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Plakatmotiv: The Gentlemen (2019)

Gangster-Comic mit Klischees.
Ganz nett anzuschauen.

Titel The Gentlemen
(The Gentlemen)
Drehbuch Guy Ritchie & Ivan Atkinson & Marn Davies
Regie Guy Ritchie, UK, USA 2019
Darsteller

Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Michelle Dockery, Jeremy Strong, Lyne Renée, Colin Farrell, Henry Golding, Tom Wu, Chidi Ajufo, Hugh Grant, Simon R. Barker, Eddie Marsan, Jason Wong, John Dagleish, Jordan Long u.a.

Genre Crime, Komödie
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
27. Februar 2020
Inhalt

Der Drogenbaron Mickey Pearson hat sich ein kleines aber feines Imperium für Marihuana in London aufgebaut. Von dort aus ist es für den Amerikaner ein Leichtes, den Stoff über den ganzen Kontinent zu verteilen.

Mittlerweile ist er allerdings an einem Punkt in seinem Leben angekommen, an dem er sich lieber seiner Frau Rosalind widmet, um ein legales Leben in der britischen Oberschicht zu führen – doch dafür braucht Mickey erst einmal einen Käufer für seine Plantagen. Größter Anwärter ist der stinkreiche Matthew Berger, der viel Geld für die gut versteckten und über das ganze Land verteilten Grundstücke bietet, dafür aber auch gewisse Sicherheiten verlangt.

Als die halbe Unterwelt Londons Wind von der Sache bekommt, hat nicht nur Mickey, sondern vor allem dessen rechte Hand Ray alle Hände voll zu tun. Denn dem Triaden-Boss Lord George, dem verrückten Dry Eye sowie dem gierigen Ermittler Fletcher ist jedes Mittel recht, um in dem Millionengeschäft mitzumischen …

Was zu sagen wäre

Das aufregendste an diesem Film ist Hugh Grant, der einen Schmierlappen besonderer Güte spielt, einen gierigen, abgefuckten Privatschnüffler, der seine Echsenaugen hinter orangefarbenen Brillengläsern versteckt und unbescholtene Drogenbarone erpressen möchte. Kein charmanter Loverboy – okay, die Jahre sind wohl auch vorbei – kein smarter Bürochef, überhaupt nicht charmant. Und er darf sehr oft „Fuck!“ sagen.

Naja, okay, das ist ein Film von Guy Ritchie, da dürfen die Männer alle immer „Fuck!“ sagen. Es sei denn, Ritchie dreht für den Disney-Konzern. Aladdin und sein Flaschengeist würden natürlich niemals „Fuck!“ sagen. In dieser Krimi–… Komödie? Farce? Topfschlagen? spielen viele Männer mit, eigentlich nur, bis auf Michelle Dockery (Downton Abbey – 2019; Non-Stop – 2014; Wer ist Hanna? – 2011), die unverkennbar eine Frau ist, aber genauso hart und cool wie die Kerle um sie herum. Was daran liegt, dass Guy Ritchie da keinen Unterschied macht. Frau? Mann? Alles das gleiche, nur dass die Oberweite der einen das Gehirn des anderen manchmal zum Aussetzen bringt, was zu blutigen Filmszenen führt. Das mit der Wechselwirkung zwischen Oberweite und Gehirn ist natürlich ein Klischee. Genauso wie die Typen in den Guy-Ritchie-Filmen Klischees sind (King Arthur: Legend of the Sword – 2017; Codename U.N.C.L.E. – 2015; Sherlock Holmes – Spiel im Schatten – 2011; Sherlock Holmes – 2009; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Bube Dame König grAS – 1998).

Guy Ritchie Figuren sind Comicfiguren. In einem Drogencomic. Sein neuer Film erinnert an die Zeit, als er mit solchen Plots noch überraschend und neu war. Verschiedene Gangster gehen aus unterschiedlichen Gründen aufeinander los, schmieden wie Schachspieler komplexe Plots, verbrüdern sich, verraten sich und zwischendurch wird einer erschossen. Anschließend lässt man sich Wildschwein in Pfefferminzsoße servieren (oder sowas ähnliches). Tot sind im nächsten Augenblick dabei meist die, die ihre ultimativen Drohungen einmal zu oft wieder nicht umgesetzt haben.

Neben Hugh Grant – und Colin Farrell (Dumbo – 2019; Widows – Tödliche Witwen – 2018; Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – 2016; Saving Mr. Banks – 2013; Total Recall – 2012; Kill the Boss – 2011; London Boulevard – 2010; Das Kabinett des Doktor Parnassus – 2009; Cassandras Traum – 2007; Miami Vice – 2006; Daredevil – 2003; Nicht auflegen! – 2002; Minority Report – 2002), der einen ausgesprochen liebenswerten Coach spielt, der Teenager von der Unterwelt fern halten will und dauernd Kriminelles mit ihnen anstellen muss – ist die Erzählweise bemerkenswert. Der Gangsterplot mag bei Ritchie immer der gleiche sein. Aber er findet wenigstens immer wieder neue Arten, ihn zu erzählen.

Der Film beginnt nicht am Anfang. Er beginnt mittendrin. Vieles wird in Rückblenden erzählt und dann in Rück-Rückblenden nochmal näher erklärt. Denn so wenig verzwickt die Story eigentlich ist, so verzwickt wird sie erzählt – und Ritchie lässt sie uns wie ein Puzzle aus 1.000 Teilen zusammensetzen, dessen erstes die Erkenntnis ist, dass es sich überhaupt um eine Rückblende handelt; die ersten 20 Minuten wirken wie das Produkt eines Drehbuchs, dessen Verfasser in eine seiner Marihuana-Plantagen gefallen ist.

Das und die gut aufgelegten Schauspieler sind gut für einen launigen Abend im Kino – dessen Inhalt man freilich beim zweiten Riesling danach vergessen hat.

Wertung: 3 von 8 €uro
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