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Plakatmotiv: Eine Frau steht ihren Mann (1988)
Spritzig bunt,
aber nicht scharf
Titel Eine Frau steht ihren Mann
(Switching Channels)
Drehbuch Jonathan Reynolds
nach dem Theaterstück von Ben Hecht und Charles MacArthur
Regie Ted Kotcheff, USA 1988
Darsteller Kathleen Turner, Burt Reynolds, Christopher Reeve, Ned Beatty, Henry Gibson, George Newbern, Al Waxman, Ken James, Barry Flatman, Ted Simonett, Anthony Sherwood, Joe Silver, Charles Kimbrough, Monica Parker, Allan Royal u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
4. März 1988
Inhalt

Als John L. Sullivan IV, Chefredakteur eines Nachrichtensenders, erfährt, dass seine Exfrau und beste Reporterin Christy Colleran ihren Job zugunsten einer Ehe mit dem Multimillionär Blaine Bingham an den Haken hängen möchte, will er dies verhindern.

So setzt er Colleran auf eine letzte Story an: Die Berichterstattung über die bevorstehende Hinrichtung des Gefangenen Ike Roscoe. Dieser hatte im Affekt einen dealenden Cop erschossen und ist zum Spielball der Politik, allen voran des Schwergewichts Roy Ridnitz geworden. Roscoe wittert seine letzte Chance, als Colleran mit ihm ein Interview führen möchte und sich ihm so unverhofft eine Fluchtmöglichkeit bietet …

Was zu sagen wäre

Diese Story erfreut sich unter Hollywoods Filmemachern großer Beliebtheit. Lewis Milestone verfilmte das Theaterstück 1931 unter seinem Originaltitel „The Front Page“ mit Adolphe Menjou und Pat O'Brien. 1940 drehte Howard Hawks His girl Friday mit Cary Grant und Rosalind Russell. Billy Wilder drehte 1974 The Front Page mit Walter Matthau und Jack Lemmon. Daneben gibt es zahlreiche TV-Verfilmungen des Stücks. Die Vielfalt zeigt, wie gerne Hollywoods Bosse den Medien mal ans Bein pinkeln. In diesem Stück stecken jede Menge böse Spitzen gegen Reporter, die die Wahrheit weniger wichtig nehmen als eine griffige Schlagzeile und gegen korrupte Spitzenbeamte, die für die Karriere über Leichen gehen.

Das Stück zeichnen brillante, feilschnelle Dialoge aus, die Ted Kotcheff (Die verwegenen Sieben – 1983; Rambo – 1982) in seiner auf einen TV-Sender umgeschriebenen Fassung mit zahlreichen Szenenwechseln aufbereitet. Das sieht alles nach gepfefferter Screwball-Comedy aus. Aber es fehlen dann eben doch die Pastell-, die Grautöne, die einer Comedy den melancholischen Touch verleihen, der aus ihr große Komdienkunst werden lässt. Unter Ted Kotcheffs Regie ist alles in Primärfarben, in Schwarz oder Weiß; es fehlt das Fettgewebe, das aus Fleisch einen schmackhaften Brocken macht.

Kathleen Turner (Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil – 1985; „Die Ehre der Prizzis“ – 1985; Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten – 1984), Burt Reynolds und Christopher Reeve (Superman – 1978; U-Boot in Not – 1978) geben alles, um dass Drehbuch lebendig zu machen. Aber es bleiben stumpfe Bilder, allbekannte Klischees über liebeshungrige, weicheierige Politiker und das hektische Reporterleben zwischen eigener Haltung und abschreibenden Karrieristen – die hatten aber Howard Hawks und Billy Wilder auch schon im Köcher. So bleiben am Ende 100 hochwertige Minuten an einem durchschnittlich vergnüglichen Mittwoch vor dem Fernsehen – mit ein paar sehr lustigen Auftritten von Ned Beatty (der auch schon in Network für unvergesslich Momente sorgte).

… und dennoch bleibt der bittere Nachgeschmack von Schlagzeilengeilen ReporternRedakteuren und Politikern, die gar nicht genug Bosheit verspritzen können

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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