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Plakatmotiv (US): Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern / Angels with dirty faces
Das Kino leuchtet die dunklen
Seitengassen des Lebens aus
Titel Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern
(Angels with Dirty Faces)
Drehbuch John Wexley + Warren Duff + Ben Hecht (uncredited) + Charles MacArthur (uncredited)
nach einer Geschichte von Rowland Brown
Regie Michael Curtiz, USA 1938
Darsteller
James Cagney, Pat O'Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan, George Bancroft, The 'Dead End' Kids, Billy Halop, Bobby Jordan, Leo Gorcey, Gabriel Dell, Huntz Hall, Bernard Punsly, Joe Downing, Edward Pawley, Adrian Morris u.a.
Genre Crime, Drama
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
7. Mai 1965
Inhalt

Die Freunde William Rocky Sullivan und Jerome Jerry Connelly wachsen als Straßenjungs in einem Chicagoer Armenviertel auf. Bei einem gemeinsamen harmlosen Einbruch in einen Güterwagon wird Sullivan festgenommen, während Jerry durch einen Spurt entkommen kann. Dieses Ereignis verändert das Leben der beiden Jungs von Grund auf. Rocky kommt in ein Jugendgefängnis, wo er mit Kriminellen in Kontakt gerät und nach der Haft eine Karriere als Gangster beginnt. Er wird später noch mehrfach zu Haftstrafen verurteilt.

Nachdem er seine jüngste Strafe abgesessen hat, kehrt Rocky in das Stadtviertel zurück, in dem er aufwuchs, und wo er einst seine kriminelle Karriere startete. Dort trifft er Connelly wieder. Der ist heute katholischer Priester und hat sich dem Kampf gegen die Jugendkriminalität verschrieben. Ein Mittel dazu sind Basketballspiele zwischen jugendlichen Gangs, die aber immer wieder daran scheitern, dass sich keiner der Straßenjungs an die Spielregeln halten will – ganz so wie im täglichen Leben auf der Straße, bei dem sich stets das Recht des Stärkeren durchsetzt. Mit Rocky steht nun ein neues Problem auf dem Basketballplatz. Die Jugendlichen verehren Sullivan als Idol und Helden. Daher kommt es immer wieder zu Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen den einstigen Freunden.

Plakatmotiv (US): Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern / Angels with dirty facesAls Jerry eines Tages den Anwalt James Frazier und den Geschäftsmann Mac Keefer öffentlich der Bestechung und Korruption bezichtigt – eine Information, die deren Geschäftspartner Rocky ihm zuvor gegeben hatte – planen diese die Ermordung des Priesters. Rocky, der durch Zufall von dem Komplott erfährt, beschließt, seinem Freund das Leben zu retten. Er erschießt Frazier und Keefer und wird dafür zum Tod auf dem Elektrischen Stuhl verurteilt …

Was zu sagen wäre
Das größte Opfer des Verbrechens ist die Kindheit. Mit „Angels with dirty faces“ liefert Michael Curtiz das zweite harte Sozialdrama um Gangster und Jugend binnen eines Jahres. Ähnlich wie in der Crime School erleben wir lauter allein gelassene Kinder, deren Eltern offenbar aus rein dramaturgischen Gründen nicht stattfinden – irgendein tragisches Schicksal jedenfalls wird nicht erwähnt. Es sind dieselben Jungs, die wir eben erst in der Schule des Verbrechens gesehen haben – diesmal mit verschärft krimineller Konnotation.

James Cagney glüht. Sein Rocky, der kleine Taschendieb mit dem großen Herzen, der im Gefängnis zum großen Gangster-Star wurde, ist immer angespannt, die Schultern sind immer hochgezogen, dieser ehemalige Knastbruder bewegt sich wie ein Bleistifft mit ein paare Gelenken. Die Besetzung des blonden James Cagney als good-bad-guy, dem Bösen mit Herz, der durch die Umstände auf die schiefe Bahn gerät und des dunkelhaarigen Humphrey Bogart als bad-bad-guy, dem herzlosen „nur-bösen“ Gangster, ist ein Besetzungsmodell für mehrere weitere Gangsterfilme. Cagney und Bogart drehen kurz darauf den Gangsterfilm Die wilden Zwanziger und den Western Oklahoma Kid zusammen.

Plakatmotiv (US): Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern / Angels with dirty facesRaoul Walsh liefert einen klassischen Männerfilm. Er liefert uns einer Welt aus, die im Umbruch ist, in der der im Knast sozialisierte, von der Gesellschaft ausgekotzte Rocky Sullivan die alte Zeit personifiziert mit Moralvorstellungen vergangener Edelleute. Neben ihm personifiziert Bogart den cleveren Anwalt, der geschickt seine Fäden zieht und das Alte (Cagney) austrickst.

Ich möchte gerne sagen, Cagney sei einzigartig (es läge nach seiner Performance so nahe). Aber das wäre nicht richtig. Frankie Burke, der den jungen Rocky spielt, kommt diesem hochtourigen, nervös die Umgebung taxierenden Cagney sehr nahe. Hüben und drüben wird Good und Bad, Recht und Unrecht, Himmel und Hölle inszeniert, hier die Basketballhalle „für die Jungs“, dort die Spielhalle. Selbst der Pater ist ein Ex-Krimineller.

Sehenswert auch das intensive Spiel James Cagneys und Humphrey Bogarts, die als klassisch gewordenes Kontrahentenpaar auftreten. Nach einer Stunde platzt es aus dem Pater heraus: „Drinnen in dem Heim werden meine Jungs anständig sein. Und draußen sind sie wieder von Korruption, Verbrechen und Verbrechern umgeben. Jawohl, Du eingeschlossen. Verbrecher, wo Du hinsiehst, zu denen meine Jungs aufsehen und die sie verehren, sie respektieren, bewundern und denen sie nacheifern. Was hat es denn für einen Sinn, wenn ich ihnen erzähle, dass sie es mit Ehrlichkeit am weitesten bringen, wenn sie überall sehen, dass Unehrlichkeit sie weiterbringt? Dass jeder Lump und Gangster mit derselben Achtung behandelt wird, wie ein erfolgreicher Geschäftsmann oder ein prominenter Star?“

Michael Curtiz und seine Autoren zeigen uns ungeschönt, wie hässlich die dunkle Seite derf Gesellschaft ist. Eines der überzeugendsten Werke des amerikanischen Gangsterfilms.

Wertung: 6 von 6 D-Mark
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