ist trotz allen Süßigkeitenfaktors dauernd präsent. Erwachsene mit klingelnden Schlüsselbunden am Gürtel, die zunächst eher ziellos suchen und Spuren folgen, aber zunehmend zur dunklen Bedrohung schließlich im aseptischen Raumanzug werden. Hier bedient sich Spielberg eines visuellen Kniffs, den schon Walt Disney 1955 in Susi und Strolch angewandt hat: Spielberg hält die Kamera auf etwas über Hüfthöhe – was bei Disney die Cocker-Spaniel-Perspektive war, ist hier die Erzählperspektive eines 10-jährigen Jungen und eines Wesens, das auch nicht viel größer ist.

DVD-Cover: E.T. – Der Außerirdische (1982)Heroisiert Spielberg einerseits die durchschnittlichen, ängstlichen, erfahrungsarmen Menschen, dämonisiert er immer auch die staatlichen Institutionen. Am sichtbarsten in der unendlichen Rotte von blinkenden Polizeiwagen in Sugarland Express, am skrupellosesten der Bürgermeister und die lokale Wirtschaftselite in Jaws, die lieber ein paar Tote riskieren, bevor sie den Strand sperren lassen. Und was ist mit diesen beiden Geheimdienstleuten aus Raiders of the Lost Arch, die am Ende die Bundeslade in irgendeinem Hangar der Verstauben anheim geben? In Spielbergs Filmkosmos haben staatliche Behörden, Institutionen etwas Totalitäres, in ihrem keinen Widerspruch dulden Faschistoides; jener eine Good Cop in Sugarland Express ist altersmäßig kurz vor der Rente, also ein Aussterbender. Was bleibt dann?

In "E.T." sind es hinter Laboranzügen Gesichtslose, die sich des Hauses der Familie bemächtigen, ohne wenigstens irgendeine Legitimation vorzuzeigen, kein „Im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten …“, kein Hausdurchsuchungsbefehl, nichts. Sie kommen einfach rein, riegeln alles ab und legen das fremde Wesen in Quarantäne. Spielbergs Misstrauen sitzt tief, in einem Interview zum Filmstart sagte er, er habe im Grunde seine eigene Kindheit verfilmt. Auch er habe so einen Freund gehabt, so wie ihn auch James Stewart hatte in Harvey; in einer Szene geht Elliots Mutter stampfenden Geräuschen aus Elliot Zimmer nach, schaut in den Wandschrank, wo sich E.T. mit seinen großen Augen zwischen lauter Puppen mit großen Augen versteckt. Die Mutter übersieht ihn: E.T. bleibt für Erwachsene unsichtbar. Diese unsichtbaren Freunde sind für Kinder wichtig in einer Welt, die von anonymen Institutionen beherrscht wird; in einer Welt, die ihre Schüler zwingt, betäubte Frösche aufzuschneiden – eine sehr schön aufgelöste Szene in diesem Film, die die ultimativen Schrecken, die Elliot später in der Quarantäne durchleidet, vorweg spürbar werden lässt: Heute sind es Frösche, morgen Außerirdische.

Dass dann die Nachbarschafts-Jungs auf ihren BMX-Rädern die zahlreichen Cops in ihren Lalülala-Autos an der Nase herumführen, weil sie sich in ihrem Viertel halt besser auskennen, ist alles in allem folgerichtig und auch absolut nachvollziehbar; da ist jede Realismus-Mäkelei fehl am Platze. Dass sich am Ende sogar ein neuer Daddy andeutet im vaterlosen Haushalt, ein Wissenschaftler, der dem Jungen ausdrücklich bescheinigt, alles richtig gemacht zu haben und es sei ein Glück gewesen, dass er den Außerirdischen vor seinen Leuten gefunden habe, ist ein wenig klebrig – aber in diesem unzerstörbar schönen Film auch nicht weiter störend. Der Junge hat seinen Vater verloren, dann seinen außerirdischen Freund. Da soll ihm im Kino doch was Positives gegönnt sein. Das ist ja hier im Kino schließlich die Realität!

Wertung: 9 von 9 D-Mark
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